ASHEVILLE, NORTH CAROLINA / LONDON (IT BOLTWISE) – Ein neues Startup-Finanzierungsmodell aus Asheville kombiniert Zuschüsse mit einer nachgelagerten Gewinnbeteiligung. Optimist Ventures stellt ausgewählten Firmen 50.000 US-Dollar bereit – aufgeteilt in einen Grant und eine SPA Note. Die Rückzahlung erfolgt über sechs Jahre als Prozentsatz des Nettoergebnisses bis zu einer Obergrenze. Damit will der Ansatz die Finanzierungslücke zwischen zu frühen Investitionen und klassischen Bankkrediten schließen.

Asheville in North Carolina bekommt ein Finanzierungsmodell, das bewusst gegen die klassischen Erwartungen von Venture Capital arbeitet: kein „Growth-to-exit“-Zwang, sondern ein Mix aus Fördergeldern und investierbarem Kapital, der Unternehmen auch dann stabilisieren soll, wenn ein späterer IPO oder ein sehr großer Exit statistisch unwahrscheinlich bleibt. Optimist Ventures beschreibt das Konzept als Venture-Philanthropie-Fonds, entstanden „im Nachgang“ der Hurrikan-Katastrophe Hurricane Helene. Technisch und organisatorisch ist das bemerkenswert, weil hier ein Instrument im Mittelpunkt steht, das die Cashflows nicht über Unternehmensanteile koppelt, sondern über eine Gewinnbeteiligungslogik, die laufende Investitionsattraktivität erzeugen soll.
Das Herzstück ist laut CEO Jeffrey Kaplan die SPA Note, abgekürzt für Shared Profit Agreement. Dabei erhält ein ausgewähltes Gründerteam erst einmal 50.000 US-Dollar Kapital; gleichzeitig läuft ein 14-wöchiger Accelerator, der von Venture Asheville unterstützt wird. Der Zielkorridor für die teilnehmenden Unternehmen liegt zwischen 150.000 US-Dollar und 2 Millionen US-Dollar Jahresumsatz. Zusätzlich erhalten die Gründer 50.000 US-Dollar, aufgeteilt auf einen Grant und die SPA Note – also zwei unterschiedliche Wirkmechanismen: Förderlogik zur Risikoreduktion und Investitionslogik mit Rückzahlungsversprechen, die sich aus dem Geschäftserfolg speist.
Die Rückzahlung ist so gestaltet, dass sie sich aus dem Nettoergebnis ableitet, aber nicht unbegrenzt eskaliert. Über sechs Jahre wird eine Rückzahlung in Form eines prozentualen Anteils am net profit fällig, begrenzt durch eine vorher definierte Cap. Für Investoren bedeutet das: Statt auf eine einzelne Outsized-Wette zu setzen, soll das Modell planbarere, quartalsweise Renditepfade ermöglichen. Im Text wird auch ein konkretes Beispiel genannt: Viele Gründer würden am Ende voraussichtlich 36.000 US-Dollar auf die ursprünglich 50.000 US-Dollar zurückzahlen; Kaplan nennt als Erwartungsgröße für Investoren einen prognostizierbaren Renditewert von 13%. Entscheidend ist dabei nicht die „Venture-Mathematik“ mit dem Ziel 25- bis 100-facher Returns, sondern die Kombination aus diversifiziertem Kapitalrückfluss und kontinuierlicher Unternehmensentwicklung.
Für die Startup-Praxis in einer Region wie Asheville verschiebt Optimist Ventures damit die Anreizstruktur. Klassisches Venture Capital erwartet häufig, dass ein großer Teil der Beteiligungen scheitert und ein einzelner Gewinnfall die Verluste überkompensiert. Kaplan argumentiert, dass dieser Ansatz für „solide, profitable“ Geschäftsmodelle weniger passt – etwa für CPG-Unternehmen (Consumer Packaged Goods) oder Wellness-Brands, die zwar Nachfrage und Marktfit zeigen können, aber nicht zwangsläufig zu „billion-dollar exits“ führen. Genau diese Lücke sei für kleinere Geschäftssysteme problematisch: Wenn es keinen klaren Weg in einen großen Exit gibt, fällt die VC-Ansiedlung oft weg. Optimist Ventures versucht, diese Lücke nicht nur mit Geld zu schließen, sondern auch mit einem Rahmen, der Finanzierung vom Exit-Druck entkoppelt.
