LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Studie aus Deutschland stellt das traditionelle Bild infrage, wonach vor allem Männer im Schlafzimmer die Initiative ergreifen. Stattdessen zeigt die Auswertung von 383 Paaren: Wer sich in der Beziehung als einflussreicher erlebt, ist häufiger sexuell selbstbestimmt. Die Befunde gelten quer durch hetero- und queere Konstellationen und legen nahe, dass wahrgenommene Machtverhältnisse Kommunikation und Ausdruck stark prägen. Für Beratung und Prävention bedeutet das: Trainings für Gesprächsfähigkeit und Verhandlungskompetenz könnten deutlich mehr Wirkung entfalten als reine Rollenerwartungen.

Wenn über sexuelle Initiative gesprochen wird, landet man gesellschaftlich schnell bei Rollenmustern: das „aktive“ Verhalten des Mannes, die „passive“ Erwartung an die Frau. Eine aktuelle Untersuchung aus Deutschland verschiebt diesen Fokus jedoch auf etwas Messbares, das in der Forschung lange als Nebenvariable betrachtet wurde: das Gefühl, in der Partnerschaft tatsächlich Einfluss zu haben. Damit wird der Zusammenhang zwischen Sexualität und Beziehung nicht als Schicksal der Biologie erzählt, sondern als Ergebnis von Macht- und Kommunikationsdynamiken. Für viele Leser ist das vor allem deshalb relevant, weil es die Diskussion von Intuition und kulturellen Skripten hin zu überprüfbaren Mustern verlagert.
Im Kern geht es um sexuelle Selbstbehauptung (sexual assertiveness): die Bereitschaft, eigene Wünsche und Bedürfnisse aktiv anzusprechen, sich zu trauen, die Initiative zu übernehmen und unabhängig von Erwartungen zu handeln. Die Studie verknüpft dieses Konstrukt zudem mit einer breiteren psychologischen Realität: Selbstvertrauen in sexuelle Themen, bessere Selbstwahrnehmung in der Beziehung sowie häufig auch höhere Zufriedenheit und – in der Theorie – eine sicherere Sexualpraxis. Historisch wurden solche Zusammenhänge oft über „sexuelle Skripte“ erklärt, also verinnerlichte Leitplanken, die beschreiben, wie Personen sich in Intimität verhalten sollen. Diese Perspektive ist nicht verschwunden, wird aber in der neuen Arbeit deutlich geprüft und teilweise entkräftet.
Als Alternativerklärungen stehen in der Psychologie mehrere konkurrierende Modelle im Raum. Das klassische Skript- bzw. Rollenbild behauptet, dass Geschlecht relativ konstant Unterschiede erzeugt: Männer starten häufiger, Frauen reagieren häufiger. Eng damit verwoben ist das Konzept der Heteronormativität, das heterosexuelle Beziehungen und zugehörige Geschlechterrollen als „Standard“ setzt. Genau hier setzt die Arbeit an: Die Autor:innen um Verena Klein und Robert Körner wollten herausfinden, ob die beobachteten Muster wirklich auf Geschlecht oder auf die Stärke traditioneller Rollenerwartungen zurückgehen. Oder ob nicht vielmehr die wahrgenommene „Macht“ innerhalb der konkreten Beziehung der entscheidende Treiber ist, also die subjektive Fähigkeit, den Partner beeinflussen zu können.
Methodisch ist die Studie bemerkenswert klar aufgesetzt, gerade weil sie nicht nur Einzelpersonen betrachtet, sondern Paar-Dynamiken. Insgesamt wurden 383 Paare aus Deutschland befragt, darunter 287 heterosexuelle Paare und 96 Paare, die sich dem Spektrum von lesbisch, schwul, bisexuell, trans* und queer zuordnen. Das durchschnittliche Alter lag bei etwa 29 Jahren; die Partnerschaft bestand im Mittel knapp unter fünf Jahren. Die Daten wurden jeweils über unabhängige Online-Fragebögen erhoben: Pro Person dauerte die Teilnahme etwa 15 bis 25 Minuten. Für die Analyse nutzten die Forschenden Dyaden-Datenanalyse und multilevel-statistische Modelle, um Hypothesen simultan zu testen und die wechselseitige Beeinflussung in Beziehungen statistisch besser abzubilden.
Das Ergebnis fällt dabei in drei Stufen aus. Zunächst bestätigt die Untersuchung die „Gender-Hypothese“ nicht: Männer berichteten in den Daten nicht signifikant höhere sexuelle Selbstbehauptung als Frauen. Damit kollidiert die Studie frontal mit dem traditionellen Skript, das Männer als primäre Initiatoren positioniert. Zweitens trägt die „Heteronormativitäts-Hypothese“ ebenfalls nicht: Selbst in heterosexuellen Beziehungen blieben die Geschlechterunterschiede klein und im Wesentlichen gleich. Interessant ist dabei, dass die Muster nicht nur zwischen hetero- und queeren Gruppen „zufällig“ ähnlich sind, sondern auch in gleichen Geschlechterkonstellationen eine vergleichbare Struktur zeigen. Für das Wettbewerbsfeld der Erklärungsansätze ist das relevant, weil es die Rolle starrer Normen als alleinige Ursache schwächt.
