BAYERN / LONDON (IT BOLTWISE) – Sicherheitsbehörden warnen, dass „Active Clubs“ in Deutschland als Einstiegspunkt für rechtsextremistische Rekrutierung dienen könnten. Laut Bundesamt für Verfassungsschutz ist die Gründung solcher Sportgemeinschaften seit dem Frühjahr 2024 erkennbar. Die Behörden stufen vor allem das mögliche Gewaltpotenzial als besorgniserregend ein. Für Präventionsarbeit und behördliches Monitoring rückt damit ein bisher unterschätztes Rekrutierungsmodell in den Fokus.

Deutsche Sicherheitsbehörden sehen in sogenannten „Active Clubs“ einen Ansatzpunkt, um junge Männer schleichend in ein rechtsextremistisches Milieu zu integrieren. Im Kern geht es dabei nicht um eine politische Debatte im Vereinsheim, sondern um eine zweckgerichtete Verbindung aus körperlicher Aktivität und ideologischer Anschlussfähigkeit. Das Bundesamt für Verfassungsschutz verwies in einer Berichterstattung darauf, dass sich seit dem Frühjahr 2024 die Gründung mehrerer regionaler „Active Clubs“ beobachten lässt. Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz ordnen diese Entwicklung demnach als Versuch ein, über Sportstrukturen neue Teilnehmende für das rechtsextremistische Spektrum zu gewinnen.
Die Logik, die die Sicherheitsbehörden beschreiben, passt zu Rekrutierungsmechanismen, die nicht sofort als „Propaganda“ erkennbar sind. „Active Clubs“ werden dabei als Sportgemeinschaften beschrieben, die junge Männer über Fitness und Gruppenzugehörigkeit anziehen. Laut den Angaben gegenüber einer Tageszeitung gibt es darüber hinaus „Erkenntnisse zu diversen relevanten Personen mit einem entsprechenden Bezug“; zugleich betonen die Behörden, dass die Szene im Blick bleibt. Gerade weil solche Formate formal als Training oder Gemeinschaft auftreten, kann der Weg von sozialer Aktivität zu weltanschaulicher Radikalisierung für Außenstehende schwerer zu erkennen sein als bei klassischen Parteistrukturen.
In Bayern wird die Warnung noch konkreter verknüpft: Ein Landesamt für Verfassungsschutz beschreibt, dass es Verbindungen der Szene zu der rechtsextremen Partei „Die Heimat“ geben soll. In diesem Zusammenhang wird genannt, dass Patrick Schröder, Landesvizechef der Partei in Bayern, einen „Fahrplan“ für den Aufbau von Clubs erarbeitet haben soll. Der Landesverfassungsschutz ordnet die Clubs als Instrument einer partei- und organisationsübergreifenden Vernetzung der Szene ein. Junge Männer sollen demnach über „weiße Überlegenheit“ als ideologisches Narrativ schrittweise radikalisiert und in die Szene integriert werden.
Auch die Gewaltkomponente steht in der Bewertung im Vordergrund. So heißt es, das Ziel bestehe darin, Kampfsport zu trainieren, um sich auf einen angeblich bevorstehenden „Rassenkrieg“ vorzubereiten. Genau an dieser Stelle wird deutlich, warum Behörden solche Sportformate nicht als unpolitisches Hobby abtun. Training in geschlossenen Strukturen kann mentale Kohärenz erzeugen, Gruppendruck verstärken und riskante Ideologien über längere Zeit „normalisieren“. Dazu kommt: Wenn die Rekrutierung über mehrere Regionen verteilt erfolgt, können lokale Ansprechpartner das Gesamtbild leichter verfehlen als bei zentralisierten Organisationen.
Wie sichtbar die Szene für Außenstehende ist, lässt sich dabei offenbar nur begrenzt einschätzen. In einschlägigen sozialen Medien in Deutschland werden laut Landesangaben 22 solcher Clubs aufgeführt; zugleich sei für Außenstehende nicht erkennbar, wie viele davon tatsächlich aktiv sind. Für Ermittlungs- und Präventionsarbeit ist das eine praktische Herausforderung: Eine reine Zählung von Einträgen ersetzt keine Lagebilder. Stattdessen braucht es fortlaufende Bewertung, etwa um zwischen „Werbe-Cluster“ und realen Trainings- oder Rekrutierungsumfeldern zu unterscheiden. Dass Behörden sowohl bundesweit als auch regional ansetzen, entspricht genau dieser Logik der verteilten Strukturen.
Bemerkenswert ist außerdem, dass sich die Sicherheitsbehörden damit nicht allein auf Schlagworte beschränken, sondern ein konkretes Vorgehensmodell skizzieren: Fitness als Eintritt, Ideologie als Anschluss, Kampfsport als Verstärker und schließlich die Einbettung in ein Milieu mit Gewaltfantasie. Für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen wird damit indirekt ein Thema berührt, das weit über den Sport hinausgeht: Wie Organisationen Anzeichen von Extremismus in „Alltagsumfeldern“ früh erkennen, ohne pauschal zu stigmatisieren. Für zuständige Stellen bedeutet das, dass Präventionsangebote, Meldewege und die Abstimmung zwischen Sicherheitsbehörden und zivilgesellschaftlichen Strukturen eng genug sein müssen, um Entwicklungen seit dem Frühjahr 2024 nicht erst zu bemerken, wenn sie bereits stabil verankert sind.
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