FRANKFURT AM MAIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der KfW-Gründungsmonitor zeigt 2025 eine tendenziell verjüngte Gründerlandschaft: Das Durchschnittsalter sinkt auf 34,2 Jahre, und 40 Prozent der Gründerinnen und Gründer sind unter 30. Gleichzeitig steigt die Zahl der Existenzgründungen erneut deutlich, getrieben vor allem von Nebenerwerbsmodellen. Besonders auffällig: Mehr als jede zweite digitale Gründung baut inzwischen auf digitalen Angeboten auf. Für den Tech- und Startup-Standort entsteht daraus ein Spannungsfeld zwischen jüngerer Gründungsdynamik und der weiterhin dringend nötigen Nachfolgeregelung.

Deutschlands Gründerlandschaft verjüngt sich weiter, und das hat mehr als nur demografisches Gewicht: Die Kluft zwischen „Idee“ und „Umsetzung“ verschiebt sich erkennbar zugunsten jüngerer Talente, während der Arbeitsmarkt die gesamtwirtschaftliche Gründungsneigung weiterhin stark beeinflusst. Laut KfW-Gründungsmonitor lag das Durchschnittsalter der Gründerinnen und Gründer 2025 bei 34,2 Jahren, nach 34,4 im Vorjahr. Besonders relevant für den Innovationsstandort ist der Anteil der Unter-30-Jährigen von 40 Prozent – gleichauf mit dem Rekordwert von 2024. Der Schritt aus dem Studium heraus wird dabei zunehmend zur realen Gründungsoption, denn mehr als ein Fünftel startete 2025 direkt aus dem Studium.
Technologisch lässt sich dieser Trend gut mit der Realität digitaler Geschäftsmodelle verbinden: Wer heute gründet, entwickelt und validiert schneller, weil digitale Kanäle, Cloud-Infrastrukturen und automatisierte Prozesse die Markteintrittsbarrieren senken. Im KfW-Monitor zeigt sich das direkt an den digitalen Anteilen: 44 Prozent der Existenzgründungen bauten 2025 auf digitalen Angeboten auf, ein neuer Rekord nach 36 Prozent im Vorjahr. Praktisch bedeutet das, dass Kundinnen und Kunden technologische Werkzeuge nutzen müssen, um Produkte und Dienstleistungen bereitzustellen oder zu konsumieren – ein Muster, das sich seit Jahren kontinuierlich verstärkt. Die Erfahrung vieler Tech-Teams ist: Dieser Digitalisierungsschub verschiebt Skills, Teams und auch die Art der Finanzierung.
Marktseitig fällt außerdem auf, dass die Gründungsdynamik nicht „nur“ jünger, sondern auch quantitativ stärker geworden ist. Die Zahl der Existenzgründungen steigt 2025 auf rund 690.000 – nach 585.000 im Jahr zuvor. Der Zuwachs konzentriert sich vor allem auf Nebenerwerbsgründungen: 483.000 gegenüber 382.000 im Jahr 2024. Im Vollerwerb änderte sich dagegen wenig; dort lagen die Gründungen bei rund 206.000. Diese Verteilung ist für die Startup- und Softwarebranche ein wichtiger Hinweis, denn sie spiegelt häufige Muster moderner Geschäftsmodelle wider: Erst validieren, dann skalieren. Zum Vergleich ordnen vergleichbare Analysen der Wirtschaftsforschung, etwa vom ZEW, diese Entwicklung häufig in das Spannungsfeld zwischen Beschäftigungsrisiko, Qualifikationsmismatch und Innovationsimpulsen ein.
Ein zweites Marktsignal betrifft die Gründungspräferenz: Unter den Jüngeren zeigt sich ein stärkerer „Entrepreneurship-Drive“. Auf die Frage, ob Befragte lieber angestellt oder selbstständig sein möchten, antworteten 36 Prozent der Unter-30-Jährigen, sie würden lieber selbstständig sein – mehr als in jeder anderen Alterskohorte. Über alle Altersgruppen hinweg bevorzugen dagegen im Durchschnitt nur 26 Prozent die Selbstständigkeit. Gleichzeitig relativiert der Monitor die hohen Werte der jungen Kohorte: Auch bei Unter-30 lag die Präferenz Anfang der Nullerjahre noch höher; sie ist damit eher ein Remobilisierungszeichen als ein plötzlicher Sprung. Genau hier wird die historische Linie sichtbar: Früher führte ein direkterer Kontakt zu Selbstständigen häufiger zu konkreteren Gründungsentscheidungen.
