TAIPEH / LONDON (IT BOLTWISE) – Branchenkenner berichten, dass AMDs nächste RDNA-Generation deutlich später als geplant kommt. Neben Lieferkettenproblemen und knappen Speicherkomponenten bremst vor allem die enorme KI-Chip-Nachfrage. Für Spieler verschiebt sich damit der nächste „große Sprung“ in die High-End-Grafikstrategie auf 2027 oder 2028. Gleichzeitig zeichnet sich auch bei NVIDIA ein ähnlicher Zeitdruck ab, was den Zwischenmarkt bis zur neuen Architektur prägen dürfte.

AMDs RDNA 5 könnte das nächste große Update im PC-Gaming so weit nach hinten schieben, dass selbst ein normaler Hardware-Zyklus für Enthusiasten aus dem Takt gerät. Wie aus Gesprächen mit Board-Partnern rund um die Computex 2026 in Taipeh hervorgeht, stehen systemische Engpässe in Halbleiter- und Speicherlieferketten im Zentrum der Verzögerung. Der Kern des Problems ist dabei weniger „Forschungspause“ als vielmehr Kapazitätsknappheit: Produktionslinien, die für GPU-Controller, VRAM und zugehörige Komponenten nötig sind, werden durch andere, hoch priorisierte KI-Wachstumsfelder stark gebunden. Für viele Gamer heißt das vor allem: Planen statt hoffen.
Technisch verschiebt sich damit das Timing einer ganzen Produktlinie. Während RDNA 4 erst im März 2025 in den Markt gegangen ist und laut Branchenbeobachtern vor allem auf den breiteren Volumenbereich zielt, soll RDNA 5 offenbar wieder stärker das Enthusiasten-Segment adressieren. Interne Spekulationen nennen als möglichen High-End-Kern „Navi 5X“ mit bis zu 96 Compute Units und 12.288 Kernen. Ebenso wird ein 512-Bit-Speicherinterface mit einer VRAM-Spanne von 24 bis 32 Gigabyte diskutiert. Genau diese Kombination ist in der Praxis besonders abhängig von zuverlässiger Verfügbarkeit bei DRAM und den neueren GDDR-Generationen.
Für die Verzögerung liefert der Markt mehrere Hebel, die sich gegenseitig verstärken. Der DRAM-Mangel treibt nicht nur Kosten, sondern erschwert auch das Erreichen stabiler Ausbeuten in der Verpackungskette, in der GPU- und Speicherchips zusammengesetzt werden. Hinzu kommt, dass GDDR7 voraussichtlich teurer und in der Auslieferung schwieriger zu skalieren ist als frühere Speicherstände, was Hersteller in eine klassische Zielkonflikt-Situation bringt: mehr Performance verspricht man am ehesten in der neuen Generation, aber genau dafür braucht man Kapazitäten, die gerade am stärksten nachgefragt werden. Branchenexperten ordnen die Lage deshalb als mindestens „ein weiteres angespanntes Jahr“ im High-End-Segment ein.
Auch NVIDIA bleibt von dem Zeitdruck nicht verschont. Selbst wenn AMDs RDNA 5 erst 2027 oder 2028 erwartet wird, steht bei NVIDIA zur gleichen Zeit ebenfalls eine neue große Architektur an: Die RTX-60-„Rubin“-Serie dürfte Branchenberichten zufolge frühestens Ende 2027 oder Anfang 2028 in greifbarer Form sein. Analysten gehen in dieser Übergangsphase davon aus, dass beide Hersteller versuchen, die Nachfrage mit kleineren Updates zu dämpfen, statt Kundenerwartungen vollständig ins Leere laufen zu lassen. So kursieren Insidern zufolge Gespräche über eine RTX-50-Super-Serie, die bereits 2027 auf der CES präsentiert werden könnte und dann auf überarbeiteten Modellen mit GDDR7 basieren würde.
Für Unternehmen, die Gaming-Content, Rendering-Workflows oder Echtzeit-Grafik in Produkten und Studios nutzen, ist das mehr als nur eine Verbraucherthematik. Der Vergleich zwischen „Cloud-lastigem Rendering“ und „On-Device-Grafik“ zeigt: Wenn die neuen GPU-Generationen länger auf sich warten lassen, steigen die Anreize, bestehende Systeme effizienter zu betreiben, etwa durch bessere Treiber-Tuning, Workload-Priorisierung und speicherbewusste Optimierungen in Engines. Gleichzeitig verschärft sich das Einkaufsmanagement: Wer Benchmarks und Kapazitätszyklen plant, muss Lieferzeiten für DRAM und GDDR7 stärker in Beschaffungs- und Budgetentscheidungen einpreisen. Unter dem Stichwort Sicherheit/Compliance bleibt dabei relevant, dass Software-Updates und Treiberpfade in solchen Übergangsphasen kontrolliert gerollt werden sollten, um Angriffsflächen aus unvollständig geprüften Versionen zu minimieren.
Die eigentliche Marktfrage lautet deshalb nicht nur „wann RDNA 5?“, sondern „wie viele Jahre Übergang akzeptiert der Markt?“. Wenn zwischen RDNA 4 und RDNA 5 tatsächlich rund drei Jahre statt der früher üblichen 18 bis 24 Monate liegen, verschiebt sich die Innovationskurve in Richtung Zwischenprodukte und Software-Optimierung. Das eröffnet Entwicklern und Studios Chancen, ihre Pipeline-Optimierungen stärker auf die real verfügbare Hardwarebasis auszurichten, statt nur auf einen späteren Sprung zu warten. Ausblickend ist zu erwarten, dass sowohl AMD als auch NVIDIA bis zum großen Architektursprung Ende 2027 verstärkt auf Varianten, Refreshes und ausgewogene Speicherpakete setzen. Spätestens dann wird entscheiden, ob die Speicherengpässe bis dahin nachhaltig abebben – oder ob der „KI-Boom“ die GPU-Lieferkette noch länger strukturell prägt.
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