LONDON / LONDON (IT BOLTWISE) – Spitzenläufer zeigen, wie weit sich die Marathon-Ernährung nach oben schieben lässt: Bis zu 120 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde werden als verwertbar beschrieben. Für ambitionierte Läufer kann das die Laufökonomie verbessern und den gefürchteten Leistungseinbruch später im Rennen reduzieren. Gleichzeitig steigt das Risiko für Magen-Darm-Beschwerden, wenn die Verdauung nicht schrittweise vorbereitet wurde. Der Artikel ordnet ein, warum die Zukunft der Zufuhr stärker auf Messdaten, Sensorik und individuelle Verträglichkeit setzt.

Marathon-Ernährung: 120 g Kohlenhydrate pro Stunde – Chance und Risiko
Marathon-Ernährung: 120 g Kohlenhydrate pro Stunde – Chance und Risiko (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Diskussion um Marathon-Ernährung bekommt gerade neuen Treibstoff: Während viele Ausdauerpläne noch im klassischen Korridor von 60 bis 90 Gramm Kohlenhydraten pro Stunde argumentieren, rückt eine Obergrenze von bis zu 120 Gramm in den Fokus. Der Hintergrund ist nicht bloß „mehr Energie“, sondern ein Wechsel im Zusammenspiel aus Substratverfügbarkeit, Transportmechanismen im Darm und der Belastungsphysiologie im Rennverlauf. Parallel zur historischen Sportmeldung rund um die Zwei-Stunden-Marke in London verschiebt sich damit auch die Trainingslogik für ambitionierte Amateure: Wer schneller laufen will, muss weniger raten, sondern gezielter testen, wie sein Verdauungssystem große Kohlenhydratmengen ohne Nebenwirkungen verarbeitet.

Auf technischer Ebene lässt sich die Wirksamkeit hoher Kohlenhydratdosen über die sogenannte Transportkapazität im Dünndarm erklären. Laut den im Text genannten Daten aus dem Journal of Applied Physiology können trainierte Athleten Kohlenhydrate in Größenordnungen von bis zu 120 Gramm pro Stunde verwerten, während bislang oft „die Hälfte“ als praktisches Limit kommuniziert wurde. Bei 120 Gramm soll sich zudem die Laufökonomie um etwa drei Prozent verbessern, weil weniger stark auf die körpereigenen Glykogenspeicher zurückgegriffen wird und dadurch der Sauerstoffbedarf sinkt. Entscheidend ist jedoch: Diese Vorteile sind nicht automatisch, sondern an eine sehr spezifische Trainings- und Verdauungsreife gekoppelt.

Der Pferdefuß liegt im Magen-Darm-Trakt. Hohe Zufuhr kann zu Übelkeit, Völlegefühl oder Krämpfen führen, wenn der Darm die osmotische Belastung nicht abpuffert. In der Praxis bedeutet das: „120 Gramm“ ist nicht als allgemeine Empfehlung zu verstehen, sondern als Obergrenze, die nur dann Sinn ergibt, wenn der Körper über Wochen an steigende Mengen gewöhnt wurde. Hier unterscheidet sich die Elite von der Breite. Denn wer im Training nie an die obere Zone herangeführt hat, baut zwar möglicherweise Energiespeicher „auf dem Papier“ stärker auf, riskiert aber gleichzeitig, dass die Verdauung im entscheidenden Zeitfenster nicht mitspielt und Leistung indirekt durch Nebenwirkungen begrenzt wird.

Im Breitensport wird das Problem häufig erst im Renngeschehen sichtbar, wenn der gefürchtete Einbruch etwa um Kilometer 30 herum einsetzt. Der Text nennt als Orientierungswert, dass viele Marathon-Finisher im Rennen im Schnitt nur rund 21,7 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde aufnehmen. Diese Unterversorgung passt physikalisch zu der bekannten Tatsache, dass die Glykogenspeicher bei Renntempo meist für nur etwa 90 Minuten reichen. Mathematisch ergibt das: Für Zielzeiten im Bereich von vier Stunden wird über die gesamte Distanz eine Größenordnung von 240 bis 360 Gramm Kohlenhydraten benötigt, was oft in der Praxis auf mehrere Energie-Gels hinausläuft. Wer davon nur einen Teil trifft, zahlt später mit Tempoeinbruch.

