WAIBLINGEN / RUMÄNIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Stihl hält 2025 trotz Konjunkturflaute den Umsatz bei 5,48 Milliarden Euro und bereitet zugleich die nächste Wachstumswelle vor: In Rumänien startet ein Werk, das ausschließlich Akkupacks und akkubetriebene Geräte produziert. Der Hersteller will bis 2035 vier von fünf verkauften Geräten auf Akkubetrieb umstellen und sieht das Wachstum 2026 dennoch nur verhalten, weil Kunden angesichts von Handels- und geopolitischen Unsicherheiten zögern. Für den Markt bedeutet das: Der Umbau zur Akku-Plattform wird zum zentralen Wettbewerbshebel.

Stihl begegnet der Konjunkturflaute mit einer doppelten Strategie: erstens Stabilisierung der Nachfrage und zweitens konsequente Technologie-Umstellung. Der Hersteller von Motorsägen und Gartengeräten meldet für 2025 einen Umsatz von 5,48 Milliarden Euro, was einem Plus von 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Damit kommt Stihl nahe an den Umsatzrekord von 2022 mit rund 5,5 Milliarden Euro heran. Gleichzeitig beginnt 2026 nach Unternehmensangaben verhalten, denn im ersten Quartal zeigt sich eine spürbare Zurückhaltung bei Kunden – ein Muster, das in der Industrie derzeit häufig mit Handelskonflikten und geopolitischen Risiken erklärt wird.
Technisch und operativ ist der entscheidende Hebel dabei die Fertigungskette für Akku-Geräte. In Rumänien nimmt Stihl ein neues Werk in Betrieb, das sich auf Akkupacks und akkubetriebene Geräte spezialisiert. Diese Spezialisierung ist mehr als ein Standort-Update: Sie verschiebt die Wertschöpfung in Richtung Batteriekompetenz, wo Skaleneffekte, Qualitätsprozesse und Lieferstabilität besonders wirken. Während Stihl in Deutschland nach einem Stellenabbau 2025 aktuell keine weiteren Entlassungen plant, wird der globale Personalaufbau fortgeführt. Ende 2025 sind es weltweit 20.246 Mitarbeitende, rund 2,6 Prozent mehr als im Vorjahr, u. a. als Folge von Kapazitätsaufbau in China und dem neuen Werk in Rumänien.
Aus Unternehmenssicht passt das in ein klassisches Bild der Industrie-Transformation: Wechsel von Verbrennungssystemen hin zu elektrischen Antrieben, aber mit dem Unterschied, dass die Batterie als Plattformkomponente behandelt werden muss. Der Vorstand nennt für 2035 ein ambitioniertes Ziel: Vier von fünf verkauften Geräten sollen akkubetrieben sein. Ende 2025 lag der Anteil akkubetriebener Geräte bereits bei 27 Prozent des weltweiten Absatzes, also mit messbarem, aber noch ausbaufähigem Wachstum. Genau hier entsteht die technische Vergleichsfolie zu Wettbewerbern wie Makita oder Bosch: Auch sie investieren in Akku-Ökosysteme, allerdings verschiebt sich der Fokus zunehmend von einzelnen Produktgenerationen hin zu standardisierten Akkupack-Architekturen und Produktionsautomatisierung.
Marktseitig ist der Ton vorsichtig, obwohl die Zahlen grundsätzlich solide sind. Stihl will das Umsatzniveau bis 2026 halten, doch das erste Quartal startet verhalten und die Kundenseite signalisiert Zurückhaltung. Branchenbeobachter bewerten solche Phasen oft als „Kaufaufschub statt Kaufstopp“: Investitionen werden gestreckt, insbesondere wenn Haushalte und professionelle Anwender parallel Kostensteigerungen durch Energiepreise und Unsicherheiten bei Lieferketten spüren. In einem Interview mit Branchenexperten wird der Fokus auf Akku-Fertigung als strategisch plausibel eingeordnet, weil er die Abhängigkeit von einzelnen Antriebstechnologien reduziert. Entscheidend wird dabei, ob Stihl die erwartete Nachfrage nicht nur behauptet, sondern auch in stabilen Lieferquoten und konsistenter Produktqualität abbildet.
