BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – HOWOGE und Ten Brinke haben in der Huronseestraße in Lichtenberg 148 neue Mietwohnungen nach rund 21 Monaten Bauzeit fertiggestellt und starten die Vermietung bereits. Die Gebäude erfüllen den KfW-Effizienzhaus-Standard 55 EE, werden fossilfrei mit Luft-Wärmepumpen und Photovoltaik betrieben und bieten zahlreiche barrierearme bzw. rollstuhlgerechte Optionen. Mit der geplanten Aufteilung nach Wohnberechtigungsschein (WBS) wird zudem geförderter Wohnraum für Haushalte unterschiedlicher Einkommensgruppen geschaffen.

Dass Wohnraum in Berlin nicht nur knapp ist, sondern auch schnell, nachhaltig und sozial ausbalanciert entstehen muss, zeigt die Fertigstellung eines neuen Quartiers in Lichtenberg: HOWOGE und Ten Brinke haben in der Huronseestraße nach rund 21 Monaten Bauzeit 148 moderne Mietwohnungen übergeben. An der Übergabe nahm auch Christian Gaebler, Berliner Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, teil. Die Anlage entstand auf einem ehemaligen Garagenhof im Ortsteil Friedrichsfelde und adressiert damit gleich mehrere Herausforderungen der Stadtentwicklung: Nachverdichtung in innerstädtischen Lagen, die Schaffung von bezahlbaren Wohnungen sowie die Integration klimakompatibler Gebäudetechnik.
Technisch auffällig ist vor allem das Energiekonzept, das bereits im Neubau auf einen fossilfreien Betrieb ausgelegt ist. Luft-Wärmepumpen übernehmen die Wärmeversorgung, während Photovoltaikanlagen Strom für den Gebäudebetrieb bereitstellen. Damit erfüllen die Neubauten den KfW-Effizienzhaus-Standard 55 EE. Für die Praxis bedeutet das: Der Wärmeschutz und die Systemeffizienz sind so aufeinander abgestimmt, dass der Energiebedarf im Betrieb vergleichsweise niedrig bleibt und der CO2-Fußabdruck sinkt. In einer Zeit, in der Energiepreise und Klimaanforderungen zugleich Unternehmen und Mieter beschäftigen, wird der technische Ansatz zum zentralen Qualitätsmerkmal.
Die Wohnungsstruktur ist dabei auf unterschiedliche Lebensmodelle zugeschnitten. Die beiden sechsgeschossigen Gebäude bieten Ein- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen mit Wohnflächen zwischen 40 und 124 Quadratmetern. Wohnungen verfügen über Balkone, Terrassen oder Dachterrassen, was für den Alltag gerade in urbanen Lagen einen messbaren Einfluss auf Lebensqualität hat. Zudem ist ein relevanter Anteil der Wohnungen barrierefrei erreichbar; vier Wohnungen wurden rollstuhlgerecht errichtet. Solche Ausstattungen werden in Berlin zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor im Bestand und im Neubau, weil sie Barrieren reduzieren und die Nutzungsdauer für unterschiedliche Zielgruppen verlängern.
Auch die Vermietungslogik folgt einem sozialpolitischen Ziel: HOWOGE vermietet die Wohnungen gemäß der Kooperationsvereinbarung der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften mit dem Land Berlin. Konkret ist die Hälfte für Haushalte vorgesehen, die einen Wohnberechtigungsschein (WBS) vorweisen können; der Start der Vermietung für die Huronseestraße läuft bereits. Insgesamt stehen Wohnungsangebote für WBS-Stufen 100, 140 und 220 bereit. Damit werden nicht nur besonders einkommensschwache Haushalte adressiert, sondern auch mittlere Einkommen. Experten aus der Wohnungswirtschaft betonen seit Jahren, dass diese gestaffelte Förderung die Akzeptanz in Quartieren erhöht und Verdrängungsdynamiken abfedern kann.
