KÖLN / FREIBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – In deutschen Regalen tauchen vielerorts Lücken bei Tofu auf, weil Händler eine Nachfrage spüren, die die Produktionsmengen bislang überholt. Rewe rechnet laut Sprecher nicht mit einer schnellen Entspannung und nennt als möglichen Normalzeitpunkt frühestens Ende 2026. Hersteller wie Taifun reduzieren zeitweise die Produktion einzelner Produkte, um Bestände zu stabilisieren, und bauen zusätzliche Kapazitäten aus. Für 2025 und 2026 ergibt sich damit ein klassischer Engpass-Case entlang von Produktion, Lagerlogistik und Markttrends.

Wer in diesen Tagen nach Tofu sucht, stößt in Deutschland vielerorts auf unruhige Regalböden: Je nach Filiale und Händler wirken die Produktlinien deutlich unterschiedlich gefüllt, teils fehlen bestimmte Sorten über mehrere Tage. Laut Rewe sei die Nachfrage rasant gestiegen und bleibe gleichzeitig auf hohem Niveau, während die Verfügbarkeit in den Lieferketten nicht synchron nachziehe. Zusätzlich kommen Kapazitätsengpässe bei einzelnen Herstellern hinzu. Dass eine vollumfängliche Normalisierung nicht sofort gelingt, zeigt, wie fragil die Abstimmung zwischen Absatzentwicklung und Produktionsplanung in einem schnell wachsenden Segment sein kann.
Für die Praxis bedeutet das: Selbst wenn die Rohstoffseite insgesamt funktioniert, entstehen Engpässe an ganz bestimmten Stellschrauben. Beim Hersteller Taifun wird etwa darauf verwiesen, dass eine stark reduzierte Naturtofu-Menge die Basis vieler Produkte beeinträchtigt habe; entsprechend seien Lagerbestände zurückgegangen und im Handel teils weniger zuverlässig verfügbar. In solchen Situationen greifen Unternehmen häufig zu kurzfristigen Produktionspriorisierungen: Taifun stellt demnach die Herstellung einzelner Produkte zunächst ein, um die Produktion zu stabilisieren, und will sie schrittweise wieder ins Sortiment aufnehmen, aktuell mit Blick auf Anfang 2027. Parallel sollen neue Anlagen die Versorgung absichern.
Spürbar wird der Engpass auch bei anderen Herstellern: Treiber Tofu aus Berlin meldet Engpässe, produziert laut Aussage derzeit an der Kapazitätsgrenze, obwohl Soja verfügbar sei. Der Unterschied zur reinen Rohstoffknappheit ist entscheidend, denn hier liegt das Problem weniger in der Beschaffung, sondern in der industriellen Umwandlungskette – also in Umsetzungszeiten, Anlagenbelegung, Qualitätsfreigaben und im Takt der Produktion. Genau solche Engpasslogik findet man in vielen Tech-getriebenen Operatons-Szenarien wieder, wenn Nachfrage-Last und Systemkapazität nicht sauber dimensioniert sind. Händler erwarten deshalb zunächst keine schnelle Entspannung, während der Markt weiter nach proteinreicheren Lebensmitteln greift.
Der Markt kontextualisiert das Phänomen: Das Statistische Bundesamt berichtet, dass die Produktion von Fleischersatzprodukten 2025 nach dem langen Boom erstmals leicht gesunken sei. Gleichzeitig steigt aber die Nachfrage nach Tofu – besonders in Städten und bei jüngeren Zielgruppen. Björn Fromm, Edeka-Händler und Präsident des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels, bringt es auf den Punkt: Es werde sofort spürbar, wenn Hersteller mit ihren Kapazitätsreserven nicht schnell genug nachkommen. Diese Aussagen erklären, warum der Engpass nicht als kurzfristige Ausreißer-Story endet, sondern als Folge einer strukturellen Verschiebung im Konsumverhalten entsteht – unterfüttert von Gesundheits- und Langlebigkeitsdiskursen.