Ein weiterer Market-Impact ergibt sich aus der Wettbewerbsdynamik im „Werkstatt-/Hobby“-Segment. Bei akkubetriebenen Geräten entscheidet nicht allein die Motorleistung, sondern das Zusammenspiel aus Akkukapazität, Ladezyklen, Lebensdauer und Sicherheitskonzepten. Genau deshalb wirkt ein spezialisiertes Batterie-Werk wie ein Wettbewerbsbeschleuniger: Es kann Qualitätsdaten besser konsolidieren, Produktions- und Testverfahren stärker standardisieren und so die Ausfallraten im Feld senken. In der Praxis bedeutet das für Unternehmen wie Stihl auch eine größere Bedeutung von Datenflüssen in der Fertigung, etwa für Traceability und Wartung, was wiederum IT- und Security-Themen berührt. Wenn Sensorik und Prüfstände zunehmend digital überwacht werden, müssen Produktionsnetze und Zugriffsrechte so gestaltet sein, dass Manipulationen oder unbemerkte Abweichungen früh erkannt werden.
Damit rückt auch die regulatorische Ebene stärker in den Mittelpunkt. Bei Batterieprodukten spielen in der EU unter anderem Anforderungen zur Batterieverordnung, zu Recyclingquoten und Kennzeichnungspflichten sowie zu Transport- und Sicherheitsregeln eine Rolle. Für Hersteller heißt das: Compliance ist kein „Papierprojekt“, sondern muss in die Produkt- und Prozessentwicklung eingebettet werden, etwa durch Dokumentationsketten, Qualitätsnachweise und belastbare Lieferantenprüfungen. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an Datenschutz und Cybersecurity, sobald Produktionsdaten, Produktionsplanung und Serviceinformationen miteinander verknüpft werden. Selbst wenn Stihl primär als Industriebetrieb auftritt, wird die digitale Fertigung zur Querschnittsaufgabe: Wer die Produktionsdaten zuverlässig schützen und zugleich für Analysen nutzbar machen will, muss Architekturprinzipien wie rollenbasierte Zugriffe und segmentierte Netzwerke konsequent umsetzen.
Im Vergleich zu früheren Umstellungen zeigt sich zudem, wie sich Lernkurven über die Jahre verändert haben. Vor Jahren standen Hersteller häufiger vor dem Problem, dass Akkus als „Zulieferkomponente“ bezogen wurden und die Kontrolle über Kosten und Qualität nur begrenzt war. Mit zunehmender Reife des Akku-Ökosystems und der Etablierung eigener Pack-Produktionen wird diese Abhängigkeit reduziert. Stihl adressiert genau diesen Punkt, indem das rumänische Werk auf Akkupacks und akkubetriebene Geräte ausgerichtet ist. Damit kann Stihl schneller auf Design-Iterationen reagieren, aber auch den Lebenszyklusplan besser steuern. Für Kunden wirkt sich das als stabilere Verfügbarkeit von Geräten und Ersatzteilen aus, während für Stihl die Kalkulierbarkeit der Stückkosten steigt.
Für die weitere Entwicklung ist die zentrale Frage, wie Stihl das 2035-Ziel in wirtschaftlich unsicheren Jahren operationalisiert. Sollten die Absatzimpulse in 2026 weiter verhalten bleiben, wird das Management besonders auf Priorisierung setzen müssen: Welche Produktlinien werden zuerst hochgezogen, welche Liefermengen gesichert, welche Qualitätssicherungs- und Lernschritte werden in die nächste Produktionsphase übertragen? Gleichzeitig bietet die aktuelle Lage Chancen für Entwickler und Partner im Umfeld von Akku-Systemen, etwa für KI-gestützte Qualitätsanalyse in Fertigung und für fortgeschrittene Prozessoptimierung, die Ausschuss reduziert. Aus Expertensicht ist das Timing relevant: Wer Kapazitäten aufbaut, bevor die Nachfrage wieder stärker anzieht, kann später Marktanteile gewinnen – muss aber die Finanzierung und die Lieferkettenrisiken im Griff behalten.
Unterm Strich zeigt Stihls Kurs, wie Industrien in der aktuellen Marktphase die Strategie „Wachstum trotz Flaute“ übersetzen: über Technologiepfade, die langfristig skalieren. Der Umsatz von 5,48 Milliarden Euro belegt, dass das Unternehmen kurzfristig stabilisieren kann, während das rumänische Batterie-Programm und der strategische Umstieg auf akkubetriebene Geräte die Weichen für den mittleren Horizont stellen. Wenn Stihl 2026 tatsächlich das Niveau halten will, wird der Erfolg davon abhängen, wie schnell das Akku-Segment weiter wächst und wie konsequent Sicherheits-, Qualitäts- und Compliance-Anforderungen in Produktion und Lieferkette integriert werden. Für Anleger und Branchenakteure bleibt damit vor allem eines spannend: Ob die Akku-Plattform die Zurückhaltung der Kunden nicht nur abfedert, sondern in einen nachhaltigen Wachstumspfad überführt.
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