DONAUESCHINGEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) startet den zweiten Bauabschnitt der Hans‑Thoma‑Höfe und schafft bis Mitte 2028 85 neue Wohnungen inklusive Tiefgarage. Ersetzt werden Bestände aus den 1950er-Jahren, die nicht erhalten werden konnten. Das Quartier wird nach energetischem KfW‑55‑Standard errichtet, mit Photovoltaik, extensiver Dachbegrünung sowie Anschluss an ein Nahwärmenetz. Damit soll die Wohnraumoffensive gleichzeitig den lokalen Mietmarkt entlasten und ein autofreies, grünes Wohnumfeld stärken.

Mit dem offiziellen Spatenstich für den zweiten Bauabschnitt der Hans‑Thoma‑Höfe in Donaueschingen setzt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) ein klares Signal Richtung mehr bezahlbarer Wohnraum. Geplant sind weitere fünf Gebäude mit insgesamt 85 Wohnungen, ergänzt um eine Tiefgarage, deren Bau die Grundlage für ein insgesamt autofreies Quartier bildet. Gerade in Regionen, in denen die Nachfrage nach Mietwohnungen kontinuierlich steigt, wirkt ein solcher Neubau wie ein stabilisierender Faktor für das lokale Preisgefüge. Zugleich macht der Start deutlich, dass die BImA ihre Wohnraumoffensive nicht als Einzelprojekt versteht, sondern als dauerhaft angelegte Strategie für ihren bundesweiten Bestand.
Technisch betrachtet rückt das Vorhaben mehrere Stellschrauben zusammen: energetische Effizienz, nachhaltige Energieversorgung und die praktische Integration in ein bewohnbares Quartier. Die Neubauten werden nach dem energetischen KfW‑55‑Standard ausgeführt; statt auf einzelne Heizzentralen setzt die BImA auf den Anschluss an das Nahwärmenetz der Energiedienst AG. Ergänzend erhalten die Dächer Photovoltaikanlagen und werden extensiv begrünt, was nicht nur den Energiehaushalt, sondern auch das Mikroklima im Quartier positiv beeinflussen kann. Für die Mobilität sieht das Konzept zudem eine Vorbereitung aller Stellplätze für E‑Ladesäulen vor, sodass zukünftige Elektrifizierungsbedarfe ohne tiefgreifende Nachrüstungen abbildbar bleiben.
Die Vorgeschichte macht dabei deutlich, wie stark der Neubau als Modernisierungsschritt gegen einen Bestandsstau arbeitet. Die fünf Bestandsgebäude aus den 1950er-Jahren, in denen ursprünglich Angehörige der französischen Streitkräfte mit ihren Familien lebten, konnten nicht erhalten werden. Der Abriss und der neue Baubeginn markieren damit eine typische Lebenszyklus-Entscheidung: Wenn energetische Nachrüstungen, Bauphysik und Grundrisse nicht wirtschaftlich oder zukunftssicher machbar sind, wird der Weg über vollständige Neubauten gewählt. Für Mieterinnen und Mieter ist das häufig ein Spagat zwischen kurzfristiger Umstellung und langfristigem Zugewinn an Komfort, Energieverbrauchs-Transparenz und Wohnqualität.
Im organisatorischen Ablauf knüpft die BImA zudem an strukturierte Beschaffungs- und Vergabeprozesse an. Mit der Planung und Ausführung wurde die Ed. Züblin AG als Generalübernehmerin beauftragt, und zwar im Rahmen einer europaweiten Verhandlungsvergabe mit Teilnahmewettbewerb. Das ist für Unternehmen relevant, weil solche Verfahren Planungs- und Qualitätsanforderungen früh festlegen und damit Planungssicherheit schaffen können. Zugleich zeigt es, dass auch im Wohnungsbau zunehmend industriell organisierte Projektsteuerung zum Standard wird: Schnittstellen zwischen Bau, Energieintegration (Nahwärme, PV) und Infrastruktur (Tiefgarage, Stellplätze, Ladevorbereitung) müssen eng getaktet werden, damit die energetischen Zielwerte im Betrieb tatsächlich erreichbar bleiben.