Hintergrund dieser Nachfrageverschiebung sind mehrere verstärkende Effekte, die sich gegenseitig plausibel überlagern. Fromm verweist darauf, dass das Interesse an eiweißreichen Produkten deutlich gestiegen ist und Tofu damit in einen breiteren Gesundheits- und Muskelaufbaukontext rückt. Zusätzlich spielen Marken- und Preisdynamiken eine Rolle: Tofu gilt vielen als vergleichsweise preiswert, während Eigenmarkenprodukte Wachstum treiben. Der Thinktank „The Good Food Institute Europe“ ordnet die Erfolgsstory entsprechend ein und nennt die neue Popularität über soziale Medien als weiteren Treiber. In Zahlen wird sichtbar, wie stark die Nachfrage die Beschaffung überrollt: Bei Rewe soll der Tofu-Absatz 2025 rund 30% über dem Vorjahr gelegen haben, nach Angaben des Händlers habe sich die Nachfrage in den drei bis vier Jahren zuvor sogar verdoppelt.
Für Unternehmen zeigt das einen wichtigen Wettbewerbsaspekt: Discounter und Vollsortimenter reagieren unterschiedlich schnell auf Verfügbarkeitsprobleme. Kaufland berichtet etwa, dass es im Einzelfall vorübergehend bestimmte nicht verfügbare Artikel geben könne, während Aldi Nord betont, bei kurzzeitigem Vergriff rasch wieder nachzufüllen. Solche Taktiken ähneln in der Logik den Reaktionsmustern aus dem Softwarebetrieb: Bei Auslastungsspitzen entscheiden nicht nur Kapazitäten, sondern auch wie schnell Hotspots abgefedert werden können – durch bessere Planung, Priorisierung oder gezieltes Umschichten. Gleichzeitig bleibt Tofu laut dem Good-Food-Institute-Umfeld im Vergleich zu anderen pflanzlichen Alternativen (wie Fleischalternativen) noch ein relativ kleines Segment.
Auch regulatorisch und sicherheitsbezogen ist der Fall lehrreich, wenngleich nicht im klassischen Cyber-Sinne: Lebensmittelunternehmen müssen Daten zu Zutaten, Allergenkennzeichnung, Haltbarkeiten und Qualitätsstandards sauber dokumentieren, damit die Umstellung von Produktion oder die schrittweise Wiedereinstiegskurve nicht zu Informationslücken führt. Wenn Sorten zeitweise fehlen oder ersetzt werden, steigt die Bedeutung von Compliance in der Lieferkette – vom Qualitätsmanagement in der Fertigung bis zur korrekten Warenkennzeichnung im Handel. In Deutschland und der EU sind dabei vor allem Hygieneanforderungen, Rückverfolgbarkeit und verlässliche Produktinformationen entscheidend, damit sich der Engpass nicht in ein Erklärungs- oder Risiko-Problem verwandelt. Händler und Hersteller müssen zudem planbar kommunizieren, um Fehlinformationen in der Absatzsteuerung zu vermeiden.
Für die Zukunft zeichnet sich ein klarer Fahrplan entlang von Investitionen und Marktdynamik ab. Rewe sieht keine schnelle Entspannung und erwartet eine vollständige Normalisierung frühestens Ende 2026. Taifun plant den Ausbau in Freiburg – mit neuer Tofu-Anlage und einem Soja-Silo, um die Verarbeitung stabiler und planbarer zu machen. Treiber Tofu wiederum will die Produktion ausweiten, allerdings mit Zeitbedarf. Damit entsteht für die Branche ein typisches Muster: Nachfrage wächst schneller als Anlagenzyklen, und die Erholung erfolgt in Wellen. Für Entwickler und Operateure in angrenzenden Industrien ist das ein Signal, wie wichtig belastbare Forecasts, Kapazitätsmodellierung und flexible Produktionsplanung sind, wenn Verbrauchertrends wie „proteinreiche Ernährung“ dauerhaft Nachfrageimpulse liefern.
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