WASHINGTON / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Artemis-II-Mission hat nicht nur die zivile Rückkehr zum Mond in den Fokus gerückt, sondern auch das Interesse des US-Militärs geweckt. Der cislunare Raum, der Bereich zwischen Erde und Mond, wird zunehmend als potenzielles Operationsgebiet betrachtet. Diese Entwicklung könnte die geopolitische Dynamik im Weltraum nachhaltig verändern.

Die jüngste Artemis-II-Mission hat nicht nur die Aufmerksamkeit auf die zivile Rückkehr zum Mond gelenkt, sondern auch das Interesse des US-Militärs geweckt. Der cislunare Raum, der Bereich zwischen Erde und Mond, wird zunehmend als potenzielles Operationsgebiet betrachtet. Diese Entwicklung könnte die geopolitische Dynamik im Weltraum nachhaltig verändern.
Bereits bei der Artemis-II-Mission spielt das US-Militär eine konkrete Rolle. Die Space Force überwacht die Flugbahn der Rakete über dem Atlantik und ist im Notfall dafür zuständig, ein Zerstörungssignal zu senden, falls das Trägersystem vom Kurs abkommt. Die Air Force hält ein Rettungsteam für den Fall eines Startabbruchs bereit, und die Navy wird die Orion-Kapsel samt Besatzung nach der Rückkehr aus dem Meer bergen – ähnlich wie schon bei den Apollo-Missionen vor über 50 Jahren.
Was sich jedoch geändert hat: Das US-Militär betrachtet den Weltraum mittlerweile offiziell als „Warfighting Domain“, also als potenzielles Gefechtsfeld. Der Wettbewerb zwischen den USA und China erstreckt sich bereits auf den erdnahen Orbit, wo beide Nationen Fähigkeiten zur Störung oder Zerstörung gegnerischer Satelliten entwickeln. Im Dezember unterzeichnete Präsident Trump eine Executive Order, die die Regierung anweist, Bedrohungen für US-Interessen im Weltraum bis hin zum Mond erkennen und abwehren zu können.
Thomas Ainsworth, zuständiger Staatssekretär für Weltraumbeschaffung der Air Force, erklärte im März auf einer Branchenkonferenz: „Wir müssen damit beginnen, cislunare Fähigkeiten in die Space Force zu integrieren. Wir meinen das ernst.“ General Stephen Whiting, Befehlshaber des US Space Command, äußerte sich ähnlich. „Dies ist ein Ort für potenzielle militärische Operationen in der Zukunft“, sagte er. Das Space Command werde die Artemis-II-Mission nutzen, um Taktiken und Verfahren zur Verfolgung von Raumfahrzeugen auf dem Weg zum Mond zu erproben.
Die Nasa hat vergangene Woche zudem eine Umstrukturierung ihres Mondprogramms angekündigt. Die Entwicklung einer geplanten Raumstation in der Mondumlaufbahn wird eingestellt, stattdessen soll der Fokus auf einer permanenten Basis auf der Mondoberfläche liegen. Der Mond bietet an seinen Polen strategisch wertvolle Ressourcen: In ewig dunklen Kratern lagert Wassereis, und auf sogenannten Gipfeln des ewigen Lichts steht nahezu durchgehend Sonnenlicht zur Verfügung.
Generalmajor Anthony Mastalir von der Space Force lenkte die Debatte indes auf eine nüchternere Ebene: „Wir kämpfen nicht um Mineralvorkommen auf einem Asteroiden. Wir eskortieren keine Konvois zum Mars“, sagte er. Die eigentliche Sorge gelte vielmehr der Frage, ob ein potenzieller Gegner den Mond oder seine Umlaufbahnen als Ausgangspunkt für Angriffe auf US-Systeme im erdnahen Raum nutzen könne. Es darf davon ausgegangen werden, dass die USA diese militärische Komponente auch bei ihren eigenen Missionen mitdenken werden.
Die Artemis-II-Mission ist damit weit mehr als ein Prestigeprojekt der bemannten Raumfahrt. Sie markiert den Beginn einer Phase, in der zivile Erkundung und militärstrategische sowie geopolitische Überlegungen am Mond zunehmend ineinandergreifen.
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