HAMBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Im Prozess um die Entführung der Block-Kinder in Dänemark hat ein Kinderpsychologe als Zeuge seine Sicht auf den eskalierten Sorgerechtsstreit geschildert. Er betonte, er habe zwischen den Eltern vermitteln wollen und als Fachkraft vor allem zu möglichen Folgen von plötzlichem Kontaktabbruch gearbeitet. Die Verteidigung und die Nebenklage prallten dabei mehrfach aufeinander, auch als es um widersprüchliche Aussagen der Kinder ging. Die Verhandlung wird am Freitag fortgesetzt, nachdem die mutmaßliche Entführerinnen-Aussage „Olga“ in die Aufarbeitung einfließt.

Prozess um Block-Kinder: Kinderpsychologe beschreibt Gesundheitsfolgen und widerspricht der Tochter
Prozess um Block-Kinder: Kinderpsychologe beschreibt Gesundheitsfolgen und widerspricht der Tochter (Foto: IT BOLTWISE)
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Im Prozess um die Entführung der Kinder von Christina Block in Dänemark und die spätere Verbringung nach Deutschland steht die Frage nach den psychologischen Folgen von Kontaktabbrüchen zwischen getrennten Eltern im Mittelpunkt. Ein Kinderpsychologe schilderte vor Gericht, wie er seine Rolle in einem Sorgerechtsstreit verstand, der über lange Zeit eskalierte und schließlich in eine akute Vertrauens- und Kommunikationskrise mündete. Dabei ging es nicht nur um juristische Argumente, sondern um die praktische Erwartung, ob eine Mediation an einem „Tisch“ überhaupt noch möglich war und welche Reaktionen Kinder auf plötzliche Kontaktunterbrechungen typischerweise zeigen.

Der Zeuge, 54 Jahre alt, führte aus, dass er wiederholt als Vermittler agieren wollte. In seinen Worten zielte seine Arbeit darauf ab, die verfeindeten Eltern zusammenzubringen und Gespräche so zu strukturieren, dass eine gemeinsame Lösung realistisch würde. Dafür habe er mehrere Gespräche mit dem Familienanwalt des Ex-Mannes geführt, den er seit längerer Zeit kannte. Dennoch, so seine Aussage, sei keine tragfähige Übereinkunft entstanden. Damit rückte die Verhandlung früh an einen Punkt, an dem sich psychologische Betreuung, anwaltliche Strategie und gerichtliche Konfliktbewertung unmittelbar überlagern.

Technisch im Sinne von „Prozessdurchführung“ lässt sich aus seiner Darstellung ein Muster erkennen, das in vielen Familienrechtskonflikten ähnlich abläuft: Je stärker die Kommunikation zwischen den Parteien blockiert ist, desto schwerer wird es, empirisch begründete Einschätzungen über das Kindeswohl in den Alltag zu übersetzen. Der Zeuge sagte, er sei auf die Beratung von „Trennungseltern“ spezialisiert. Er arbeitete in den Jahren vor der Tat für Christina Block, nachdem der Ex-Mann Stephan Hensel die beiden jüngsten Kinder nach einem Wochenendbesuch im August 2021 nicht nach Hamburg zurückgebracht haben soll. Diese Vorgeschichte bildet im Verfahren die psychologische Vorstufe zur späteren Gewaltbehauptung, die nun gerichtlich aufgearbeitet wird.

Christina Block bestreitet die Vorwürfe. Berichten zufolge soll die Tochter des Steakhaus-Ketten-Gründers Eugen Block nach einem erbitterten Sorgerechtsstreit die Entführung ihres damals zehn Jahre alten Sohnes und ihrer 13-jährigen Tochter aus Dänemark in Auftrag gegeben haben. Sie weist das zurück und führt an, eine israelische Sicherheitsfirma, die die Kinder in der Silvesternacht 2023/2024 gewaltsam nach Deutschland geholt haben soll, habe eigenständig gehandelt. Dieses Detail ist für das Verfahren juristisch relevant, weil es die Frage nach Verantwortungs- und Steuerbarkeit im Handlungsablauf berührt. Vergleichbar wird die Problematik in der Branche häufig entlang klarer Auftragsschreiben diskutiert, wie sie etwa auch bei internationalen Sicherheitsdienstleistern im Umfeld von Securitas oder G4S üblich wären.

Mit Blick auf die Nebenklage und die Verteidigung bleibt die Lage widersprüchlich: Einer der weiteren Angeklagten ist der Lebensgefährte von Block, Ex-Sportmoderator Gerhard Delling. Er muss sich wegen Beihilfe verantworten und betont, nichts Unrechtes getan zu haben. Zugleich erhebt der Vater Gewaltvorwürfe gegen die Mutter und erklärt, die Kinder wollten keinen Kontakt mehr zu ihr. Block bestreitet das und wirft ihrem Ex-Partner wiederum vor, die Kinder manipuliert zu haben. Der Zeuge ordnete seine Perspektive dabei so ein, dass er Block mehrfach als Expertin bzw. Fachkraft Auskunft gegeben habe, welche gesundheitlichen Folgen ein plötzlicher Kontaktabbruch für Kinder haben könne.