Für den Markt ist der Timing-Aspekt besonders wichtig: Bereits im Oktober 2023 wurde in Donaueschingen das Richtfest für 88 Wohnungen im ersten Bauabschnitt gefeiert, nun folgt der zweite. Damit wächst das Projekt in Stufen, was sowohl Bauabschnitte als auch Wohnungsbereitstellungen planbarer macht. Gleichzeitig steht die BImA in einem Wettbewerb um Flächen, Handwerkerkapazitäten und Projektfinanzierung, wie ihn auch große Wohnungsunternehmen kennen. Branchenbeobachter verweisen in diesem Kontext häufig darauf, dass staatlich getriebene Projekte vor allem dort Wirkung entfalten, wo private Anbieter zwar bauen wollen, aber durch Baukosten, Fachkräftemangel und Genehmigungszeiten gebremst werden.
Ein zentraler Unterschied liegt in der Belegungssystematik und damit in der Entlastungswirkung auf den lokalen Wohnungsmarkt. Laut den üblichen Regeln der BImA werden die Wohnungen zuerst Bundesbediensteten im Rahmen der Wohnungsfürsorge des Bundes angeboten, unter anderem Beschäftigten von Zoll, Bundespolizei und Bundeswehr. Alle Wohnungen, die danach nicht vergeben sind, stehen zu den gleichen Konditionen dem freien Markt zur Verfügung. Damit adressiert die BImA nicht nur den eigenen Bedarf, sondern schafft indirekt zusätzliche Reserven für den allgemeinen Mietmarkt. So wird der Mietpreisdruck im unteren Preisniveau zumindest teilweise abgefedert—ein Effekt, der in Städten mit angespannter Versorgung häufig stärker wahrgenommen wird als einzelne Neubauflächen in isolierten Quartieren.
Im Nachhaltigkeitsversprechen steckt neben der Energiekennzahl auch eine Form von Regulierungskompatibilität, die für Unternehmen zunehmend zum Entscheidungskriterium wird. KfW‑55 als Zielwert bedeutet in der Praxis strenge Anforderungen an Gebäudehülle, Wärmebrücken, Anlagentechnik und Regelungskonzepte. Die Kopplung an Nahwärme reduziert zudem die Komplexität im Betrieb, sofern das Wärmenetz stabil versorgt und perspektivisch nachhaltig betrieben wird. Gleichzeitig macht die Vorbereitung für E‑Ladesäulen das Projekt anschlussfähig an die wachsende Ladeinfrastruktur, ohne bereits heute mit starren Vollausbauten jede Kostenkomponente festzuschreiben. Für Datenschutz und Compliance ist bei solchen Vorhaben vor allem relevant, dass Betreiber- und Mieterprozesse klar strukturiert sind, etwa bei der Zuordnung von Wohnrechten und der Verwaltung sensibler Stammdaten.
Mit Blick auf die nächsten Schritte bis Mitte 2028 wird das Vorhaben in Donaueschingen nicht nur baulich, sondern auch sozial wirksam. Neben der Tiefgarage soll das Quartier so gestaltet werden, dass die Hans‑Thoma‑Höfe autofrei funktionieren und der Fokus stärker auf begrünte Freiräume und Treffpunkte gerichtet wird. Genau diese Kombination ist für die Akzeptanz entscheidend: Energieeffizienz allein führt nicht automatisch zu Wohnzufriedenheit, wenn Wegeführung, Lärm, Aufenthaltsqualität oder Grünflächen fehlen. Axel Kolfenfach betont entsprechend, dass nicht nur Quadratmeter entstehen sollen, sondern ein Umfeld, in dem sich die Bewohnerinnen und Bewohner wohlfühlen. Und auch Oberbürgermeister Erik Pauly ordnet das Projekt als Investition in die Zukunft ein, die das städtische Wohnangebot modernisiert und stärkt.
Für die Zukunft ist zu erwarten, dass die BImA ihr Modell weiter industrialisiert: mehrgeschossiger Wohnbau mit klaren energetischen Standards, digital gesteuerter Bauprozess- und Qualitätskontrolle sowie standardisierten Energie- und Mobilitätskomponenten. Gerade für Handwerk, Planer und Zulieferer eröffnet das wiederkehrende Muster Chancen, weil sich Schnittstellen und Auslegungsspielräume über viele Projekte hinweg besser planbar machen lassen. Gleichzeitig werden Behörden und Eigentümer künftig noch stärker auf Lebenszykluskosten achten müssen, also darauf, wie günstig Betrieb und Instandhaltung im Vergleich zu konventionellen Neubauten ausfallen. Wenn das gelingt, könnten Projekte wie die Hans‑Thoma‑Höfe als Blaupause dienen—nicht als starres Rezept, sondern als belastbares Referenzdesign für bezahlbaren, nachhaltigen Wohnungsbau im DACH-Umfeld.
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