SAN FRANCISCO / LONDON (IT BOLTWISE) – In den 1990er-Jahren versprach die Software SoftRAM, den Arbeitsspeicher von Windows-PCs zu verdoppeln. Doch hinter der glänzenden Fassade verbarg sich ein Bluff, der die Tech-Welt erschütterte. Wie konnte ein solches Produkt zum Verkaufsschlager werden, bevor es als Schwindel entlarvt wurde?

In den 1990er-Jahren, als die Computerisierung in vollem Gange war, war Speicherplatz ein kostbares Gut. Die US-Firma Syncronys, unter der Leitung des deutschen Unternehmers Rainer Poertner, versprach mit ihrer Software SoftRAM eine Verdopplung des Arbeitsspeichers von Windows-Rechnern. Dieses Versprechen führte das Unternehmen bis an die US-Börse, bevor Experten den Schwindel aufdeckten: Die Software tat nichts dergleichen.
Die Verbreitung von Computern nahm Mitte der 1990er-Jahre rasant zu. Windows 3.1 war auf dem Weg, eines der beliebtesten Betriebssysteme weltweit zu werden, und mit Windows 95 wollte Microsoft seine führende Position weiter ausbauen. Doch Berichte warnten, dass Windows 95 sehr speicherhungrig sei, was auf älteren Computern zu Performance-Problemen führen könnte. Viele PC-Besitzer standen vor der Wahl, entweder einen neuen PC zu kaufen oder eine teure Speichererweiterung zu erwerben.
Rainer Poertner war einer der vielen Tüftler, die in der aufstrebenden Computerszene Fuß fassen wollten. Sein Name tauchte erstmals in den frühen 1990er-Jahren auf, als er eine PC-Steckkarte ankündigte, die einen PC in einen Macintosh-Rechner verwandeln sollte. Doch das Produkt kam nie über die Ankündigungsphase hinaus. Kurze Zeit später war Poertner im Umfeld der Seamless Software Corporation aktiv, die an einer Lösung für Speicherengpässe auf Windows-PCs arbeitete.
SoftRAM kam 1995 in den USA auf den Markt, zunächst für Windows 3.1, und verkaufte sich über 100.000 Mal. Der Einstiegspreis von 30 US-Dollar war verlockend, und niemand hinterfragte die Funktionsweise des Programms. Der Erfolg animierte Syncronys, SoftRAM95 für Windows 95 herauszubringen, das sich noch besser verkaufte. Doch als Computer-Redakteure die Software untersuchten, fanden sie heraus, dass sie nichts anderes tat, als die temporäre Auslagerungsdatei auf der Festplatte zu vergrößern. Die Software war ein Placebo, und die grafischen Anzeigen waren reine Fassade.
Nach der Veröffentlichung der Recherche in Fachmagazinen versuchte Syncronys, mit Klagen und Erklärungen seine Position zu verteidigen. Doch das Vertrauen der Investoren schwand, und der Aktienkurs fiel. 1998 meldete Syncronys Insolvenz an, und SoftRAM95 wurde als einer der größten Software-Fakes der Geschichte bekannt. Rainer Poertner zog sich aus dem Computergeschäft zurück und leitet heute einen Finanzdienstleister in den USA.
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