KARLSRUHE / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Bundesgerichtshof befasst sich mit einem Fall möglicher Diskriminierung im Gesundheitswesen, der weitreichende Folgen haben könnte. Eine blinde Patientin klagt gegen eine Rehaklinik, die ihre Aufnahme verweigerte. Das Urteil könnte klären, ob das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz auch im medizinischen Bereich Anwendung findet.

Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe steht vor einer richtungsweisenden Entscheidung, die das Potenzial hat, die Anwendung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) im Gesundheitswesen zu klären. Im Mittelpunkt steht der Fall einer blinden Patientin, die von einer Rehaklinik in Nordhessen nach einer Operation abgewiesen wurde. Die Klinikleitung begründete die Ablehnung mit der Blindheit der Patientin, was diese als Diskriminierung empfindet.
Das AGG, seit 2006 in Kraft, schützt Menschen vor Benachteiligungen aufgrund von ethnischer Herkunft, Alter, Geschlecht, Behinderung, Religion oder sexueller Identität. Bisher ist umstritten, ob dieses Gesetz auch auf medizinische Behandlungsverträge angewendet werden kann. Sollte der BGH zugunsten der Patientin entscheiden, könnte dies weitreichende Konsequenzen für das gesamte Gesundheitswesen haben.
Ferda Ataman, die Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, betont die Bedeutung dieses Falls. Sie weist darauf hin, dass Diskriminierung im Gesundheitssektor weit verbreitet ist und viele Menschen bereits Benachteiligungen in Krankenhäusern oder Arztpraxen erfahren haben. Ein Urteil, das das AGG auch im Gesundheitswesen für anwendbar erklärt, könnte Millionen von Menschen zugutekommen, die auf medizinische Versorgung angewiesen sind.
Der Anwalt der Klägerin, Michael Richter, sieht in einem möglichen Urteil des BGH eine Chance, das Recht von Menschen mit Behinderungen zu stärken. Dies könnte nicht nur für Menschen mit Behinderungen, sondern auch für andere diskriminierte Gruppen im Gesundheitswesen von Bedeutung sein. Sollte der BGH die Anwendung des AGG verneinen, fordert Ataman den Gesetzgeber auf, entsprechende Regelungen zum Schutz vor Diskriminierung im Gesundheitsbereich zu schaffen.
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