Die zentrale Trainingsfrage lautet daher nicht „Wie viel maximal geht?“, sondern „Wie viel verträgt mein System, ohne zu kippen?“. Der Text beschreibt Darmtraining als Schlüssel: Durch eine progressive Erhöhung der Kohlenhydratmenge in langen Läufen über acht bis zwölf Wochen soll die Anzahl relevanter Transportproteine im Dünndarm steigen. Dabei spielen zwei Wege eine Rolle: SGLT1 für Glukose, das im Text bei etwa 60 Gramm pro Stunde sättigen kann, sowie GLUT5 für Fruktose. Moderne Strategien kombinieren deshalb häufig ein Mischverhältnis, etwa 2:1 oder annähernd 1:0,8. Der praktische Vergleich zu Einfach-Kohlenhydratplänen: Mischungen nutzen unterschiedliche Transportmechanismen parallel und reduzieren das Risiko einer osmotischen Überlastung.

Damit rückt die „Carbo-Logistik“ vor dem Start in den Mittelpunkt. Statt reines Klassiker-Carbo-Loading wird im Text eine präzisere Vorbereitung beschrieben: In den 36 bis 48 Stunden vor dem Rennen sollen demnach etwa 10 bis 12 Gramm Kohlenhydrate pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag anliegen. Für 75 Kilogramm wären das grob 750 bis 900 Gramm täglich. Am Renntag sollte die letzte größere Mahlzeit etwa drei Stunden vorher liegen, ballaststoffarm und leicht verdaulich, während neue Produkte strikt gemieden werden. Genau hier wird es für ambitionierte Amateure strategisch: Wer Energie-Gels, Getränke oder Riegel nie ausprobiert hat, hat im Wettkampf keine „zweite Chance“, weil Nebenwirkungen das Timing der Zufuhr zerstören.

Aus Market-Sicht steht dieser Ansatz in einer Linie mit dem wachsenden Trend zu datengestützter Trainingssteuerung. Während viele Läufer noch auf Erfahrungswerte setzen, drängen Wearables und App-Ökosysteme in den Bereich „Nutrition in Echtzeit“. Der Text skizziert Sensorik, die den Glukosespiegel im Gewebe überwacht und anzeigen soll, wann der nächste Energieschub sinnvoll ist. Wettbewerber aus dem Wearable-Segment, etwa Garmin oder Apple-Ökosysteme, arbeiten seit Jahren daran, Trainingsdaten besser nutzbar zu machen; im Ernährungsbereich ist der nächste Schritt die Kopplung von Messwerten an konkrete Handlungslogiken. Für Athleten heißt das: nicht nur „mehr“ oder „weniger“, sondern „richtige Zeit“ und „richtige Dosis“.

Der Ausblick passt deshalb zu einer breiteren Branchenanalyse: Wenn sich Empfehlungen von „starren Grammzahlen“ hin zu personalisierten Zufuhrkurven verschieben, profitieren diejenigen am stärksten, die ihre Verträglichkeit systematisch testen und ihr Setup (Gel-Typen, Flüssigkeitsmanagement, Mischverhältnisse) darauf abstimmen. Der Text nennt zugleich eine wichtige Expertinnen- und Expertenperspektive: Elite-Strategien lassen sich nicht 1:1 auf jeden Körper übertragen, weil Geschlecht, Trainingszustand und Intensität die Oxidationsmuster beeinflussen. In der Praxis bedeutet das, dass ein persönlicher Grenzwert für Magen-Darm-Stabilität und Leistungsnutzen entsteht. Wer diese Schwelle kennt, kann die Lücke zwischen empfohlenen 60 bis 90 Gramm und tatsächlichem Konsum schließen – ohne den Verdauungstrakt zu überfordern.


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