BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die zunehmende Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Homeoffice, insbesondere ins Ausland, birgt neue steuerliche Risiken. Der Deutsche Steuerberaterverband warnt vor unklaren Regelungen und fordert die Übernahme internationaler Standards, um Rechtsunsicherheit und Doppelbesteuerung zu vermeiden.

Die zunehmende Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Homeoffice, insbesondere ins Ausland, birgt neue steuerliche Risiken. Der Deutsche Steuerberaterverband (DStV) hat den Entwurf des Bundesfinanzministeriums (BMF) zur Definition von Betriebsstätten scharf kritisiert. Der Verband sieht in den vorgeschlagenen Regelungen eine erhebliche Rechtsunsicherheit für Unternehmen, die Mitarbeiter im Ausland beschäftigen.
Moderne Arbeitsmodelle wie das Homeoffice erfordern eine klare und rechtssichere Vertragsgestaltung. Der aktuelle Entwurf des Finanzministeriums setzt jedoch auf komplexe Einzelfallprüfungen, die sich an Urteilen des Bundesfinanzhofs orientieren. Dies führt laut DStV zu massiver Rechtsunsicherheit und könnte Unternehmen in bürokratische Fallstricke führen.
Besonders problematisch sind die unterschiedlichen internationalen Standards. Die OECD hat im November 2025 ihr Musterabkommen zur Besteuerung aktualisiert. Demnach begründet ein Homeoffice im Ausland normalerweise keine Betriebsstätte, wenn der Mitarbeiter dort weniger als 50 Prozent seiner Arbeitszeit verbringt. Der DStV fordert, dass Deutschland diese 50-Prozent-Regel übernimmt, um Konflikte mit anderen Staaten und Doppelbesteuerung zu vermeiden.
Die Betriebsstätten-Frage ist jedoch nur ein Aspekt der Problematik. Lohnsteuer und Sozialversicherung bergen ebenfalls Risiken. Arbeiten Angestellte längerfristig aus dem Ausland, kann dies zu rückwirkenden Steuernachforderungen im Gastland führen. Einige Länder, wie die Niederlande, haben Sonderregeln eingeführt, die bis zu 34 Tage Homeoffice pro Jahr ohne Steuerfolgen erlauben. Solche Ausnahmen sind jedoch selten, und ohne klare Verträge und Tracking-Systeme können Unternehmen ungewollt in Steuerfallen tappen.
Unternehmen müssen nun handeln und ihre Compliance-Strukturen stärken. Echtzeit-Tracking-Systeme, die genau dokumentieren, wie viele Tage Mitarbeiter im Ausland arbeiten, werden immer wichtiger. Interne Richtlinien sollten klare Verantwortlichkeiten definieren, und bestehende Verträge müssen auf versteckte Betriebsstätten-Risiken überprüft werden. Die finale Verwaltungsanweisung des BMF wird noch in diesem Jahr erwartet und dürfte für das gesamte Jahrzehnt Maßstäbe setzen.
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