BERN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Schweiz verabschiedet sich von der Eigenmietwertbesteuerung ab 2029, was einen bedeutenden Systemwechsel im Steuersystem darstellt. Diese Reform, die nach einem Volksentscheid von 2025 beschlossen wurde, bringt neue Regelungen für Abschreibungen und Hypothekarzinsen mit sich und ermöglicht Kantonen, Zweitwohnungen neu zu besteuern.

Die Schweiz steht vor einem bedeutenden Wandel in ihrem Steuersystem: Ab dem 1. Januar 2029 wird die umstrittene Eigenmietwertbesteuerung abgeschafft. Diese Entscheidung folgt auf einen Volksentscheid im Jahr 2025, bei dem 57,7 Prozent der Wähler für die Abschaffung stimmten. Der Bundesrat hat eine Übergangsfrist bis 2029 festgelegt, um den Kantonen ausreichend Zeit zu geben, ihre Steuergesetze anzupassen. Die Konferenz der kantonalen Finanzdirektoren hatte sich für einen Start nicht vor 2029 ausgesprochen, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.
Mit der Abschaffung des Eigenmietwerts wird ein Systemwechsel hin zu einem konsumorientierten Modell vollzogen. Die steuerlichen Vorteile für Immobilienbesitzer auf Bundesebene werden stark beschnitten oder ganz gestrichen. Instandhaltungskosten und Abschreibungen für Reparaturen und Unterhalt der eigenen Wohnimmobilie entfallen für Bundes-, Kantons- und Gemeindesteuern. Auch die Abzugsfähigkeit von Hypothekarzinsen wird stark eingeschränkt. Zinsen sind künftig nur noch anteilig absetzbar, und zwar im Verhältnis von renditebringenden Vermögenswerten zum Gesamtvermögen.
Ein zentraler Bestandteil des politischen Kompromisses ist eine neue Verfassungsbestimmung, die es den Kantonen erlaubt, eine spezifische Objektsteuer auf Zweitwohnungen zu erheben. Damit sollen alpine und tourismusstarke Regionen ihre Steuerausfälle auffangen können. Während der Eigenmietwert auch für Zweitwohnungen entfällt, gibt die neue „Objektsteuer“ Kantonen die Macht, diese Immobilien wertbasiert zu besteuern – unabhängig vom Einkommen des Eigentümers.
Die fiskalischen Auswirkungen der Reform hängen stark vom Zinsniveau ab. Die Steuerverwaltung schätzt, dass bei einem Hypothekarzins von etwa 1,5 Prozent ein Steuerausfall von rund 1,8 Milliarden Franken für den Staat entsteht. Steigen die Zinsen jedoch deutlich über 3 Prozent, könnte die Reform sogar einen Überschuss bringen. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht adressiert die Reform die extrem hohe Schweizer Privatverschuldung. Indem der Steuervorteil für Hypothekarzinsen schwindet, will die Politik Anreize reduzieren, hohe, nicht amortisierte Hypotheken allein aus steuerlichen Gründen zu halten.
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