LONDON (IT BOLTWISE) – Die 40 größten Brauereigruppen haben 2025 rund fünf Milliarden Liter Bier weniger produziert als im Vorjahr. Gleichzeitig sank der weltweite Ausstoß insgesamt um 3,1 Prozent auf knapp 159 Milliarden Liter, wobei Wachstumsausnahmen rar bleiben. Deutsche Hersteller wie Paulaner konnten zwar zulegen, doch andere Namen wie Radeberger, Oettinger und Bitburger verloren im internationalen Vergleich weiter an Boden. Branchenexperten ordnen den Rückgang vor allem als Folge eines schwierigen Markts und steigender Nachfrage nach alkoholfreien sowie alkoholreduzierten Alternativen ein.

Der Bierausstoß der weltweit größten Brauereigruppen steht 2025 unter spürbarem Druck: Laut einer Auswertung des Nürnberger Hopfenhändlers BarthHaas sank die Produktion der Top 40 um 3,1 Prozent auf knapp 159 Milliarden Liter. Das bedeutet im Kern, dass in Summe mehrere Milliarden Liter weniger vom Band liefen als noch ein Jahr zuvor. Während die Branche in den vergangenen Jahren immer stärker auf Konsumstabilität und Exportstrategien gesetzt hat, zeigt sich nun ein klassisches Zusammenspiel aus nachlassender Nachfrage, stärkerem Wettbewerb und dem Umbau hin zu alternativen Getränkekategorien. Für Unternehmen wird damit weniger die Frage „ob“ transformiert wird, sondern „wie schnell“ und „mit welchen Daten“.
Technisch betrachtet beginnt die Transformation selten im Sudhaus allein, sondern in der gesamten Liefer- und Qualitätskette. Bier ist zwar ein traditionelles Produkt, die Wertschöpfung dahinter ist jedoch zunehmend datengetrieben: Einkaufs- und Produktionsplanung müssen Erntevolatilitäten bei Hopfen, Schwankungen bei Rohstoffen und volatile Absatzsignale in Echtzeit abbilden. Wenn die Top-40-Produktion fällt, steigt für viele Hersteller der Bedarf an feineren Prognosen, etwa um Chargen enger zu takten und Ausschuss zu reduzieren. In diesem Umfeld gewinnen Planungs- und Forecast-Systeme an Bedeutung, ebenso wie Pipeline- und Lager-Transparenz in der Logistik, weil Unterauslastung nicht nur Kosten verursacht, sondern auch die Verhandlungsmacht in der Beschaffung schwächt.
Der globale Blick auf die Ranglisten zeigt, wie unterschiedlich die Dynamik ausfällt. Weltgrößter Konzern bleibt AB Inbev mit 48,4 Milliarden Litern, gefolgt von Heineken mit 23,6 Milliarden Litern; beide verzeichneten laut BarthHaas ebenfalls Rückgänge. Dennoch ist die Lücke zu großen deutschen Gruppen strukturell groß. Radeberger etwa kommt auf knapp 1 Milliarde Liter und rutscht im internationalen Vergleich trotz sinkendem Ausstoß auf Rang 25 ab. Solche Verschiebungen sind nicht nur ein Image-Thema, sondern spiegeln wider, wie Absatzportfolios, Markenführung und Exportmix über mehrere Länder hinweg zusammenspielen. Gerade in reifen Märkten wird es schwieriger, das Wachstum über reine Mengeneffekte zu erzielen.
Für deutsche Hersteller ist die Lage gemischt, aber insgesamt herausfordernd: Paulaner legt kräftig zu und steigert sich um knapp 15 Prozent auf 759 Millionen Liter, wodurch Paulaner im internationalen Ranking auf Rang 29 vorstößt. Die frühere deutsche Nummer zwei, die TCB Beteiligungsgesellschaft mit Marken wie Frankfurter Brauhaus, Feldschlösschen und Gilde Brauerei, verliert dagegen rund 4 Prozent auf 720 Millionen Liter und fällt um zwei Plätze zurück. Auch Oettinger rutscht einen Rang tiefer auf Rang 32, unter anderem weil der Ausstoß um 3,7 Prozent sinkt; Krombacher folgt direkt dahinter mit 595 Millionen Litern. Bitburger verliert laut Auswertung 10 Prozent auf 520 Millionen Liter und fällt auf den 35. Platz. Diese Gemengelage zeigt: In einem schrumpfenden Umfeld gewinnt, wer Portfolio und Vertrieb sauber aussteuert.
