HONG KONG / LONDON (IT BOLTWISE) – Chinas mBridge wechselt von der Pilotphase in eine kommerzielle Rollout-Route und positioniert CBDC-zu-CBDC-Settlement als günstige Alternative zu SWIFT und korrespondierenden Banken. Die Plattform hat bereits rund 470 Milliarden Yuan kumuliert verarbeitet, wobei e-CNY etwa 95% des Volumens stellt. Für Ripple und Stellar verschiebt sich damit der Wettbewerb weg von tokenbasierten Brücken hin zu direkten Abrechnungsbahnen zwischen Zentralbanken. Gleichzeitig bleibt unklar, ob Banken außerhalb der Gründungsmitglieder ihre Nutzung in großem Stil übernehmen und dadurch institutionelle Korridore umlenken.

Chinas CBDC-basierte Zahlungsplattform mBridge drückt zunehmend in Richtung eines realen Wettbewerbs um die Abrechnungsinfrastruktur im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr. Während SWIFT vor allem als Messaging- und Verbindungsstandard für Banken etabliert ist, baut mBridge eine Parallelstrecke auf: Zentralbanken sollen digitale Währungen direkt über ein abgestimmtes Settlement-Design übertragen können, ohne dass Banken Kryptowerte als Intermediär benötigen. Wie Branchenbeobachter berichten, ist der kommerzielle Ansatz dabei explizit als kostenorientierte Alternative gedacht. Entscheidend ist jedoch nicht nur der Preis, sondern die Frage, wie sich “Finality” und Prozessketten im Tagesgeschäft verändern, wenn Settlement näher an Zentralbank-Geld heranrückt.
Technisch lässt sich mBridge als Erweiterung eines bereits existierenden chinesischen Zahlungsrails für “konventionelles” Yuan-Handling verstehen. China betreibt dafür seit 2015 das Cross-Border Interbank Payment System (CIPS), das klassische grenzüberschreitende Bank-Transfers adressiert. mBridge setzt nun zusätzlich auf verteilte Ledger, sodass aus dem bestehenden Interbank-Grundgerüst ein Setup für digitale Zentralbankwährungen entsteht. Laut Daten der Atlantic Council wurde mBridge inzwischen mit rund 470 Milliarden Yuan kumuliert über mehr als 4.000 Transaktionen zur Abrechnung gebracht; e-CNY stellt dabei etwa 95% des Volumens. Damit wird erkennbar, dass die Plattform weniger ein reines Konzept ist als vielmehr eine im Betrieb getestete Settlement-Logik.
In der Governance zeigt sich, dass die Betreiber die Diskussion um Ausweichmanöver gegenüber dollarbasierten Systemen bewusst entschärfen wollen. Der Pilot lag zunächst im Rahmen der Bank for International Settlements (BIS), die das Projekt ab 2021 vorantrieb; im Oktober 2024 wurde die Governance dann auf beteiligte Zentralbanken verlagert. Diese Verschiebung ist strategisch: Sie soll den Eindruck vermeiden, mBridge könne Sanktionen unterlaufen oder als “Bypass” dienen. Für Unternehmen und Banken ist das relevant, weil Compliance-Prozesse nicht nur den Zahlungsweg, sondern auch Governance, Auditierbarkeit und Zugriffsrechte betreffen. Genau dort liegt auch die kritische Schnittstelle zur Regulierungs- und Datenschutzperspektive, die in jedem CBDC-ähnlichen Rollout mitgedacht werden muss.
Der Marktvergleich fällt damit deutlich aus: mBridge zielt weniger darauf, SWIFT als Messaging-Standard sofort zu verdrängen, sondern auf eine schrittweise Erosion des Status quo in bestimmten Korridoren und Branchen-Use-Cases. Alisha Chhangani, Associate Director beim Atlantic Council, formulierte sinngemäß, mBridge werde den Dollar nicht “direkt frontal” entthronen, aber ihn inkrementell in einzelnen Szenarien untergraben, indem parallel neue Settlement-Rails entstehen. Genau an dieser Stelle kollidiert das Vorhaben mit den Angeboten von Ripple und Stellar, die seit Jahren schnellere, günstigere Abwicklungen gegenüber korrespondierenden Bankwegen bewerben. Zwar setzen deren Ansätze stärker auf tokenbasierte Mechaniken, doch für Banken kann die Entscheidung am Ende dort getroffen werden, wo Prozesszeiten, Kosten und Liquiditätsbedarf im Betrieb am niedrigsten sind.
Wo passen XRP und XLM in diese Gemengelage? Ripple treibt mit der On-Demand Liquidity-Logik vor allem einen Mechanismus zur Liquiditätsbereitstellung ein; 2024 wurden dafür laut Branchenangaben über 15 Milliarden US-Dollar in grenzüberschreitenden Zahlungen verarbeitet, kumuliert stieg das Volumen bis Januar auf etwa 95 Milliarden. Auf der XRP Ledger werden laufend hohe Durchsatzwerte gemessen, etwa mit starken Transaktionszahlen rund um Payments sowie zusätzlicher Aktivität über DEX-Offer-Creation. Stellar wiederum berichtet für das erste Quartal 2026 über Zahlungsvolumina von 5,5 Milliarden US-Dollar, was einem deutlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr entspricht. Ein weiterer Wettbewerbsbaustein ist die regulatorische Einordnung: Im März hatten SEC und CFTC eine gemeinsame Klassifikation für XRP und XLM als Commodity vorgenommen, und Stellar verband sich im Mai separat mit der Depository Trust and Clearing Corporation in einer Tokenization-Partnerschaft. Diese Signale verbessern die institutionelle Lesbarkeit der Token-Netzwerke, dennoch bleibt mBridge strukturell anders: Es erlaubt direkte CBDC-zu-CBDC-Abrechnung ohne tokenintermediären Bridge-Asset-Einsatz.
Der zukünftige Hebel entscheidet sich damit an Adoption und Zielkorridoren. Noch ist offen, ob Banken außerhalb der Gründungsmitglieder mBridge breit annehmen, und ob diese Adoption Volumen aus jenen Korridoren abzieht, die Ripple und Stellar besonders adressieren. Wahrscheinlich ist, dass sich die Strategien nicht zwangsläufig gegenseitig ausschließen: Tokenbasierte Netzwerke könnten weiter dort dominieren, wo keine CBDC-zu-CBDC-Anbindung existiert, während mBridge dort wachsen dürfte, wo Zentralbanken und Partnerbanken digitale Währungen im Settlement-Stack gemeinsam ausrollen. Für Entwickler und Finanzinfrastrukturanbieter entsteht daraus ein klares Aufgabenbild: robuste Integrationen mit unterschiedlichen Abrechnungsmodellen, Monitoring für Finality und Settlement-Fehler sowie Sicherheitskonzepte für Governance-Änderungen, Identitäts- und Berechtigungsmanagement. Regulatorisch wird dabei entscheidend sein, wie Datenflüsse und Operational Security in den kommerziellen Betrieb überführt werden, insbesondere wenn Gebührenmodelle wie berichtet rund die Hälfte klassischer internationaler Zahlungsrouten ausmachen sollen.
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