LONDON (IT BOLTWISE) – Bankaufsicht und Prüfer haben bei DEA Capital Re gravierende Defizite in der Geldwäscheprävention und in den internen Kontrollmechanismen festgestellt. Besonders kritisiert werden die Risiko- und Kontrollgremien sowie die Arbeit der Aufsichtsfunktion, die bei Transaktionen vor den Entscheidungen nicht ausreichend in die Tiefe gegangen sei. Der Bericht stellt außerdem Bezüge zu variablen Vergütungen her, weil neue Fonds und deren Performance-Fees bereits gestartet wurden, bevor Due-Diligence-Ergebnisse zu den Zeichnern vorlagen. In der Folge kam es zu einem Wechsel in der Führung – und die Frage nach belastbarer Compliance wird jetzt zum zentralen Prüfstein.

Bankitalia rügt DEA Capital Re: Schwächen in AML-Governance und Kontrollen
Bankitalia rügt DEA Capital Re: Schwächen in AML-Governance und Kontrollen (Foto: IT BOLTWISE)
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Bankitalia hat im Umfeld der DEA Capital Re erneut den Finger auf die Compliance-Struktur gelegt und damit die Debatte über wirksame Geldwäscheprävention in der europäischen Fonds- und Immobilienwelt spürbar verschärft. Im Zentrum stehen laut Prüfbericht nicht nur einzelne Pflichtverstöße, sondern die Governance: Beiträge des Risiko- und Kontrollgremiums sowie die Arbeit der gesetzlichen Abschlussprüfer seien als „unzureichend“ bewertet worden. Zudem wird der Anti-Geldwäsche- und der Internal-Audit-Funktion eine zu geringe Schlagkraft bzw. zu geringe Reichweite attestiert. Für das Unternehmen bedeutet das, dass es Vertrauen in seine Kontrollarchitektur nicht allein „nachträglich“ herstellen kann, sondern Prozesse nachweisen muss.

Technisch lässt sich die Kritik als Bruchstelle zwischen operativem Transaktionsmanagement und nachgelagerter Gremienentscheidung verstehen. So heißt es, das Risiko- und Kontrollgremium habe bei einzelnen Transaktionen, die noch vor Debatten im Board lagen, das jeweils untersuchte Risiko „übersehen“. Genau hier liegt in vielen AML-Programmen ein klassischer Schwachpunkt: Wenn Informationen und Risikoindikatoren nicht vor dem formalen Entscheidungszeitpunkt verdichtet werden, entsteht ein blinder Fleck zwischen Frühphase (Anbahnung, Vorprüfung, interne Bewertung) und Endphase (Board-Beschluss). Dazu passt die weitere Beanstandung, dass kein unabhängiges, tiefgehendes Vorgehen der gesetzlichen Aufsicht nachweisbar gewesen sei.

Besonders konkret wird die Vorhaltung bei neuen Fonds, die seit 2022 aufgelegt wurden. Unter dem Prüfmaßstab geraten angeblich nicht nur die Mittelverwendung, sondern der Zeitpunkt der Freigaben: Der Verwaltungsrat habe wiederholt den Start von Fondsoperationen genehmigt, obwohl Due-Diligence-Analysen zu relevanten Zeichnern noch nicht abgeschlossen waren. Ergänzend wird kritisiert, dass das Board ohne Kenntnis des den Zeichnern zugeordneten Risikoprofils agiert habe und die anschließende Prozessfinalisierung nur generell an den Managing Director und sein Team delegiert habe. Für das Setup bedeutet das: Compliance wird zu einem nachgeordneten „Checkout“, statt als integriertes Gate vor der operativen Aktivierung zu wirken.

Der Bericht verknüpft die Governance-Probleme zudem mit Anreizstrukturen, was in der Praxis häufig unterschätzt wird. Im Fokus stehen neue Fonds, bei denen Performance Fees – also erfolgsabhängige Vergütungsbestandteile – vorgesehen sind. Berichten zufolge sollen die mit bestimmten Fonds verbundenen Vorgänge einen relevanten Treiber für variable Vergütungen des CEO und mehrerer Mitarbeitender darstellen, sobald Zielvorgaben erreicht sind. Damit entsteht ein Risiko, dass Kontrollorgane und Entscheidungsebenen unter ökonomischem Druck geraten oder zumindest unbewusst weniger konservativ dokumentieren. In der Geldwäscheprävention ist aber gerade die Nachvollziehbarkeit entscheidend: Welche Signale lagen wann vor, wer hat sie bewertet, und wie wurde dokumentiert?

