LONDON (IT BOLTWISE) – Foundation erweitert seine Hardware-Sicherheitslinie: Aus Bitcoin-Hardware-Wallets wird eine Plattform zur expliziten Freigabe von Entscheidungen durch KI-Agenten. Mit 6,4 Millionen US-Dollar will das Startup Passport Prime und KeyOS beschleunigen, inklusive SDK-Öffnung für Sicherheits-Apps und geplanter Nutzer-App-Store. Für Unternehmen und Entwickler wird damit ein neuer Ansatz relevant, bei dem Compliance und Risikoentscheidungen nicht allein durch die Agent-Software, sondern durch dedizierte Security-Hardware bestätigt werden.

Foundation, ein Anbieter von Bitcoin-Hardware-Wallets, hat 6,4 Millionen US-Dollar frisches Kapital eingesammelt, um von reinen Self-Custody-Geräten stärker in Richtung KI-Agenten-„Authorization“ zu expandieren. Die Finanzierungsrunde wurde laut Angaben von Fulgur Ventures angeführt und mit Beteiligung von Arche Capital durchgeführt. Während viele Krypto-Sicherheitsanbieter ihren Fokus bisher auf das signierende Wallet beschränkten, positioniert sich Foundation explizit als Gatekeeper: Bestimmte Aktionen sollen nicht nur kryptografisch abgesichert, sondern auch durch eine klar nachvollziehbare, menschliche Bestätigung freigegeben werden. Damit zielt das Unternehmen auf ein Problem, das in der „agentischen“ KI-Ära zunehmend virulent wird: Wer autorisiert wirklich, was eine KI im Namen einer Person tut?
Technisch setzt Foundation dafür auf eine Kombination aus eigener Hardware-Trust-Schicht und einer Betriebssystem-Logik, die Policies in dedizierter Security-Hardware ausführt. Der Ansatz wird über das System „KeyOS“ getragen, das als Plattform für Sicherheits-Apps und als Ausführungsumgebung dienen soll. Passport Prime, das Flaggschiffgerät, das nun allgemein verfügbar ist, bündelt dabei mehrere Bausteine: eine Bitcoin-Hardware-Wallet, FIDO-Sicherheitskeys, einen Speicher für 2FA-Daten, einen Secrets Vault sowie 50 GB verschlüsselten Speicher. Entscheidend ist die Verknüpfung: Ein Gerät soll nicht nur Schlüssel verwalten, sondern als kontrollierbares Betriebssystem fungieren, das sensible Abläufe erst nach bestätigter Benutzeraktion weiterlaufen lässt.
Die Idee wirkt zunächst wie eine Erweiterung klassischer Hardware-Wallet-Modelle, allerdings verschiebt sie den Schwerpunkt vom reinen Signieren hin zur Durchsetzung von Zugriffs- und Freigaberichtlinien. In der Vergangenheit waren Self-Custody-Lösungen häufig auf das sichere Aufbewahren privater Schlüssel und das Ausführen von Transaktionen beschränkt. Foundation versucht nun, diese „Disziplin“ auf Identität, Multi-Faktor-Authentifizierung und die Authorization von KI-Agenten auszudehnen. Damit wird eine klare Trennlinie gezogen: Die KI kann Entscheidungen vorschlagen oder vorbereiten, aber die finalen Freigaben sollen auf dem Gerät getroffen werden, mit einem Display, dem Nutzer vertrauen können, und einem Betriebssystem, das überprüfbar bleibt. Genau hier liegt der Sicherheitshebel: Die Host-Software der Agenten soll weniger Einfluss auf die Endfreigabe haben.
Im Marktumfeld ist die Referenz auf dedizierte Security-Hardware naheliegend, denn Wettbewerber wie Ledger und Trezor setzen ebenfalls auf Hardware-gestützte Kryptografie und minimierte Angriffsflächen im Umgang mit Seed- und Schlüsselmaterial. Bei der biometrie- und loginbasierten Welt sind zudem FIDO-Ökosysteme mit Security Keys etabliert, beispielsweise über Anbieter wie YubiKey. Foundation geht jedoch einen Schritt weiter, indem es die Hardware als „Trust Layer“ für Online-Aktionen positioniert und dafür ein SDK anbietet. Der operative Unterschied gegenüber vielen herkömmlichen Wallet-Setups ist die Policy-Engine im Gerät: Statt dass der Computer des Nutzers die Logik definiert, sollen Regelwerke innerhalb der Security-Hardware ausgeführt werden. Das ist auch aus Enterprise-Sicht interessant, weil es Auditierbarkeit und eine konsistente Kontrollschicht versprechen kann.