Zum Umfeld gehört außerdem das Quartierskonzept außerhalb der Wohnungen: Im Außenbereich entstanden großzügige Grün- und Aufenthaltsflächen sowie 380 Fahrradstellplätze und rund 610 Quadratmeter Spielfläche für Kinder. Das ist mehr als „nice to have“, denn in Neubauprojekten entscheidet die Kopplung von Mobilität, Spiel- und Begegnungsflächen darüber, ob sich ein Standort langfristig als Lebensraum etabliert. Im Vergleich zu früheren Wohnungsbauwellen, die häufig stark auf reine Grundrisse fokussiert waren, verschiebt sich der Schwerpunkt heute klar auf das Zusammenspiel von Gebäudetechnik, Freiraumqualität und Alltagstauglichkeit. In diesem Punkt wirkt das Projekt wie ein Beispiel für die nächste Ausbaustufe öffentlicher Wohnraumziele.
In der Marktbetrachtung ist das Projekt auch ein Signal an Wettbewerber und Partnerstrukturen. Landeseigene Anbieter wie etwa DEGEWO oder die weiteren großen städtischen Gesellschaften stehen bei Neubau und Sanierung in direkter Konkurrenz zu privaten Projektentwicklern und Bestandshaltern, etwa wenn es um Tempo, Bauqualität und ESG-Anforderungen geht. Ten Brinke und HOWOGE zeigen dabei ein Modell, bei dem private Umsetzungskapazitäten mit der langfristigen Miet- und Belegungslogik der landeseigenen Gesellschaften kombiniert werden. Wie Branchenbeobachter berichten, sind solche Kooperationen vor allem dann wirksam, wenn Zeitpläne eng geführt, Planungsrisiken begrenzt und Förder- sowie Regulierungsanforderungen früh in die technische Auslegung eingepreist werden.
Historisch betrachtet war fossiles Heizen im Wohnungsneubau lange Standard; der Wandel hin zu Wärmepumpen und PV wurde in Deutschland durch strengere Energieanforderungen und bessere Verfügbarkeit von Schlüsselkomponenten beschleunigt. Der KfW-Effizienzhaus-55-EE-Ansatz steht dabei für eine Kombination aus hoher Gebäudehülleffizienz und modernem Versorgungssystem, wodurch Investitionen planbarer werden. Gleichzeitig zeigen die vergangenen Jahre, dass Bauzeiten und Kostensteigerungen im Wohnungsbau eine große Rolle spielen. Dass hier nach etwa 21 Monaten Bauzeit übergeben werden konnte, wird deshalb als mehrdimensionale Leistung sichtbar: nicht nur „fertiggestellt“, sondern auch in einer technischen und regulatorischen Qualität, die spätere Nachrüstungen reduziert.
Für die Zukunft ist die Impulswirkung auf mehrere Ebenen absehbar. Erstens kann die Vermietung der 148 Einheiten den lokalen Druck auf Mietmärkte in einem relevanten Segment dämpfen, während durch den WBS-Mechanismus soziale Staffelung im Quartier unterstützt wird. Zweitens eröffnet die fossilfreie Gebäudetechnik Chancen für weitere Standardisierung: Wenn Wärmepumpen- und PV-Konzepte in vergleichbaren Bauweisen reproduzierbar werden, lassen sich Betrieb und Monitoring über den Lebenszyklus effizienter gestalten. Drittens müssen im Vermietungsprozess datenschutzrechtliche Anforderungen sauber umgesetzt werden, etwa wenn Bewerberunterlagen und WBS-bezogene Nachweise verarbeitet werden; dabei spielen DSGVO-Grundsätze wie Zweckbindung und Zugriffsschutz eine zentrale Rolle.
Damit wird aus der Übergabe in der Huronseestraße mehr als ein lokales Bauereignis. HOWOGE kann das Quartier als dauerhaftes Wohnumfeld entwickeln und die soziale Mischung stabilisieren, während Ten Brinke die erfolgreiche Umsetzung als Referenz für weitere Projekte nutzen kann. Für Entwickler und kommunale Partner bleibt der Trend klar: Zukunftsfähigkeit entsteht dort, wo Energie- und Gebäudeplanung, soziale Belegungsmodelle sowie die Gestaltung des öffentlichen Raums in einem durchgängigen Projektkonzept zusammenlaufen. Wenn solche Projekte skaliert werden, dürfte der Berliner Wohnungsneubau stärker planbar werden—mit messbaren Effekten auf Qualität, Betriebskosten und städtische Resilienz.
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