Konkreter wurde der Zeuge, als die Frage der individuellen Aussagen der Kinder zur Sprache kam. Er widersprach einer Aussage der entflohrten Tochter, die laut Staatsanwaltschaft bei den Ermittlern gemacht worden war. Die Anklage wollte wissen, ob das 13-jährige Mädchen Anfang Januar im Hamburger Wohnhaus von Christina Block sein Telefon habe leihen wollen, um den Vater anzurufen. Der Psychologe antwortete, so etwas habe nicht stattgefunden. Zusätzlich sagte er, die Kinder hätten bei seinen zwei Besuchen nicht mit ihm sprechen wollen. Auf seine Frage, ob er etwas tun könne, habe die Tochter nur geantwortet: „Naja, nach Dänemark kannst Du uns wohl nicht zurückfahren.“

Die Verhandlung zeigte in dieser Phase auch, wie stark psychologische Fachkunde mit prozessualer Glaubwürdigkeit verknüpft wird. Blocks Verteidiger Ingo Bott hakte lange nach den fachlichen Stellungnahmen, die der Zeuge einst im Auftrag der Mutter geschrieben hatte. Dabei kam es zum Streit zwischen Bott und der Vorsitzenden Richterin Isabel Hildebrandt. Bott äußerte seine Sorge, die Kammer folge den Ausführungen nicht aufmerksam; der Blick „scheint ins Leere zu gehen“, so sinngemäß seine Befürchtung. Hildebrandt entgegnete verärgert, ob er damit Stimmung gegen die Kammer machen wolle. Solche Momente sind nicht bloß „Tribüne“: Sie beeinflussen, wie Fachgutachten im Verfahren wahrgenommen und später gewertet werden.

Während der Zeuge weiter schilderte, was ihm aus der Familie über den Ex-Mann berichtet worden war, zeichnete er Stephan Hensel als aggressiven „Ich-Durchsetzer“. Er sagte, er habe die Kinder so beschrieben bekommen, dass Hensel sie einbehalten habe, ohne ihnen die Möglichkeit zu geben, „Brücken“ aufzubauen. Dem setzte der Anwalt des Nebenklägers, Philip von der Meden, eine Gegenposition entgegen: Sein Mandant habe die Mutter nie von den Kindern fernhalten wollen. Besonders deutlich wurde dies bereits im Januar, als von der Meden im Gerichtssaal für Aufregung gesorgt haben soll und sinngemäß die fachliche Eignung des Psychologen anzweifelte. Diese Konfrontation ist aus Expertensicht typisch: Bei hochbelasteten Fällen wird die Rolle von Sachverständigen nicht nur an Ergebnissen, sondern auch an Methodik, Nähe zu Parteien und Interpretationsrahmen gemessen.

Für die Bewertung der Aussagen in der Zukunft wird auch die nächste Verhandlungsphase entscheidend: Der Prozess soll am Freitag fortgesetzt werden, dann können die Verteidiger Stellungnahmen zur kürzlich erfolgten Zeugenaussage der mutmaßlichen Entführerinnen „Olga“ abgeben. Das Verfahren bewegt sich damit in eine Phase, in der nicht mehr nur die psychologische Einordnung des Kontaktabbruchs zentral ist, sondern auch die konkrete Kausalkette zwischen behaupteter Beauftragung, tatsächlicher Ausführung und dem Handlungsspielraum der Beteiligten. Für die Beteiligten bedeutet das zugleich erhöhte Anforderungen an Dokumentation und Nachvollziehbarkeit.

Datenschutz und Kinderschutz bilden dabei einen Hintergrund, der in öffentlichen Verfahren oft nur indirekt sichtbar ist. Gerade bei Gesprächen über gesundheitliche Folgen, bei der Frage, wer wann mit den Kindern sprechen konnte, und bei der Auswertung von Aussagen minderjähriger Betroffener ist juristisch wie praktisch relevant, wie vertrauliche Informationen gehandhabt werden. Zudem hängt das Vertrauen der Öffentlichkeit und der Verfahrensbeteiligten stark davon ab, ob psychologische Einschätzungen sauber von parteilichen Interessen getrennt bleiben. In der Gesamtschau ist das Verfahren ein Lehrstück darüber, wie schnell aus Kommunikationskonflikten ein Risiko eskalieren kann, wenn Mediation scheitert und die Wirkungen auf Kinder erst im Nachhinein greifbar werden.


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