LONDON (IT BOLTWISE) – Eine umfassende Studie zeigt, dass Adipositas das Risiko für schwere Infektionen signifikant erhöht. Die Forschungsergebnisse verdeutlichen, dass Übergewicht nicht nur Begleiterkrankungen verschärft, sondern als eigenständiger Risikofaktor für Krankenhausaufenthalte und Todesfälle durch Infektionen wirkt. Experten fordern nun eine Anpassung der Gesundheitspolitik, um dieser Herausforderung zu begegnen.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie im renommierten Fachjournal The Lancet hat einen alarmierenden Zusammenhang zwischen Adipositas und dem Risiko schwerer Infektionen aufgezeigt. Die Untersuchung, die über 540.000 Erwachsene umfasste, zeigt, dass Menschen mit Fettleibigkeit ein signifikant höheres Risiko haben, aufgrund von Infektionen ins Krankenhaus eingeliefert zu werden oder daran zu sterben. Dieses Risiko besteht unabhängig von anderen Begleiterkrankungen und betrifft eine Vielzahl von Erregern, von der saisonalen Grippe bis hin zu schweren bakteriellen Infektionen.
Die Studie basiert auf einer umfassenden Analyse von Gesundheitsdaten aus Finnland und Großbritannien, die über einen Zeitraum von 14 Jahren gesammelt wurden. Dabei wurde ein klarer Zusammenhang zwischen dem Body-Mass-Index (BMI) und der Schwere von Infektionen festgestellt. Personen mit einem BMI von 30 oder höher haben ein um 70 Prozent erhöhtes Risiko für Krankenhausaufenthalte oder Todesfälle durch Infektionen. Bei einem BMI von 40 oder mehr verdreifacht sich dieses Risiko im Vergleich zu Normalgewichtigen.
Besonders bemerkenswert ist, dass die erhöhte Anfälligkeit nicht auf bestimmte Erreger beschränkt ist. Die Forscher dokumentierten ein erhöhtes Risiko bei 925 verschiedenen Infektionen, darunter Viruserkrankungen wie COVID-19 und Grippe sowie bakterielle Infektionen. Ausnahmen bildeten lediglich Tuberkulose und HIV, die diesem Muster nicht folgten. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit, Adipositas als eigenständigen Risikofaktor in der Gesundheitspolitik zu berücksichtigen.
Die globale Hochrechnung der Studiendaten zeigt, dass im Jahr 2023 etwa 600.000 der 5,4 Millionen infektionsbedingten Todesfälle weltweit mit Adipositas in Verbindung stehen. In Ländern mit hohen Adipositasraten, wie den USA, war 2023 etwa jeder vierte infektionsbedingte Todesfall mit Übergewicht verbunden. Diese Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit, Maßnahmen zur Prävention und Behandlung von Adipositas zu verstärken.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Studie ist die Erkenntnis, dass das Immunsystem ein „Gedächtnis“ für Übergewicht behält. Epigenetische Veränderungen, die durch Adipositas verursacht werden, können die Funktion der Helfer-T-Zellen beeinträchtigen, die für die Immunabwehr entscheidend sind. Diese Veränderungen können auch nach einer Gewichtsabnahme bestehen bleiben, was erklärt, warum das Infektionsrisiko nicht sofort normalisiert wird.
Angesichts dieser Ergebnisse fordern Experten eine Anpassung der Impfstrategien. Menschen mit Adipositas sollten prioritär geimpft werden, da ihr Immunsystem möglicherweise zusätzliche Unterstützung benötigt. Zudem wird auf die Notwendigkeit hingewiesen, bei der Impfung von Personen mit höherem Körperfettanteil ausreichend lange Nadeln zu verwenden, um das Muskelgewebe zu erreichen.
Die Studie bietet jedoch auch positive Nachrichten: Personen, die es schaffen, dauerhaft von einem adipösen in einen niedrigeren BMI-Bereich zu wechseln, können ihr Risiko für schwere Infektionen um 20 Prozent senken. Diese Erkenntnisse könnten die Gesundheitspolitik dazu veranlassen, den Zugang zu gesunder Ernährung und Bewegung zu verbessern und Adipositas als zentralen Risikofaktor in nationale Impfstrategien zu integrieren.
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