Stattdessen unterstützen die Daten die „Power-Hypothese“ deutlich. Personen, die sich in ihrer Beziehung stärker einflussreich erleben, berichten konsequent mehr sexuelle Selbstbehauptung. Dieser positive Zusammenhang zwischen wahrgenommener Einflussnahme und Ausdruck eigener Bedürfnisse ist laut den Autor:innen über verschiedene Paar- und Identitätskonstellationen hinweg stabil. Körner fasst das in der Studie zugespitzt zusammen: „Power war der stärkste – und einzige konsistente – Prädiktor für sexuelle Selbstbehauptung“; die Aussage zielt darauf ab, dass Macht die Kommunikation und das Verfolgen eigener Wünsche ermöglicht. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass die Stärke des Zusammenhangs von Paar zu Paar variiert: In besonders ausdrucksstarken Beziehungen scheint das Machtgefüge besonders „sensibel“ zu sein.
Neben den Hauptbefunden gibt es weitere Nuancen, die für Beratung und Prävention wichtig sind. So berichten die Autor:innen, dass lesbische Frauen im Vergleich zu heterosexuellen Frauen im Schnitt niedriger in der sexuellen Selbstbehauptung ausfallen; zudem schneiden nicht-binäre Teilnehmende insgesamt am niedrigsten ab. Als mögliche Erklärung wird die Intimate Justice Theory herangezogen: Marginalisierte Gruppen könnten aufgrund ihrer sozialen Position historisch geringere Erwartungen an sexuelle Zufriedenheit internalisieren. Für die Einordnung bedeutet das: „Macht“ ist nicht nur ein individuelles Gefühl, sondern kann auch durch soziale Ungleichheiten, Sichtbarkeit und erlebte Konsequenzen geformt sein. Genau hier liegt eine Schnittstelle zu Unternehmens-ähnlichen Governance-Prinzipien im Privaten: Wer sichere Kommunikation erfährt, kann Bedürfnisse eher artikulieren.
Trotz des starken Designs gibt es Limitationen, die man wie bei jedem evidenzbasierten Prozess berücksichtigen muss. Die Studie ist Beobachtungsforschung, wodurch sie vor allem Korrelationen zeigt und keine harte Kausalität beweist: Man kann also nicht endgültig sagen, dass das Machtgefühl die Selbstbehauptung „verursacht“, auch wenn der Zusammenhang plausibel erscheint. Hinzu kommt die Erhebung über Selbstauskünfte, die bei sensiblen Themen zu sozial erwünschten Antworten führen können. Außerdem stammt die Stichprobe ausschließlich aus Deutschland, einem Land mit vergleichsweise liberalen Einstellungen; Körner weist darauf hin, dass sich die Ergebnisse daher möglicherweise nicht 1:1 auf andere Kulturregionen übertragen lassen. Als nächster Schritt werden longitudinale Studien und idealerweise experimentelle Designs vorgeschlagen, um die Richtung der Beziehung zwischen Machtgefühl und Verhalten genauer zu klären.
Für die Zukunft lässt sich aus der Arbeit auch ein praktischer Handlungsimpuls ableiten. Wenn ein dominantes Erklärungsmodell künftig „Power in der Beziehung“ statt „Geschlecht“ sein sollte, verändert das die Zielsetzung von Beziehungssupport: Statt vor allem traditionelle Rollenerwartungen zu reproduzieren, könnte die Beratung stärker an Verhandlungskompetenz, Kommunikationssicherheit und dem Erleben von Einfluss ansetzen. In der Logik eines kompetitiven Modellvergleichs steht damit ein altes Skript-Modell (etwa die klassische Sexualskript-Forschung, die in der Debatte oft mit John Gagnon und William Simon verbunden wird) einem neu fokussierten Erklärungsansatz gegenüber. Der methodische Kern der Studie liefert eine robuste Messbasis; die gesellschaftliche Wirkung hängt nun davon ab, wie gut daraus Trainings, Leitlinien und Aufklärungsangebote abgeleitet werden.
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- 【MEHR LEBEN FÜR DEINEN SCHREIBTISCH】 Lerne Eilik kennen – deinen kleinen Roboter-Freund mit Persönlichkeit. Mit liebevollen Animationen, ausdrucksstarken Reaktionen und spielerischen Interaktionen bringt Eilik mehr Freude in deinen Alltag. Ob auf dem Schreibtisch, im Büro oder am Nachttisch – Eilik wird schnell zu einem vertrauten Begleiter für besondere Momente.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "Studie: Machtgefühl in Beziehungen sagt sexuelle Selbstbehauptung besser voraus als das Geschlecht" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "Studie: Machtgefühl in Beziehungen sagt sexuelle Selbstbehauptung besser voraus als das Geschlecht" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »Studie: Machtgefühl in Beziehungen sagt sexuelle Selbstbehauptung besser voraus als das Geschlecht« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!