ALLGÄU / LONDON (IT BOLTWISE) – In der modernen Milchindustrie gelten Bullenkälber oft als unerwünschtes Nebenprodukt. Doch ein innovativer Ansatz im Allgäu zeigt, wie diese Tiere zu einem wichtigen Teil einer nachhaltigen Landwirtschaft werden können. Durch die Zusammenarbeit von Landwirten, Gastronomen und Einzelhändlern wird ein System entwickelt, das Tierwohl und Umweltschutz in den Vordergrund stellt.

In der modernen Milchindustrie sind Bullenkälber häufig ein unerwünschtes Nebenprodukt. Die wirtschaftliche Rechnung vieler Milchviehbetriebe ist einfach: Um Milch zu produzieren, muss eine Kuh ein Kalb zur Welt bringen. Während weibliche Kälber später selbst Milch geben können, gelten männliche Kälber oft als wertlos und werden nach qualvollen Transporten in Mastanlagen, häufig außerhalb der EU, gebracht. Doch es gibt auch andere Wege, wie das Beispiel von Milchbauer Marcel Renz aus dem Allgäu zeigt.
Marcel Renz hat sich mit einer Gruppe von Landwirten, Gastronomen und dem Einzelhandel zusammengeschlossen, um das System zu ändern. Ziel ist es, mehr Tierwohl zu schaffen, kürzere Transportwege zu ermöglichen und qualitativ hochwertiges Fleisch zu produzieren, für das die Kunden bereit sind, einen höheren Preis zu zahlen. Diese Initiative setzt auf sogenannte Zweitnutzungsrassen, die sowohl für die Milch- als auch für die Fleischproduktion geeignet sind. Diese Tiere ernähren sich fast ausschließlich von dem, was auf den Weiden wächst, und tragen so auch zum Schutz der Natur in den Alpen bei.
Ein weiteres Beispiel für diesen nachhaltigen Ansatz ist Thomas Zanon, Juniorprofessor für Nutztierhaltung an der Uni Bozen. Er hat eine kleine Herde von Stierkälbern aus der Milchwirtschaft gerettet, die nun auf seiner Alm grasen. Diese Tiere sind nicht nur zufriedene Lebewesen, sondern verkörpern auch einen neuen Ansatz für eine nachhaltige Milchproduktion. Zanon betont, dass Milch, wenn man alle Faktoren berücksichtigt, keinesfalls schlechter als Milchersatzprodukte aus Hafer oder Soja ist.
Die Sendung „Re: Vom Wegwerfkalb zum Alpenretter“ auf Arte beleuchtet diese innovativen Ansätze und zeigt, wie eine nachhaltige Landwirtschaft in den Alpenregionen umgesetzt werden kann. Sie ist nicht nur ein Beispiel für gelebten Umweltschutz, sondern auch ein Modell für andere Regionen, die ähnliche Herausforderungen bewältigen müssen. Die Sendung ist sowohl im TV als auch im Livestream verfügbar und bietet einen tiefen Einblick in die Möglichkeiten einer zukunftsfähigen Landwirtschaft.
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