BRÜSSEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Europäische Union intensiviert ihre Bemühungen um digitale Unabhängigkeit mit einer umfassenden Überarbeitung des Chips Act. Ziel ist es, die Abhängigkeit von Halbleiter-Importen zu reduzieren und die digitale Souveränität zu stärken. Gleichzeitig werden strengere Cloud-Vorschriften und der Digital Services Act umgesetzt, um die IT-Sicherheit und Compliance in Unternehmen zu erhöhen.

Die Europäische Union hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, ihre digitale Souveränität zu stärken und die Abhängigkeit von Halbleiter-Importen zu verringern. Ein zentraler Bestandteil dieser Strategie ist die Überarbeitung des Chips Act, der ursprünglich als schnelle Reaktion auf Lieferengpässe im Jahr 2023 eingeführt wurde. Nun soll der Chips Act 2.0 eine nachhaltige Architektur schaffen, die durch ein kohärenteres Fördersystem mit EU-Mitteln unterstützt wird. Dies soll den Kapitalbedarf der globalen Halbleiterindustrie decken und die Zersplitterung der Subventionen aus nationalen Haushalten beheben.
Parallel zur Überarbeitung des Chips Act legt die EU großen Wert auf die Cloud- und Datenhoheit. Eine aktuelle Analyse warnt davor, dass die bloße Speicherung von Daten in europäischen Rechenzentren keine Souveränität garantiert, wenn US-Cloud-Anbieter involviert sind. Der US CLOUD Act ermöglicht amerikanischen Behörden den Zugriff auf Daten, die bei US-Firmen gespeichert sind, unabhängig vom physischen Standort. Um dem entgegenzuwirken, fördert das Digital Europe Programme interoperable Cloud-Dienste und European Data Spaces mit einem Budget von über 8,1 Milliarden Euro.
Der Digital Services Act (DSA) wird ebenfalls verstärkt umgesetzt, um die Bekämpfung von Desinformation zu unterstützen. Große Online-Plattformen haben bereits ihre ersten Transparenzberichte veröffentlicht, die nun unter den DSA fallen. Diese Berichte sind ein Indiz dafür, dass die EU ernsthaft gegen Desinformation vorgeht. Ein Beispiel ist die Einstufung von WhatsApp Channels als Very Large Online Platform, was für Meta strengere Auflagen bedeutet. Der DSA zielt darauf ab, nicht nur illegale Inhalte zu bekämpfen, sondern auch gesellschaftliche Risiken durch Falschinformationen zu minimieren.
Die EU plant zudem weitere Initiativen im Rahmen der Digitalen Dekade, um ihre technologische Zukunft zu sichern. Dazu gehören der Digital Networks Act, der Cloud and AI Development Act und der Quantum Act. Diese Maßnahmen sind Teil eines umfassenden Plans, um die Abhängigkeit von Drittstaaten zu reduzieren und die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Die regulatorische Landschaft wird sich bis 2026 weiter verdichten, insbesondere durch die neue EU-KI-Verordnung, die Pflichten für den Einsatz künstlicher Intelligenz konkretisiert.
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