LONDON (IT BOLTWISE) – Die Verlagerung von KI-Inferenz auf lokale Geräte stellt eine neue Herausforderung für Sicherheitsverantwortliche dar. Während bisher der Fokus auf der Kontrolle von Cloud-Diensten lag, erfordert die Nutzung von KI-Modellen auf Endgeräten eine neue Herangehensweise an die Sicherheitsstrategie.

Die Sicherheitsstrategien von Unternehmen haben sich in den letzten Jahren stark auf die Kontrolle von Cloud-Diensten konzentriert. Doch mit der zunehmenden Verlagerung der KI-Inferenz auf lokale Geräte, wie Laptops und Desktops, stehen Sicherheitsverantwortliche vor neuen Herausforderungen. Diese Entwicklung, oft als “Shadow AI 2.0” bezeichnet, ermöglicht es Entwicklern, leistungsfähige Modelle direkt auf ihren Geräten auszuführen, ohne dass Daten das Unternehmensnetzwerk verlassen.
Diese Verschiebung wird durch mehrere technologische Fortschritte ermöglicht. Verbraucherfreundliche Hardware, wie ein MacBook Pro mit 64 GB Speicher, kann mittlerweile komplexe Modelle in akzeptabler Geschwindigkeit ausführen. Zudem hat die Verbreitung von Quantisierungstechniken dazu geführt, dass Modelle in kleinere, effizientere Formate komprimiert werden können, die auf Laptops passen. Die Verfügbarkeit von Open-Source-Modellen und die einfache Verteilung über Plattformen wie Hugging Face tragen ebenfalls zur Verbreitung bei.
Für Sicherheitsverantwortliche bedeutet dies, dass traditionelle Methoden zur Datenverlustprävention nicht mehr ausreichen. Wenn KI-Inferenz lokal stattfindet, gibt es keine offensichtlichen Netzwerkaktivitäten, die überwacht werden können. Dies führt zu neuen Risiken, wie der Integrität von Code und Entscheidungen, der Einhaltung von Lizenzbestimmungen und der Herkunft von Modellen. Unternehmen müssen daher neue Strategien entwickeln, um diese Risiken zu managen.
Ein Ansatz könnte darin bestehen, die Governance auf die Endgeräte zu verlagern. Dies umfasst die Inventarisierung und Erkennung von Modellnutzungen, die Überwachung von Prozessen und die Durchsetzung von Richtlinien zur Installation nicht genehmigter Laufzeitumgebungen. Zudem sollten Unternehmen ihren Entwicklern eine kuratierte Auswahl an genehmigten Modellen zur Verfügung stellen, um die Nutzung ungetesteter Modelle zu minimieren.
Die Verlagerung der Sicherheitskontrollen von der Cloud zurück auf die Endgeräte erfordert eine Anpassung der Unternehmensrichtlinien. Diese sollten explizit den Umgang mit Modellartefakten auf Unternehmensgeräten regeln und klare Vorgaben für die Nutzung von Modellen mit sensiblen Daten enthalten. Nur so können Unternehmen sicherstellen, dass sie die Kontrolle über ihre Daten und Prozesse behalten, während sie die Vorteile der lokalen KI-Inferenz nutzen.
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