BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Digitalisierung des Gesundheitswesens schreitet voran, doch die Akzeptanz der elektronischen Patientenakte bleibt gering. Trotz technischer Verfügbarkeit nutzen nur vier Prozent der Versicherten die ePA aktiv. Gleichzeitig startet Bayern ein digitales Krankenhausportal, während Cyberangriffe auf Gesundheitsdaten zunehmen.

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland steht vor einer entscheidenden Phase. Trotz der Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) im April 2025, die für alle Versicherten automatisch angelegt wird, nutzen nur vier Prozent diese aktiv. Diese ernüchternde Zahl verdeutlicht, dass technische Verfügbarkeit allein nicht ausreicht, um die Akzeptanz zu steigern. Die Hoffnung, Bürokratie abzubauen und Effizienz zu steigern, bleibt vorerst unerfüllt.
Ein Lichtblick ist die Techniker Krankenkasse, die im Februar 2026 die Marke von einer Million aktiver ePA-Nutzer erreichte. Das Bundesgesundheitsministerium hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2030 insgesamt 20 Millionen aktive Nutzer zu gewinnen. Um dies zu erreichen, fordern Branchenvertreter eine Erweiterung der ePA-Funktionen, wie die Integration von Forschungsdaten und digitales Versorgungsmanagement.
Parallel dazu hat Bayern mit dem Projekt „Mein Krankenhaus.digital“ ein digitales Krankenhausportal gestartet. Dieses vereint 75 Krankenhausträger an 147 Standorten und ermöglicht digitale Terminbuchungen sowie den Austausch medizinischer Dokumente. Finanziert aus dem Krankenhauszukunftsfonds, soll das Portal die zersplitterte Krankenhauslandschaft vernetzen und Patienten einen einheitlichen digitalen Zugang bieten.
Die zunehmende Vernetzung im Gesundheitswesen zieht jedoch auch Cyberkriminelle an. Seit Ende 2025 häufen sich Berichte über Ransomware-Angriffe und Phishing-Kampagnen, die gezielt Gesundheitsdaten ins Visier nehmen. Experten empfehlen daher die Einführung von Zwei-Faktor-Authentifizierung und die Nutzung offizieller Apps, um die Sicherheit zu erhöhen.
Auch international schreitet die Digitalisierung voran. In der Schweiz wurden bereits 100.000 E-Rezepte ausgestellt, und bis 2029 soll das E-Rezept zum Standard werden. In Deutschland plant das Bundesministerium für Digitales und Verkehr eine zentrale „Bürger-App“ für Behördengänge, während in Niedersachsen alle Gerichte und Staatsanwaltschaften primär mit digitalen Akten arbeiten.
Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die Digitalstrategie des Gesundheitsministeriums aufgeht. Das Ziel von 20 Millionen aktiven ePA-Nutzern bis 2030 erfordert nicht nur bessere Technik, sondern vor allem echten Mehrwert für Patienten und Ärzte. Der finanzielle Druck auf die gesetzliche Krankenversicherung könnte die Nachfrage nach digitalen Effizienzlösungen zusätzlich beschleunigen.
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