BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der deutsche Sensorspezialist Hensoldt sieht sich mit neuen Herausforderungen konfrontiert, nachdem China das Unternehmen auf eine Exportkontrollliste gesetzt hat. Diese Maßnahme, die auf angebliche Waffenlieferungen an Taiwan zurückzuführen ist, hat bereits Auswirkungen auf den Aktienkurs von Hensoldt gezeigt. Doch das Unternehmen bleibt gelassen und setzt auf strategische Maßnahmen, um die Rohstoffversorgung zu sichern.

Die Entscheidung Chinas, Hensoldt auf eine Exportkontrollliste zu setzen, hat in der deutschen Rüstungsindustrie für Aufsehen gesorgt. Diese Maßnahme bedeutet, dass chinesische Firmen keine Güter mit doppeltem Verwendungszweck mehr an Hensoldt liefern dürfen. Peking begründet diesen Schritt mit der nationalen Sicherheit und vermuteten Waffenlieferungen an Taiwan. Der Markt reagierte prompt, und die Aktie von Hensoldt verlor in den letzten sieben Handelstagen rund neun Prozent.
Das Management von Hensoldt versucht, die Situation zu beruhigen. Finanzvorstand Christian Ladurner betonte, dass das Unternehmen kaum direktes Geschäft mit China betreibt und daher keine wesentlichen Auswirkungen auf den Betrieb oder die Jahresprognose erwartet. Dennoch liegt das eigentliche Risiko nicht im Umsatz, sondern in der Versorgung mit kritischen Rohstoffen und Bauteilen, insbesondere für Infrarot-Optiken und Hochfrequenz-Elektronik.
Hensoldt hat bereits Maßnahmen ergriffen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Das Unternehmen hat sich Germanium-Vorräte bis 2028 gesichert und baut in Oberkochen eine eigene Kristallzucht auf. Diese soll in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut bis Ende 2027 unabhängig von externen Zukäufen werden. Diese Schritte sind entscheidend, um die Abhängigkeit von Single-Source-Lieferanten zu reduzieren.
Die Listung durch China trifft Hensoldt in einer Phase des Wachstums. Die Aufträge stiegen 2025 um 62 Prozent, während der Umsatz nur auf 2,46 Milliarden Euro wuchs. Um diesen Rückstand aufzuholen, plant Hensoldt Investitionen von rund einer Milliarde Euro in den Kapazitätsausbau bis 2027. Dazu gehört auch der Bau eines neuen Radar-Produktionswerks und die Schaffung von 1.600 neuen Stellen im Jahr 2026.
Die kommenden Quartalszahlen, die am 6. Mai veröffentlicht werden, werden zeigen, wie Hensoldt mit der aktuellen Situation umgeht. Besonders im Fokus steht, wie transparent das Unternehmen seine Lieferkettenstruktur offenlegt und welche konkreten Absicherungsmaßnahmen es benennt. Die Anleger sind gespannt, ob sich die Investitionen und strategischen Maßnahmen auszahlen werden.
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