Der unmittelbare Marktimpuls ist zunächst administrativ: Die Ergebnisse der Inspektion haben bereits zur Absetzung der bisherigen Top-Führung geführt. Besonders erwähnt wird der Abgang von CEO Emanuele Caniggia, der seit 2014 in dieser Rolle war; außerdem sollen Mitglieder des Vorstands sowie der gesetzlichen Abschlussprüfer aus dem Gremium ausgeschieden sein. Die Rolle des CEO bleibt vorerst vakant, während gleichzeitig neue Governance-Bausteine eingesetzt wurden. Als neuer Vorsitzender wurde Giancarlo Scotti berufen, zuvor Managing Director bei Cdp Real Asset, mit einem als solide beschriebenen Track Record in der italienischen Immobilienlandschaft. Solche Wechsel sind zwar kurzfristig üblich, lösen aber nur dann nachhaltig das Kernproblem, wenn sie in Prozess- und Kontrollarchitektur übersetzt werden.

Für den Wettbewerbsvergleich ist relevant, wie andere große Asset-Manager Compliance in ihre Produkte und Entscheidungsflüsse integrieren. Unternehmen wie BlackRock oder Amundi betreiben typischerweise mehrstufige AML-Workflows, bei denen Kunden- bzw. Zeichner-Screening, Risiko-Kategorisierung und Freigabeentscheidungen eng verzahnt sind – häufig mit klaren „Stop-and-Go“-Mechanismen, die einen operativen Start ohne vorliegende Risikoindikatoren blockieren. Branchenexperten berichten außerdem, dass moderne Programme verstärkt auf datengestützte Plausibilisierung und standardisierte Dokumentationspfade setzen, um nachträgliche Einordnungen zu vermeiden. Gegen diese Best Practices wirkt die im Bericht beschriebene Praxis „Start ohne finale Due Diligence“ wie ein systematischer Governance-Riss.

Aus Sicht von Organisation und Audit ist die besondere Brisanz damit zweifach: Erstens wird die Effektivität der Kontrollfunktionen infrage gestellt – sowohl des Risiko- und Kontrollgremiums als auch der Internal-Audit- und AML-Funktion. Zweitens wird der Aufsichts- und Dokumentationsprozess kritisiert, weil Prüfberichte und Jahresreport nicht mit der nötigen Schärfe hinterfragt worden seien. Regulatorisch ist das nicht nur eine Frage von „Policy auf Papier“, sondern von Nachweisbarkeit im Sinne der Aufsichtsanforderungen: Wer führt wann welche Untersuchung durch, wie wird das Risikoprofil zugeordnet, und welche Freigabeentscheidung wird auf welcher Grundlage getroffen? Zusätzlich spielt Datenschutz eine Rolle, weil AML-Daten häufig besonders sensible Unternehmens- und Personendaten enthalten; die Verarbeitung muss streng zweckgebunden, sicher und nachvollziehbar erfolgen.

Wie geht es nun weiter, und welche Zukunftsimplikationen ergeben sich für den Markt? Kurzfristig wird DEA Capital Re seine Freigabe- und Due-Diligence-Prozesse härten müssen: neue Fonds sollten erst dann operativ anlaufen, wenn Zeichner-Risiken vollständig bewertet sind und die relevanten Gremien diese Bewertung nachvollziehbar gesehen haben. Mittelfristig dürfte die Anreizlogik unter die Compliance-Lupe geraten, insbesondere dort, wo Performance Fees an Zielerreichung gekoppelt sind. Für Entwickler und IT-Teams bedeutet das: KI-gestützte oder regelbasierte Workflows können helfen, Dokumentationspfade zu erzwingen und Entscheidungsvorlagen zu vereinheitlichen, aber sie ersetzen keine Governance. In den kommenden Quartalen wird sich zeigen, ob die neue Leitung die Kontrolle als „systemischen Prozess“ statt als „nachgelagerte Prüfung“ etabliert.


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