BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – GASAG Solution Plus nutzt künftig Abwärme aus einem nahegelegenen Rechenzentrum im Marienpark Berlin, um den entstehenden Makerspace auf dem Modell-Campus ringberlin zu versorgen. Im ersten Schritt wird Halle 2 mit Wärme aus dem Kühlprozess der IT-Infrastruktur beliefert; perspektivisch soll das Quartier folgen. Das Projekt kombiniert damit digitale Infrastruktur direkt mit einer hocheffizienten Quartiersversorgung. Für die Berliner Wärmewende setzt DATA2HEAT als Kooperationsmodell einen konkreten Maßstab für technische und wirtschaftliche Umsetzbarkeit.

GASAG startet Abwärme-Wärmeprojekt für ringberlin und Rechenzentrum Marienpark
GASAG startet Abwärme-Wärmeprojekt für ringberlin und Rechenzentrum Marienpark (Foto: IT BOLTWISE)
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GASAG Solution Plus startet auf dem Modell-Campus ringberlin ein Projekt, das die Wärmewende pragmatisch anpackt: Künftig soll Abwärme aus dem direkt benachbarten Rechenzentrum im Marienpark Berlin in ein Quartierswärmesystem überführt werden. Das Vorhaben zielt zunächst auf die Versorgung des entstehenden Makerspace in Halle 2. Mit dieser Kopplung von IT-Kühlung und urbaner Wärmeversorgung schließt Berlin eine Lücke, die in der Diskussion um Dekarbonisierung oft bleibt: Statt nur Leitbilder zu formulieren, wird ein konkreter Energietransport im städtischen Maßstab umgesetzt. Gleichzeitig signalisiert der Projektstart, dass sektorübergreifende Kooperationen zur neuen Normalität werden müssen.

Technisch setzt DATA2HEAT auf ein durchgängig abgestimmtes Kettenmodell aus Erzeugung, Aufbereitung, Transport und Nutzung. Rechenzentren halten ihre Server typischerweise über einen kontinuierlichen Kühlprozess auf ungefähr 20 °C, wobei dabei Wärme anfällt. Diese Abwärme wird über Wärmetauscher aus den Kühlkreisläufen ausgekoppelt und meist auf ein Trägermedium wie Wasser übertragen. Das erwärmte Wasser erreicht dabei ein Temperaturniveau von aktuell rund 28 °C, bevor es über Niedertemperaturnetze zu den Abnehmern fließt. In den Gebäuden erfolgt anschließend eine Temperaturanhebung mittels Wärmepumpen auf das Niveau, das für die Versorgung benötigt wird – häufig in der Größenordnung von 50 °C.

Besonders relevant ist in diesem Kontext die Effizienz der Wärmepumpen, weil das Temperaturniveau der Quelle vergleichsweise hoch ist. Der im Projektkonzept genannte COP-Wert (Coefficient of Performance) liegt bei etwa 7: Aus einer Einheit Strom sollen damit etwa sieben Einheiten Wärme werden können. Aus Sicht der Betreiber ist das mehr als nur ein Effizienzwert, denn es beeinflusst unmittelbar die Wirtschaftlichkeit bei steigenden Strom- und Energiepreisen. Der Ansatz verbindet digitale und physische Infrastruktur, indem er Abwärme nicht als „Nebenprodukt“ betrachtet, sondern als systematische Energiequelle in einem urbanen Gesamtsystem. Damit orientiert sich das Projekt an einem Trend, der bereits in anderen Regionen sichtbar wurde, etwa bei Initiativen zur Wärmerückgewinnung großer Hyperscaler-Standorte.

Marktseitig passt das Vorhaben in eine Phase, in der Rechenzentren zunehmend als Teil der Energieplanung verstanden werden. Viele Betreiber prüfen heute verstärkt, wie sich Kühlkapazitäten und Abwärmeströme in bestehende oder geplante Wärmenetze integrieren lassen. Wettbewerbsanalysen aus der Branche zeigen dabei, dass Lösungen mit lokalem Abwärmeanschluss meist dann gewinnen, wenn die Netzinfrastruktur, die Abnehmerdichte und die Temperaturprofile frühzeitig mitgeplant werden. Historisch war die Nutzung von Abwärme zwar bereits seit Jahren bekannt, doch scheiterten viele Ansätze an fehlenden Abnehmern, an zu kleinteiligen Netzplanungen oder an ungeklärten Verantwortlichkeiten über Schnittstellen hinweg. Genau diese Punkte adressiert das Projekt nun durch die Kopplung zweier Entwicklungsareale.