Konkrete Beispiele sollen zeigen, wie der Mechanismus im Alltag wirkt. Ein Unternehmen habe laut Bericht 50.000 US-Dollar genutzt, um Kühl- und Gefriertechnik zu kaufen und damit in den Großhandel zu expandieren; dadurch sei es zum Lieferanten für ein lokales Restaurant geworden, das im Kontext eines Michelin Guide erwähnt wird. Ein anderes Portfolio-Unternehmen namens Legally Addictive Foods habe nach dem Accelerator und der Investition eine Partnerschaft mit JetBlue gewonnen. Solche Fälle sind strategisch interessant, weil sie nicht nur das „Produkt“ betreffen, sondern operativen Ausbau: Skalierungsentscheidungen wie Kapazitätsaufbau, Lieferkettenfähigkeit oder neue Vertriebskanäle werden finanzierbar, bevor das Unternehmen auf perfekte Wachstumskennzahlen angewiesen ist.
Auch die Struktur des Fonds setzt auf Interessenangleichung: Es werden keine Management Fees erhoben und kein carried interest genommen. Kaplan führt als Begründung an, dass dadurch mehr Kapital bei den Limited Partners verbleibt, wenn ein neuer Fonds aufgelegt wird. Gleichzeitig betont er eine regionale Zielsetzung, die in Worten wie „Every dollar stays in town“ verdichtet wird: Das Geld soll im lokalen Ökosystem bleiben, Wachstum ermöglichen und Arbeitsplätze schaffen. In Cohort 1 sei es so zu zusätzlichen Einstellungen gekommen, während Firmen weiter aufbauen oder nach Hurricane Helene den Betrieb wiederherstellen. Daneben gibt es eine weitere Komponente im Accelerator, die Kaplan als „secret weapon“ beschreibt: eine Freiwilligen- beziehungsweise Engagement-Komponente, die Gründer vom reinen Selbstbild als Business Owner hin zur Rolle als aktiver Teil einer lokalen Gemeinschaft entwickeln soll.
Ob das Modell auch über kleinere Märkte funktioniert, ist die nächste Frage. Kaplan sieht den Ansatz nicht nur für Regionen wie Asheville. Er verweist auf Atlanta und Charlotte als Beispiele für größere, vielfältigere Märkte, in denen sich ähnliche Finanzierungslücken zeigen: Unternehmen seien dort oft „zu früh“ für klassische Investoren, „zu riskant“ für Banken oder zu klein für Angels – und zugleich nicht skalierungsstark genug für typisches VC-Design. Damit trifft die Logik auf einen größeren Bestand an Firmen, die Software nutzen, um ihre Abläufe effizienter zu machen und regional oder national zu wachsen, ohne zwingend eine venture-scale Exit-Story aufzubauen. Kaplan bezeichnet diese Zielgruppe als „tech-enabled lifestyle businesses“.
Für die strategische Umsetzung in der Praxis stellt sich damit weniger die Frage, ob ein Fonds mit Grant-Elementen existieren darf, sondern wie stark die Cashflow-Regeln die Unternehmensstrategie tatsächlich beeinflussen. Die SPA Note mit Gewinnprozentsatz und Cap wirkt wie eine „sanfte“ Brücke zwischen Eigenkapitalverwässerung und Kredit, weil sie Ertragsschwankungen nicht eliminiert, aber in eine planbare Rückzahlungslogik übersetzt. Für Unternehmen bedeutet das häufig: mehr Fokus auf nachhaltigen Betrieb statt auf kurzfristig ausgerichtete Wachstumskennzahlen. Für Investoren kann es wiederum helfen, Risiko breit zu streuen, wenn Portfolios nicht auf einzelne Hyper-Wachstumsereignisse angewiesen sind. Unterm Strich positioniert sich Optimist Ventures damit als Alternative zu der Erwartungshaltung, dass jede Startup-Story zwangsläufig in den gleichen Exit-Korridor laufen muss.
Wenn die nächsten Kohorten starten – Kohort 2 beginne laut Angaben später in diesem Sommer – wird sich zeigen, ob die Kombination aus 14-wöchigem Accelerator, lokaler Unterstützung und SPA-Note-Mechanik in der Breite ausreichend abbildet, was in Cohort 1 zumindest bei einigen Fällen sichtbar wurde. Gleichzeitig bleibt offen, wie robust die Ertragslogik bei unterschiedlich zyklischen Geschäftsmodellen ist und wie genau die Cap- und Prozentparameter über Zeit kalibriert werden. Genau dort entscheidet sich, ob Venture-Philanthropie in der Praxis dauerhaft zu einem wiederholbaren Finanzierungsbaustein für „zwischen VC und Bank“ wird – oder ob sie eher ein regionaler Sonderweg bleibt.
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