SINGAPUR / LONDON (IT BOLTWISE) – DigiFTs Head of Ecosystem Jeff Zhao beschreibt, warum Tokenisierung derzeit weniger an Infrastruktur und Regulierung scheitert, sondern an Vertrieb und operativer Anbindung. Im Interview werden zwei Tokenisierungsansätze gegenübergestellt – synthetische Repräsentationen versus vollständig on-chain verwaltete Assets. Außerdem geht es um die konkreten Hürden für Banken und Vermögensverwalter, etwa Fiat-On- und Off-Ramps, Wallet-Management und Compliance-Workflows. Gleichzeitig ordnet Zhao den Weg von der MAS-Sandbox zur vollen Lizenzierung ein und zeigt, wie mehr institutionelle Teilnahme in den nächsten Phasen zu erwarten ist.

Tokenisierung in der Praxis: DigiFT macht Real-World Assets für Institutionen anschlussfähig
Tokenisierung in der Praxis: DigiFT macht Real-World Assets für Institutionen anschlussfähig (Foto: IT BOLTWISE)
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Tokenisierung wird in der Praxis gerade weniger als technisches „Build“-Problem diskutiert, sondern als Umsetzungsaufgabe an der Schnittstelle zwischen Kapitalmarkt und operativer Realität. In einem Gespräch mit Jeff Zhao, Head of Ecosystem bei DigiFT, rückt vor allem die Verteilung in den Vordergrund: digitale Assets müssen nicht nur existieren, sondern in Portfolios, Prozessen und Entscheidungswegen von Marktteilnehmern ankommen. Das Spektrum reicht dabei von tokenisierten Geldmarktfonds bis hin zu Repräsentationen von U.S.-Aktien. Zhao betont, dass sich die Branche zunehmend darauf konzentriert, Asset-Layer und Investor-Layer enger zu verbinden, statt ausschließlich weitere Prototypen zu veröffentlichen.

Technisch ordnet das Interview die Tokenisierung in zwei grobe Modelle ein, die beide ihren Platz im Markt finden dürften. Bei synthetischen Repräsentationen handelt es sich um tokenisierte Ansprüche, die die wirtschaftliche Eigentumssituation über Strukturen außerhalb einer vollständig on-chain Asset-Verwaltung abbilden; der Token wird dabei zur nutzbaren „Fassade“ für Handels- und Abwicklungsprozesse. Demgegenüber steht Fully On-Chain Ownership, bei der ein Asset bzw. dessen maßgebliche Rechte und Zustände stärker im digitalen System abgebildet werden. Der entscheidende Unterschied liegt in der Komplexität der Rechts- und Datenmodelle sowie in den Anforderungen an Governance, Korrektheit und Auditierbarkeit.

Aus Vergleichs- und Betriebslogik betrachtet, kann synthetische Tokenisierung oft schnellere Integrationen ermöglichen, weil sie vorhandene Vermögens- und Rechtsrahmen berücksichtigt und digitale Prozesse wie Handel, Verrechnung und Verwahrungsketten vereinfacht. Fully On-Chain Ownership verspricht dafür mehr Transparenz und potenziell automatisierbarere Zustandsübergänge, verlangt aber sehr saubere End-to-End-Designs für Security, Datenkonsistenz und Notfallprozesse. Genau an dieser Stelle, so der Tenor des Gesprächs, entsteht der praktische Differenzierungsbedarf: Unternehmen müssen entscheiden, welche Modellkombination ihren Risiko-, Compliance- und Betriebsanforderungen am besten entspricht. Auch deshalb sehen viele Marktteilnehmer nicht „entweder oder“, sondern ein Koexistenz-Szenario über mehrere Jahre.

Für die Markteinführung wird schnell klar, dass institutionelle Adoption selten an „dem Token“ scheitert, sondern an dem, was davor und danach passiert. Genannt werden operative Hürden wie der Aufbau robuster Fiat-On- und Off-Ramp-Prozesse, die Verwaltung von Wallets auf Seiten der Intermediäre, sowie die Integration in bestehende Compliance- und Reporting-Workflows. Dazu kommt eine organisatorische Transformation in traditionellen Finanzinstituten: Teams müssen neue Kontrollpunkte definieren, neue Datenflüsse verifizieren und neue Verantwortlichkeiten in der Abwicklung festlegen. Branchenexperten berichten zudem, dass Pilotprojekte häufig an fehlenden End-to-End-Sicherheits- und Betriebsnachweisen hängen, statt an der Kryptografie selbst.

Regulatorik und Governance bilden in diesem Kontext keine Randnotiz, sondern die Eintrittskarte in Richtung Skalierung. DigiFT verweist im Gespräch auf den Weg von der MAS-Sandbox zur vollen Lizenzierung – ein Prozess, der typischerweise die Erwartungshaltung an Risikomanagement, Transparenz, AML/KYC-nahe Kontrollen und technische Resilienz erhöht. In Singapore und Hong Kong entsteht dadurch ein „regulatory-by-design“-Rahmen, der Institutionen den operativen Einstieg erleichtern soll. Gleichzeitig bleibt der Wettbewerb dynamisch: Anbieter wie Securitize, Franklin Templeton über tokenisierte Fondsvehikel oder auch Infrastrukturakteure wie Coinbase spielen in verschiedenen Stufen der Wertschöpfung eine Rolle, und ihre jeweiligen Integrationspfade setzen Messlatten für Abwicklungsqualität und Produktisierung.

Im Markt deutet sich außerdem eine Verschiebung im Timing an: Je klarer die regulatorischen Leitplanken werden, desto mehr verlagert sich der Fokus in Richtung Rollout und Distribution – also dahin, wie schnell neue Emissionen, Strukturen und Handelszugänge echte Nachfrage erzeugen. Das Interview liest sich zugleich als Roadmap-Erzählung für die nächste Wachstumsphase: zunehmende regulatorische Klarheit, mehr institutionelle Beteiligung und eine beschleunigte Bereitschaft großer globaler Finanzinstitute, mehr Assets on-chain zu bringen. Für Unternehmen bedeutet das konkret, dass „KI- oder Blockchain“-Buzzwords allein nicht ausreichen: Entscheidend sind stabile Betriebsmodelle, nachvollziehbare Kontrollen und ein Integrationsdesign, das sich an bestehende Bankenlogiken anlehnt.

Für die nächsten Schritte lohnt sich ein Blick auf die Implikationen für Entwickler und Produktteams. Wer Tokenisierungsangebote für Institutionen skalieren will, braucht modulare Komponenten für Identitätsprüfung, Transaktionsüberwachung, Schlüsselverwaltung und Audit-Trails, ohne dabei die Nutzererfahrung auf der Händler- oder Portfolioebene zu verkomplizieren. Technisch ist der Gegensatz zwischen Cloud-nativer Skalierung und kontrollierter Verwahrung relevant: Während Plattformen typischerweise elastisch wachsen müssen, verlangen Verwahr- und Compliance-Prozesse eher nach deterministischen Nachweisen. Mittel- bis langfristig dürften sich zudem Best Practices entlang von Multi-Chain-Strategien, Intermediär-APIs und standardisierten Reporting-Schnittstellen durchsetzen. Wenn diese Bausteine zusammenpassen, kann Tokenisierung von Nischenexperimenten in wiederholbare, institutionstaugliche Produkte übergehen.


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