Branchenexperten ordnen den Schritt als Versuch, das Risiko „Tool-Use“ in agentischen Systemen zu beherrschen: Wenn KI-Agenten Konten, Zahlungswege oder Admin-Aktionen automatisiert ausführen, verschiebt sich das Sicherheitsmodell von „Wie schützen wir den Schlüssel?“ zu „Wie stellen wir sicher, dass die richtige Person die richtige Handlung in dem richtigen Kontext genehmigt?“ Foundation argumentiert dabei, dass diese Frage nicht durch dieselbe Software beantwortet werden kann, die den Agenten ausführt. Stattdessen brauche es dedizierte Hardware, die eine sichtbare und kontrollierbare Freigabe erzwingt. Genau diese Sicherheitslogik wird über KeyOS in die Entwicklerwelt geöffnet, wodurch künftig auch Drittsysteme nicht nur Transaktionen, sondern komplexe Sicherheitsabläufe mit Policies kombinieren könnten.
Mit der allgemeinen Verfügbarkeit von Passport Prime und der erweiterten Zugänglichkeit der KeyOS-Developer-Plattform folgt Foundation nun einem klaren Wachstumsplan: Das SDK soll Passport Prime für Entwickler öffnen, die Sicherheitsanwendungen bauen, und bis zum Ende des zweiten Quartals soll zudem ein KeyOS-App-Store für Nutzer folgen. Als erste externe Plattformnutzer wird Cake Wallet als Team genannt, das bereits an KeyOS arbeitet. Für den Markt ist das Timing relevant, weil in der KI-Branche derzeit viele „Agent Frameworks“ entstehen, die zwar mächtig sind, deren Sicherheits- und Freigabemechanismen jedoch häufig vom Integrator abhängen. Foundation versucht, diese Lücke zu standardisieren: Der Agent bleibt zwar die Intelligenzschicht, doch die Autorisierung wird in eine überprüfbare Hardware-Umgebung verlagert.
Vergleicht man den Ansatz mit klassischen Wallet-Architekturen, wird der strategische Unterschied besonders deutlich. Ein Hardware-Wallet ist im Kern ein Signatur- und Schlüsselverwaltungsgerät; ein Policy-fähiges Security-OS bedeutet dagegen, dass auch Entscheidungsabläufe innerhalb einer streng abgeschotteten Umgebung laufen können. Das kann die Angriffsfläche reduzieren, weil weniger Kontrolle über sensible Operationen auf der unsicheren Seite des „Host-Computers“ liegt. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Entwicklungsteams, die Policies korrekt modellieren, Datenflüsse absichern und die Nutzerinteraktion so gestalten müssen, dass Bestätigungen im realen Risiko-Kontext verständlich bleiben. Genau deshalb wird das Display- und Betriebssystem-Argument bei Foundation besonders betont: „Nichts passiert ohne Zustimmung“, wie das Unternehmen sinngemäß herausstellt.
Für Unternehmen und Entwickler ergibt sich daraus eine vielversprechende, aber auch anspruchsvolle Zukunftsperspektive. Wenn KI-Agenten künftig nicht nur E-Mails versenden oder Dokumente bearbeiten, sondern auch Zahlungen, Identitätsänderungen oder Berechtigungen durchführen, wird die Frage der Freigabe zu einem zentralen Kontrollpunkt für Security- und Compliance-Abteilungen. Foundation positioniert KeyOS als Basis, um solche Freigaben konsistent zu erzwingen und damit Governance-Anforderungen abbildbarer zu machen. Bis 2026 sind zusätzliche Integrationen über Bitcoin-, Identity- und KI-Agent-Workflows angekündigt; technisch kann das bedeuten, dass sich mehr Use-Cases in Richtung Multi-Faktor-„Policy Chains“ entwickeln. Regulatorisch bleibt allerdings entscheidend, dass Nutzer und Organisationen transparent nachvollziehen können, welche Aktionen ein Agent ausführen darf, welche Daten das Gerät verarbeitet und wie die App-Ökosysteme Sicherheitsanforderungen erfüllen.
Am Ende ist Foundation weniger ein reiner Wallet-Anbieter als vielmehr ein Versuch, die Autorisierungsebene für digitale Handlungen neu zu definieren. Die Finanzierung von 6,4 Millionen US-Dollar ist dabei auch ein Signal an die Entwicklergemeinschaft: Das Unternehmen setzt auf ein wachsendes Ökosystem aus SDK, Secrets Vault, verschlüsseltem Speicher und künftigem App-Store, um „Human Authority“ als technische Konstante zu verankern. Für den Wettbewerb bedeutet das, dass Hardware-Security stärker mit Agent-Workflows verknüpft werden könnte, statt nur Transaktionen oder Logins abzusichern. Wenn Foundation diesen Anspruch durchgängig in stabile Integrationen übersetzt, könnte aus der Hardware-Bestätigung eine Art Standard für agentische Freigaben werden—mit klaren Vorteilen für Sicherheitsarchitektur, aber auch mit einer neuen Verantwortung für Entwickler, die Policies und Benutzerinteraktionen korrekt umzusetzen.
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