Für ringberlin und den Betreiber MotionLab.Berlin ist der Nutzen dabei auch strategisch: Der Makerspace soll von Beginn an eine nachhaltige Energieinfrastruktur erhalten, was das Standortversprechen für CO2-neutrale Produkte und Verfahren stützt. Im Zusammenspiel entsteht eine Art „Labor für Energie“, in dem Entwicklung, Handwerk und Produktion an eine reale, belastbare Energiekette angebunden werden. Branchenexperten betonen in solchen Projekten regelmäßig, dass die entscheidende Skalierbarkeit nicht nur in der Technik liegt, sondern in der Betriebsfähigkeit über Jahre hinweg: verlässliche Wärmeübergabe, stabile Systemtemperaturen und ein intelligentes Lastmanagement über Erzeuger und Verbraucher. Das Vorhaben kann damit als Blaupause dienen, wenn weitere Areale und Quartiere angeschlossen werden sollen.

Als Kooperationsmodell verbindet DATA2HEAT die Rechenzentrums-Abwärme mit einer Nutzung in umliegenden Gebäuden und Quartieren. Verankert ist die Zusammenarbeit in einem Zusammenspiel aus Investa und GASAG Solution Plus, wodurch sich ein klarer Hebel für die Stadtrelevanz ergibt: Ein direkt nutzbarer Energiefluss zwischen Marienpark Berlin und ringberlin reduziert nicht nur Emissionen, sondern senkt perspektivisch auch den Bedarf an fossilen Spitzenlasten. Zugleich wird ein Investitions- und Planungsrahmen geschaffen, der spätere Ausbaustufen erleichtert. Der erste Schritt in Halle 2 fungiert dabei als technischer und wirtschaftlicher Proof-of-Concept, bevor die Versorgung des gesamten Quartiers in die operative Umsetzung geht.

Regulatorisch und im Sinne der Datensicherheit lohnt ein genauer Blick auf die Schnittstellen: Der Energietransport selbst ist zwar nicht „datengetrieben“ wie ein KI-System, aber die Betriebssteuerung moderner Quartiersnetze arbeitet üblicherweise mit Mess- und Regeltechnik. Das bedeutet, dass Kommunikationswege, Monitoring-Daten und Schnittstellen zur Gebäudeautomation sauber abgesichert werden müssen. In der Praxis betrifft das unter anderem die Segmentierung von Netzen, die Absicherung von Fernzugriffen und die Definition von Berechtigungen für Betriebspersonal. Für Unternehmen wird damit wichtig, dass Energiesysteme nicht nur energieeffizient, sondern auch **security-by-design** betrieben werden. Gerade weil Rechenzentren und Stadtwerke traditionell unterschiedliche IT-Sicherheitskulturen haben, braucht es abgestimmte Prozesse über Eigentümer- und Betreibergrenzen hinweg.

Der Ausbau erhält zudem Rückendeckung durch Fördermechanismen: Mit einem Investitionsvolumen von mehr als 60 Millionen Euro stellt das Land Berlin über die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe GRW-Mittel in Höhe von rund 36 Millionen Euro zur Förderung der regionalen Wirtschaftsstruktur bereit. Diese Mittel kommen den geförderten Teilflächen des Gründer:innenzentrums zugute und unterstreichen, dass die Energiewende als Standort- und Innovationspolitik verstanden wird. Damit verschiebt sich der Fokus von „Energie als Kostenfaktor“ zu „Energie als Innovations- und Wettbewerbsfaktor“. Die denkmalgeschützte Halle 2 erfährt zugleich eine denkmalgerechte Modernisierung und Erweiterung, womit das Projekt auch zeigt, wie sich Klimaneutralität in Bestandsstrukturen realisieren lässt, statt ausschließlich Neubaupfade zu bedienen.

Mit Blick auf die Zukunft ist das Projekt ein Signal für die nächste Welle der Quartiersentwicklung: Nicht jede Maßnahme muss im Rechenzentrum selbst „passieren“, vielmehr wird die Energielandschaft entlang der Stadt verdrahtet. Wenn Abwärme in großskalige Wärmenetze integriert wird, entsteht ein robustes Fundament, das Lastspitzen besser abfedern kann und gleichzeitig CO2-Emissionen reduziert. Perspektivisch wird die Frage entscheidend, wie schnell zusätzliche Abnehmer, weitere Hallen und angrenzende Quartiere angebunden werden, ohne dabei hydraulische und temperaturseitige Grenzen zu verletzen. Für Entwickler und Integratoren eröffnet das Chancen in der **KI-gestützten** Betriebsoptimierung von Wärmepumpen, im Monitoring von Wärmeströmen sowie in der Automatisierung von Regelalgorithmen, die Netzstabilität und Effizienz zugleich erhöhen.


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