Der Hintergrund zeigt, dass die Gründungszahlen in Deutschland seit der Jahrtausendwende deutlich zurückgegangen sind – 2002 gab es noch rund 1,5 Millionen Existenzgründungen. In der aktuellen Lage führt KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher die geringere Gründungstätigkeit auch auf einen über ein Jahrzehnt „gut gelaufenen“ Arbeitsmarkt zurück: Viele Menschen fanden attraktive Jobs, was den Wechsel in die Selbstständigkeit verzögert. Der Monitor beschreibt dabei zwei gegensätzliche Strömungen: Einerseits wirken Medienpräsenz und Rollenvorbilder – etwa erfolgreiche Gründerinnen und Gründer oder digitale Influencer – als Inspiration. Andererseits entstehen weniger Kontakte im direkten Umfeld, weil tatsächlich weniger Menschen gründen. Das schwächt die praktische Entscheidungsbasis, obwohl die theoretische Motivation steigen kann.
Neben Alter und Präferenz beleuchtet der Bericht auch Zusammensetzung und Zugänge: 2025 lag der Anteil der Gründerinnen bei 35 Prozent, also 1 Prozentpunkt weniger als 2024 und unter dem langjährigen Durchschnitt von 39 Prozent. Der Rückgang erklärt sich maßgeblich durch Nebenerwerbs- vs. Vollerwerbsanteile: Bei Vollerwerbsgründungen sank der Frauenanteil von 33 Prozent auf 27 Prozent, während er bei Nebenerwerbsgründungen stabil bei 38 Prozent blieb. Für die Tech-Praxis heißt das: Programme zur Gründung im Vollerwerb – etwa Mentoring, Qualifizierung oder Risikokapitalzugang – bleiben ein Hebel. Gleichzeitig ist die Teilhabe von Menschen mit Einwanderungsgeschichte besonders hervorzuheben: 34 Prozent der Gründerinnen und Gründer hatten 2025 eine Einwanderungsgeschichte und damit eine überproportionale Präsenz relativ zum Bevölkerungsanteil.
Aus regulatorischer und sicherheitstechnischer Perspektive sind diese Zahlen indirekt relevant, weil digitale Gründungen typischerweise mit sensiblen Daten arbeiten und damit stärker in den Verantwortungsbereich von Datenschutz, IT-Security und Compliance rutschen. Sobald ein Angebot „digital-first“ ist, entstehen neue Angriffsflächen: etwa durch unsichere Schnittstellen, unzureichend abgesicherte Zahlungs- oder Authentifizierungsprozesse sowie durch falsche Datentransparenz in der Nutzerinteraktion. Die Tatsache, dass digitale Angebote bei Gründungen 2025 auf 44 Prozent gestiegen sind, erhöht damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass Gründerteams frühzeitig Sicherheits- und Datenschutzanforderungen adressieren müssen – nicht erst nach dem Markterfolg. Für Unternehmen, die solche Startups als Kunden gewinnen oder integrieren wollen, wird eine überprüfbare Security-Basis daher zum Wettbewerbsvorteil.
Abschließend führt der Monitor die Diskussion in Richtung Nachfolge und Unternehmensstruktur: Die Zahl der Gründungen steigt zwar, doch das Durchschnittsalter der Unternehmerinnen und Unternehmer liegt laut Schumacher bei über 54 Jahren. Viele suchen händeringend Nachfolgerinnen und Nachfolger, was eine zweite Welle von Veränderung auslösen kann – nur eben nicht durch Neugründung, sondern durch Übernahme. Hier entsteht ein strategischer Imperativ: Ein Umdenken ist dringend erforderlich, nicht nur mehr Menschen sollen gründen, sondern deutlich mehr sollten auch die Übernahme eines bestehenden Unternehmens in Betracht ziehen. Für den Tech-Standort heißt das: Neben neuen Produkten gewinnen auch „Modernisierungen“ bestehender Mittelständler an Bedeutung, etwa durch Software-Erneuerung, Datenplattformen und die Nachfolge in technologiegetriebenen Prozessen.
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