KIEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Wissenschaftler aus Kiel und Rostock präsentieren bahnbrechende Fortschritte in der Behandlung von Hautkrankheiten und chronischen Entzündungen. Von der Nutzung standardisierter Pflanzenextrakte bis hin zu jährlichen Injektionen bieten diese Entwicklungen neue Hoffnung für Patienten weltweit.

Die Forschung in der Entzündungsmedizin hat in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte gemacht, insbesondere durch die Kombination von Pflanzenheilkunde und Biotechnologie. Wissenschaftler aus Kiel und Rostock haben in Zusammenarbeit mit internationalen Biotech-Firmen vielversprechende Daten präsentiert, die neue Wege in der Behandlung von Hautkrankheiten und chronischen Entzündungen eröffnen. Diese Entwicklungen reichen von der Nutzung standardisierter Pflanzenextrakte bis hin zu hochmodernen Injektionstherapien.
Ein bemerkenswerter Fortschritt wurde von Forschern der Universität Kiel erzielt, die eine spezifische Mischung aus Pflanzenextrakten identifiziert haben, die entzündungshemmend wirkt und die Hautbarriere stärkt. Diese Mischung aktiviert den Aryl-Hydrocarbon-Rezeptor (AhR) in einem 2D-Psoriasis-Modell, was die Produktion von Filaggrin, einem für die Hautbarriere unverzichtbaren Protein, wiederherstellt. Gleichzeitig sanken Entzündungsmarker und bestimmte antimikrobielle Peptide, was die Grundlage für neue, natürliche Psoriasis-Cremes bilden könnte.
Parallel dazu hat eine traditionelle thailändische Kräutermischung namens „Wannachawee Recipe“ (WCR) in klinischen Beobachtungen am Prapokklao-Krankenhaus eine beeindruckende Ansprechrate von 93 Prozent gezeigt. Wissenschaftler haben die Rezeptur nach thailändischem Arzneibuch standardisiert und mittels HPLC-Fingerprinting Wirkstoffe wie Alpha-Amyrin und Protocatechusäure identifiziert. Die Studie ergab, dass WCR die Stickoxid-Produktion effektiver hemmt als das gängige Entzündungshemm-Mittel Indomethacin.
Während die Pflanzenforschung voranschreitet, meldet die Biotech-Branche bedeutende Fortschritte bei synthetischen Wirkstoffen. Oruka Therapeutics hat Ergebnisse einer Phase-II-Studie bekannt gegeben, in der Patienten innerhalb von 16 Wochen eine vollständige Hautreinigung erreichten. Besonders bemerkenswert ist, dass die Therapie für eine jährliche Dosis ausgelegt ist, was eine deutliche Erleichterung im Vergleich zu häufigeren Injektionen darstellt.
Am selben Tag erhielt Novartis die EU-Zulassung für Rhapsido (Remibrutinib), ein Medikament für Erwachsene mit chronischer spontaner Nesselsucht (CSU), bei denen Antihistaminika versagen. Als erster oraler BTK-Hemmer für diese Erkrankung zeigte Rhapsido bereits in der ersten Behandlungswoche Wirkung. Grundlage waren die Studien REMIX-1 und REMIX-2 mit insgesamt 925 Patienten.
Ein weiterer vielversprechender Ansatz sind CAR-T-Zell-Therapien, die in neuen klinischen Daten ihren Erfolg bei Autoimmunerkrankungen wie Lupus und Colitis ulcerosa belegen. Anders als in der Krebstherapie traten bei den Autoimmun-Patienten keine schweren Nebenwirkungen auf. Experten rechnen mit ersten Zulassungen im Autoimmunbereich bis 2027. „Off-the-shelf“-Ansätze könnten die Kosten zusätzlich senken.
Die systemische Natur von Entzündungen zeigt sich auch bei GLP-1-Medikamenten wie Ozempic und Zepbound. Neue Erkenntnisse belegen, dass diese Wirkstoffe unabhängig von ihrer gewichtsreduzierenden Wirkung stark entzündungshemmend sind. Semaglutid senkte den C-reaktiven Proteinspiegel um rund 40 Prozent. Die Medikamente aktivieren Leberendothelzellen, was Fett, Entzündungen und Fibrose bei Patienten mit metabolisch bedingter Steatohepatitis (MASH) reduziert.
Der DGIM-Kongress 2026 im April unterstrich den Wandel hin zur Präzisionsmedizin. Mediziner betonten die Bedeutung der Differentialdiagnostik – etwa bei der Unterscheidung von Arthralgie und Arthritis oder Enthesiopathie und Enthesitis. Letztere gilt inzwischen als frühes klinisches Zeichen einer Psoriasis-Arthritis und erfordert oft eine Power-Doppler-Sonographie oder MRT.
Das ELAINE-Forschungsprojekt der Universität Rostock entwickelt elektrisch aktive Implantate zur Knorpel- und Knochenregeneration. Mit 24 Millionen Euro von der DFG und weiteren 13 Millionen Euro bis 2029 gefördert, ergänzt es Arbeiten der Stanford University. Dort blockierten Wissenschaftler das Protein 15-PGDH, wodurch Knieknorpel bei älteren Mäusen nachwuchs. Eine Phase-2b-Studie mit einem oralen Hemmstoff soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 starten.
Intellia Therapeutics plant für die zweite Jahreshälfte 2026 einen Zulassungsantrag in den USA für seine Gentherapie gegen hereditäres Angioödem (HAE). Phase-3-Daten zeigten eine Reduktion der Entzündungsanfälle um 87 Prozent. Die einmalige Infusion könnte in der ersten Jahreshälfte 2027 auf den Markt kommen.
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