LONDON (IT BOLTWISE) – Eine KI-Auswertung zu Bundesliga-Fanlagern ordnet Borussia Dortmund als sympathischstes Team ein, während der FC Augsburg deutlich abgeschlagen auf Rang 16 landet. Die Studie misst dabei nicht Stadionwerte, sondern die Sichtbarkeit von Fanbildern in digitalen Diskursen. Damit wird sichtbar, wie stark öffentliche Erzählmuster und Medienpräsenz bestimmen, was KI-Systeme überhaupt als „sympathisch“ ableiten. Für Vereine ist das weniger ein PR-Gefühl als ein messbares Daten- und Modellproblem.

Wenn Künstliche Intelligenz beurteilt, welche Fußballfans „am sympathischsten“ wirken, geht es selten um eine direkte Befragung im Stadion. Stattdessen entsteht die Einschätzung aus dem, was in öffentlichen Debatten auffindbar ist: Kommentare, Medieninhalte, Vereinsseiten und wiederkehrende Narrative. Genau an diesem Punkt wird das neue Bundesliga-Ranking für den FC Augsburg schmerzhaft: In einer KI-gestützten Analyse landen die FCA-Anhänger auf Platz 16 von 19. Borussia Dortmund führt die Wahrnehmungsspur an, gefolgt vom FC Bayern und dem VfB Stuttgart. Das Ergebnis wirkt wie eine Momentaufnahme digitaler Sichtbarkeit – und nicht wie ein sportlicher Sieg.
Laut den Angaben der untersuchenden PR-Agentur basiert das Vorgehen auf „KI-Beobachtungssoftware“, die eine Woche lang 750 Antworten auswertete. Dabei werden Faktoren wie Fankultur, Support oder Loyalität der Fans adressiert, sodass das System gewissermaßen aus Textspuren eine Gewichtung zwischen Vereinen ableitet. Technisch betrachtet bewegt sich das im Bereich Natural Language Processing, also der Auswertung sprachlicher Muster und semantischer Zusammenhänge in Texten. Entscheidend ist, dass die Modelle auf öffentlich zugängliche Informationen und digitale Diskurse zurückgreifen, um eine Art internes Bild der Vereine zu erzeugen. Für Unternehmen ist das vergleichbar mit Reputation Mining: Aus Daten wird ein Ranking, aus dem Ranking wird Interpretation.
Die Resultate lassen sich über eine Kennzahl einordnen: Sichtbarkeit. Dortmund wird mit 66 Prozent genannt, Bayern mit 53 und Stuttgart mit 50. Der FCA erreicht lediglich drei Prozent Nennung in den ausgewerteten Antworten. Aus Sicht eines datengetriebenen Marketings ist das ein sehr klares Signal, denn Sichtbarkeit ist hier gleichbedeutend mit dem, wie oft das Fanbild im Modellkontext überhaupt sichtbar wird. Ein ähnliches Muster kennen Branchenanalysten auch aus anderen Reputation- und Brand-Insights-Setups, etwa wenn Social-Listening-Tools (oder deren KI-Varianten) bestimmte Communities stärker „finden“, weil sie häufiger in Indexen, Foren oder Berichten auftauchen. Genau darin liegt die Vergleichbarkeit mit dem Vorgehen: Wer im öffentlichen Textraum häufiger vorkommt, wird eher zitiert.
Wichtig ist jedoch die methodische Rückfrage: Was bedeutet „sympathisch“ in der Logik der KI? Laut Einordnung aus der Mitteilung werden Nutzerfragen sinngemäß so interpretiert, dass KI-Modelle Teams mit ausgeprägter Fankultur oder loyalem Support zuordnen. Doch ob ein Verein „sympathisch“ ist, lässt sich nicht isoliert aus dem Ergebnis lesen. Die Agentur argumentiert, KI-Systeme stützten sich besonders häufig auf redaktionelle Inhalte, zusätzlich auf Fußball- und Informationsseiten sowie Vereinswebsites. Historisch betrachtet ist das nicht neu: Schon frühere automatisierte Stimmungsanalysen (Sentiment Mining) liefen Gefahr, öffentliche Debatten mit tatsächlicher Community-Qualität zu verwechseln. Der neue Schritt besteht darin, dass generative KI die gefundenen Informationen stärker verdichtet und damit die Gewichtung noch „glatter“ erscheinen kann.
Für den Markt stellt sich die Frage, wie Vereine darauf reagieren, ohne in eine reine „Nennungsoptimierung“ abzugleiten. In der Enterprise-Perspektive ist die eigentliche Herausforderung Skalierung und Governance: Welche Datenquellen werden genutzt, wie wird Aktualität gesichert, und wie verhindert man, dass einzelne Social-Media-Episoden das Modellgefühl dominieren? Auch Security spielt hinein, denn KI-Auswertungssysteme benötigen oft Zugriffsrechte auf Datenquellen und müssen gegen Datenexfiltration und Prompt-Manipulation abgesichert werden. Darüber hinaus sollten Unternehmen und Organisationen Transparenz darüber verlangen, welche Modellklasse und welche Konfigurationsparameter verwendet werden. Nur so lässt sich erklären, warum der FCA in der KI-Wahrnehmung so niedrig ausfällt, obwohl er in anderen Kennzahlen wie Social-Follower-Wachstum offenbar stärker performt.
Ein weiterer Blickwinkel ist der Wettbewerb unter Dienstleistern. Das Ranking adressiert im Kern das Versprechen, aus KI-basierten Analysen „Bildwirkung“ messbar zu machen. Damit konkurrieren solche Angebote mittelbar mit etablierten Social-Analytics-Anbietern, die Reputation und Community durch eigene Datenpipelines bewerten. Der Unterschied liegt oft nicht nur in der Oberfläche, sondern in der Pipeline: von der Datensammlung über Normalisierung und Filterung bis zur Gewichtung im Modell. Experten betonen in Interviews und Fachgesprächen regelmäßig, dass die Qualität der Ergebnisse primär an der Datenhygiene hängt. Wenn ein Verein weniger in bestimmten Öffentlichkeitsräumen vorkommt oder unterrepräsentiert in redaktionellen Texten auftaucht, entsteht ein struktureller Nachteil. Genau deshalb ist das Ergebnis für Augsburg auch als Diagnose lesbar: nicht „die Fans sind weniger sympathisch“, sondern „das digitale Fanbild ist weniger sichtbar“.
Für die Zukunft wird entscheidend, wie schnell die Branche aus solchen Rankings konkrete Verbesserungen ableitet. Eine realistische Roadmap für Vereine wäre, die eigene Informationsarchitektur so zu gestalten, dass sie konsistent in die Beobachtungslogik hineinwirkt: klare Vereins- und Fanstorys, verlässliche Portalseiten, bessere Auffindbarkeit und nachvollziehbare Inhalte für Medien und Communities. Gleichzeitig sollten sie Benchmarking auf mehrere Kennzahlen ausweiten, etwa Sichtbarkeit, Tonalität, Engagement und Reichweite, um Einzelfaktoren zu entkoppeln. Aus Datenschutzsicht ist dabei relevant, dass KI-Systeme möglichst mit aggregierten und nicht personenbezogenen Signalen arbeiten, damit die Bewertung nicht auf sensiblen Nutzerdaten basiert. Wenn Vereine diese Balance schaffen, kann KI nicht nur PR abbilden, sondern auch helfen, eigene Kommunikation messbar, überprüfbar und sicher zu steuern. Dortmund profitiert derzeit – doch die „Sympathie“ ist vor allem ein Spiegel der Erzählräume.
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