BASEL / LONDON (IT BOLTWISE) – UBS-Manager Iqbal Khan ordnet die Wirkung von KI am Arbeitsplatz als zweischneidiges Messer ein. Er betont, dass Automatisierung routinemäßige Tätigkeiten beschleunigt und Kapazitäten freisetzt, gleichzeitig aber Rollen verändern und in Teilen Beschäftigung kosten kann. Für Investoren entsteht daraus eine Landschaft, in der technologischer Fortschritt und verantwortungsvolle Qualifizierung zusammen gedacht werden müssen. Besonders relevant ist, wie Unternehmen Trainings, Governance und Sicherheitskonzepte mit Skalierung verbinden, statt nur Produktivitätskennzahlen zu optimieren.

KI wirkt doppelt: Produktivität steigt, Jobs geraten unter Druck
KI wirkt doppelt: Produktivität steigt, Jobs geraten unter Druck (Foto: IT BOLTWISE)
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KI wird derzeit meist an Produktivitätsversprechen gemessen – doch UBS-Manager Iqbal Khan stellt den gleichen Hebel auch als Risiko für Beschäftigungsstrukturen in den Mittelpunkt. In seiner Einordnung geht es weniger um einen linearen Fortschrittsmythos, sondern um die Doppelwirkung: Wo Systeme Routineaufgaben automatisieren, entstehen neue Freiräume für komplexere Tätigkeiten, andernorts verschwinden jedoch bestimmte Jobprofile. Damit verändert sich nicht nur die Arbeitsrealität, sondern auch die Erwartungshaltung an Unternehmen, die KI einführen. Der entscheidende Punkt für Entscheider: Produktivitätsgewinne sind nur dann nachhaltig, wenn Umgestaltung und Qualifizierung parallel geplant werden.

Technisch betrachtet ist der wirtschaftliche Effekt von KI häufig dort am stärksten, wo Prozesse standardisiert, datenreich und wiederholbar sind. Moderne KI-Ansätze wie Transformer-basierte Sprachmodelle, Klassifikations- und Prognosesysteme oder auch generative Assistenzfunktionen greifen in die Wertschöpfung ein, indem sie Dokumente auslesen, Inhalte verdichten, Workflows vorstrukturieren und Entscheidungen vorbereiten. Für Unternehmen bedeutet das eine Verschiebung von reiner Automatisierung hin zu KI-gestützter Assistenz: Menschen übernehmen stärker die Prüfung, Freigabe und die fachliche Steuerung. Der technische Vergleich zur klassischen Automatisierung ist prägend: Statt reiner Regelketten werden Modelle mit kontinuierlichem Feedback verbessert, was Governance und Monitoring noch wichtiger macht.

Die Marktlogik dahinter wirkt zugleich strategisch und selektiv. Investoren suchen demnach nicht nur nach Unternehmen, die KI „nutzen“, sondern nach solchen, die sie in verlässliche Betriebsmodelle integrieren. In vielen Branchen sieht man, dass frühe Pilotprojekte schnell starten, aber an der Skalierung scheitern: Datenqualität, Integrationsaufwand in Legacy-Landschaften und das Management von Modellrisiken werden häufig unterschätzt. Damit rückt der Wettbewerb auf eine andere Ebene: Wer KI-Entwicklung als Plattformfähigkeit versteht – mit wiederverwendbaren Pipelines, Rechtemanagement und messbaren Effekten – kann schneller nachziehen. Gleichzeitig haben große Anbieter wie Microsoft und Google mit KI-Diensten, Referenzarchitekturen und Migrationspfaden den Takt in vielen Unternehmen vorgegeben, wodurch „Local Optima“ weniger häufig werden.

Khan spricht dabei indirekt auch die Expertendebatte zur Beschäftigungswirkung an: Während klassische Studien betonen, dass Automatisierung vor allem Aufgaben, nicht ganze Berufe ersetzt, wird die Umstellung am Arbeitsmarkt dennoch als Verwerfungsrisiko spürbar. Besonders betroffen sind Tätigkeiten mit hohem Anteil an Standardtexten, regelbasierten Prüfungen und klaren Entscheidungskriterien. Unternehmen müssen deshalb ihre HR-Strategie an die KI-Strategie koppeln. Praktisch heißt das: Umschulung und Weiterbildung sollten nicht erst bei der Einführung „nachgeschaltet“ werden, sondern bereits bei der Prozessanalyse beginnen. Ein Vergleich, der in der Praxis häufig zieht, ist die Transformation von Backoffice-Funktionen: Aus reiner Sachbearbeitung wird zunehmend Rollenarbeit mit KI-gestützter Kontrolle, wobei Qualitätssicherung ein neuer Engpass werden kann.