Experten schieben die Ursache vor allem auf einen rückläufigen Trend, der sich bereits in den Vorjahren abgezeichnet hatte. Wie aus Brancheninformationen hervorgeht, setzt der „schwierige Markt“ Hersteller zunehmend unter Druck, sich um alternative Geschäftsfelder zu bemühen. Dazu zählen alkoholfreie und alkoholreduzierte Biere ebenso wie andere Getränkekategorien. Der Vergleich mit globalen Wettbewerbern macht deutlich, warum der Schritt zu Alternativen nicht bloß eine Marketingbewegung ist: Großkonzerne können aufgrund von Skaleneffekten schneller in neue Produktlinien investieren, während kleinere oder mittelgroße Player stärker von margenstabilen Nischen abhängen. Gleichzeitig wirkt sich die Konsumverschiebung direkt auf die Produktionsplanung aus, weil neue Sorten andere Rohstoffzusammensetzungen, Lagerzeiten und Vermarktungszyklen mit sich bringen.
Historisch betrachtet hat die Bierindustrie mehrere Umbruchphasen durchlaufen, etwa als Innovationen wie neue Bierstile, Craft-nahe Konzepte oder später Qualitäts- und Kühlketten-Standards in den Fokus rückten. In den letzten Jahren verlagerte sich der Wettbewerb jedoch stärker in Richtung „richtige Mischung“ aus Preis, Geschmack, Nachhaltigkeit und Verfügbarkeit. Die aktuelle Entwicklung unterscheidet sich dadurch, dass der mengenmäßige Rückgang parallel zur wachsenden Nachfrage nach Alternativen verläuft. Das ist strategisch anspruchsvoll, weil Unternehmen gleichzeitig Überkapazitäten vermeiden und zugleich neue Nachfrage nicht zu spät bedienen dürfen. Wer Produktionsdaten, Qualitätsmetriken und Markt-Signale nicht konsistent zusammenführt, riskiert Fehlallokationen, etwa in der Abfüllung oder im Vertriebskanal.
Auch die Regulierung und die damit verbundenen Sicherheits- und Compliance-Themen spielen zunehmend hinein. Bei alkoholfreien und alkoholreduzierten Produkten sind Kennzeichnungsvorgaben und Kontrollmechanismen besonders relevant, weil Grenzwerte und Rezepturvarianten exakt überwacht werden müssen. Gleichzeitig verschärfen sich in vielen Märkten Erwartungen an Transparenz entlang der Lieferkette, etwa bei Emissionen, Verpackungen und Rohstoffherkünften. Für IT- und Datenverantwortliche bedeutet das: Rückverfolgbarkeit wird zu einem echten Betriebsfaktor, nicht zu einer reinen Doku-Übung. Moderne Traceability-Ansätze und auditierbare Datenflüsse helfen, Entscheidungen schneller zu treffen und regulatorische Nachweise zu liefern, ohne den Produktionsalltag zu verlangsamen.
Für die nächsten Monate deutet vieles darauf hin, dass Wachstum eher über „Produktmix“ als über reine Produktionsmengen erreichbar sein wird. Paulaner zeigt, dass gezielte Verschiebungen im Portfolio funktionieren können, während andere Gruppen im internationalen Wettbewerb Federn lassen. Gleichzeitig bleibt offen, wie stark sich der Rückgang der Top 40 im laufenden Jahr fortsetzt und wie viel davon reine Schätzungen widerspiegeln. Strategisch ist das Signal klar: Hersteller werden verstärkt in Absatzprognosen, Automatisierung in Planung und Qualitätssicherung sowie in die Abstimmung von Beschaffung und Abfüllkapazitäten investieren müssen. Wer dabei KI-gestützte Modelle zur Nachfrageanalyse mit robusten Compliance-Daten zusammenbringt, kann nicht nur Kosten senken, sondern auch schneller auf Marktveränderungen reagieren.
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