Aus Investorensicht entsteht damit ein Bewertungsrahmen, der über reine Effizienzkennzahlen hinausgeht. Verantwortungsvolle Beschäftigungspraktiken sind nicht nur ein sozialpolitisches Argument, sondern auch ein Risikofaktor: Fehlende Qualifizierung führt zu Reibungsverlusten, erhöht Fluktuation und kann die Akzeptanz neuer Prozesse senken. Zugleich steigt die Bedeutung von Compliance und IT-Sicherheit. Denn KI-Systeme greifen in sensible Datenflüsse ein – etwa bei Kundenkommunikation, Risikoanalysen oder Dokumentenmanagement. Für Finanz- und Unternehmensumfelder gilt: Ohne saubere Zugriffskontrollen, nachvollziehbare Datenherkünfte und Schutz vor Modellmissbrauch wird Skalierung teuer. Genau hier unterscheiden sich Anbieter und Implementierer spürbar: Wer Governance als Teil des Produktivsystems behandelt, senkt operative und regulatorische Risiken.

Der historische Kontext zeigt zudem, dass die aktuelle KI-Welle nicht die erste Automatisierung ist, die Jobs umformt. In den 1980er- und 1990er-Jahren dominierten Expertensysteme und Workflow-Automatisierung; später kamen ERP-Integration, Business-Intelligence und schließlich Robotic Process Automation. Viele dieser Technologien erzeugten Effekte, die sich zwar messen ließen, aber häufig nicht die Breite menschlicher Tätigkeiten abdeckten. Die Besonderheit heutiger KI liegt im „generalistischeren“ Zugriff auf Sprache, Muster und Strukturierung: KI kann sich schneller an neue Dokumententypen, Produktvarianten oder Gesprächssituationen anpassen. Diese Eigenschaft beschleunigt zwar Innovation, erhöht aber auch die Notwendigkeit, Modellverhalten zu überwachen, Fehlklassifikationen zu reduzieren und die Ergebnisqualität in produktiven Linien kontinuierlich zu prüfen.

Für die Zukunft zeichnet sich ein klarer Imperativ ab: Unternehmen müssen eine Roadmap bauen, die Produktivität, Talent und Sicherheit gemeinsam adressiert. In der Praxis bedeutet das, Fähigkeiten aufzubauen – etwa MLOps für Modellversionierung, Datenlinien und Monitoring, aber auch Security-Design für Rollenbasierte Zugriffssysteme, Verschlüsselung und die sichere Einbettung von KI in bestehende Applikationen. Marktanalysten und Branchenexperten sehen dabei zunehmend „KI als Betriebssystem“ statt als Einzeltool: Schnittstellen, Observability und Auditierbarkeit entscheiden, ob KI-Effekte stabil bleiben. Für Entwickler entsteht gleichzeitig ein Chancenfeld: Teams, die verantwortungsvolle KI-Entwicklung, Prompt- und Retrieval-Governance sowie Datenschutzkonzepte beherrschen, werden verstärkt nachgefragt, weil sie Brücken zwischen Fachbereich, Compliance und Engineering schlagen.

Am Ende läuft Khans Argument auf eine Investmentthese hinaus, die in vielen Portfolios noch zu selten vollständig umgesetzt ist: Wer KI nur als Effizienzhebel betrachtet, unterschätzt die Übergangskosten. Wer dagegen Qualifizierung, Prozessdesign und Sicherheitsarchitektur als Einheit plant, kann Transformation schneller „glätten“ und die Akzeptanz im Unternehmen erhöhen. Der nächste Entwicklungsschub wird sehr wahrscheinlich stärker auf Nachweisbarkeit und Kontrolle zielen: nachvollziehbare Entscheidungen, robuste Performance unter Datenverschiebungen und bessere Schutzmechanismen gegen Fehlgebrauch. Für Entscheider heißt das: Die Frage ist nicht, ob KI Arbeit verändert, sondern wie konsequent Unternehmen die Umstellung gestalten – technisch, personell und regulatorisch. Genau dort entsteht in den nächsten Quartalen der Wettbewerbsvorteil.


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