LONDON (IT BOLTWISE) – Mike McGlone von Bloomberg Intelligence und der Gold-Verfechter Peter Schiff halten an einer Bitcoin-Marke von 10.000 US-Dollar fest, die zuletzt 2020 erreicht wurde. Der aktuelle Kurs liegt laut Quelle bei etwa 85.896 US-Dollar, womit für 10.000 rechnerisch ein Einbruch um 88% nötig wäre. Beide Begründungen laufen auf einen möglichen Verkaufszyklus hinaus, der aus ETF-Abflüssen, Verkäufen großer Unternehmensbestände und gleichzeitigen Schwächen an Aktien-, Kredit- und Kryptomärkten entstehen könnte. Entscheidend ist daher nicht nur die Richtung, sondern auch die Abfolge der Auslöser.

Bitcoin handelt derzeit rund 85.896 US-Dollar und damit etwa 2,3% höher als vor einer Woche. Gleichzeitig zeigt der Blick auf die historische Distanz: Der Kurs liegt laut Angaben um gut 31,9% unter dem Allzeithoch von 126.080 US-Dollar, das im Oktober 2025 erreicht wurde. Wer sich an der 10.000-US-Dollar-Prognose orientiert, bekommt damit sofort ein Gefühl für die Härte der Messlatte: Von hier aus wären noch etwa 88% Verlust erforderlich, ein Szenario, das tief in das Risiko- und Liquiditätsprofil der größten Bitcoin-Nachfrageseite hineinreicht.
McGlones Ansatz kommt aus der Kategorie „Mean Reversion“: Er erwartet, dass sich der Preis, nachdem Bitcoin lange „oberhalb des langfristigen Werts“ notierte, wieder Richtung einer Zone bewegt, die er historisch als besonders relevant beschreibt. Besonders zentral ist dabei die 10.000-US-Dollar-Marke, die er als häufig gehandelten Preis seit dem Start der CME-Bitcoin-Futures im Jahr 2017 hervorhebt. Als ergänzenden Kontext führt er die Phase massiver Liquiditätseinspeisungen durch Regierungen und Zentralbanken in den Jahren 2020 und 2021 an – also genau jene Phase, in der der Abstand zwischen spekulativer Bewertung und „fundamentaleren“ Preisnarrativen besonders groß wurde.
Zur technischen Prüfung seiner These nennt der Analyst zudem eigene Ungültigkeitsbedingungen. Bereits im Frühjahr hatte McGlone darauf verwiesen, dass ein Verbleib über 75.000 US-Dollar seine Vorhersage entkräften könnte. In der Quelle heißt es außerdem, dass er im August erneut argumentierte, ein Rückfall unter 69.000 US-Dollar könne als Zeichen dafür gelesen werden, dass weitere Abgaben in Richtung 10.000 folgen könnten. Genau dieser Abgleich macht die aktuelle Situation spannend: Bitcoin hat nach Angaben zwar wiederholt Zeit unter 69.000 US-Dollar verbracht, sich aber anschließend erholt – bis hin zu einem Kurs über 85.000. Damit bleibt nach McGlones eigenen Kriterien wenig Raum für die klassische „drift zurück“-Erzählung, zumindest bislang.
Schiff verfolgt dagegen eine stärker marktmechanische Perspektive. Seine Leitidee ist, dass fallende Kurse nicht nur „Preisverfall“ bedeuten, sondern durch den Zwang zum Deleveraging eine Kaskade auslösen können: Kreditnehmer und stark gehebelte Marktteilnehmer müssten verkaufen, um Margin- und Refinanzierungsrisiken zu reduzieren. Die Quelle beschreibt dieses Zusammenspiel als „death spiral“, also als sich verstärkenden Kreislauf aus fallenden Preisen und zusätzlichen Verkaufszwängen. Interessant ist zudem, dass Schiff 10.000 zwar als mögliche erste Stabilitätszone in Erwägung zieht, zugleich aber bezweifelt, dass diese Marke ohne weitere strukturelle Entlastung dauerhaft halten könnte.
Damit beide Prognosen „richtig“ würden, müsste nach dem beschriebenen Szenariogerüst jedoch nicht nur der Kurs fallen, sondern ein belastbarer Verkaufsimpuls in mehreren Stufen entstehen. Als erste Stufe nennt die Quelle umfangreiche Rückgaben (Redemptions) aus sogenannten Spot-Bitcoin-ETFs: Wenn Anleger Anteile einlösen, müssten die Fonds Bitcoin verkaufen, um Rückzahlungen zu bedienen. In der zweiten Stufe stehen Verkäufe durch Unternehmensschatzämter im Fokus. Gerade öffentliche Firmen mit Bitcoin-Beständen, etwa Strategy, könnten laut Quelle unter Druck geraten, falls ein Preisrückgang anhält und eine Refinanzierung von Schulden schwieriger wird; zudem wird erwähnt, dass einige Unternehmen bereits im Verlauf 2026 verkauft hätten. Als dritte Komponente braucht es dann einen gleichzeitigen Schock an mehreren Fronten: Aktien-, Kredit- und Kryptomärkte müssten gemeinsam schwächer werden, sodass „typische Käufer“ Preisrückgänge nicht mehr als günstige Einstiegschance interpretieren.
Warum diese Abfolge so entscheidend ist, zeigt der Vergleich mit der potenziellen Größenordnung: Bei einem Kurs auf 10.000 US-Dollar würde der Marktwert laut Quelle von etwa 1,73 Billionen US-Dollar auf rund 201 Milliarden US-Dollar fallen. Zur Einordnung wird ein direkter Vergleich zum Stablecoin USDT gezogen: Dessen Bewertung läge demnach bei etwa 184 Milliarden US-Dollar. In diesem Bild könnte Bitcoin damit nur noch geringfügig wertvoller sein als Tether – eine Entwicklung, die laut Quelle sogar die These stützen soll, dass Tether Bitcoin perspektivisch überholen könnte. Genau hier liegt aber der praktische Haken: Für diese Größenordnung braucht es nicht nur Angstverkäufe, sondern einen strukturellen Abfluss von Liquidität, der mehrere Marktsegmente gleichzeitig trifft.
Nach der Momentaufnahme der Quelle wirkt der „Spiralen“-Pfad bislang jedoch weniger wahrscheinlich als der Ausgangspunkt vermuten lässt. Bitcoin habe im Jahr 2026 zwar wiederholt unter McGlones 69.000-US-Dollar-Schwelle gelegen, sei aber immer wieder von Käufern gestützt worden und habe sich bis Oktober oberhalb von 85.000 erholt. Gleichzeitig wird festgehalten, dass Bitcoin aktuell sowohl über der 75.000er als auch über der 69.000er Linie liegt – mit Abstand von 14,5% beziehungsweise 24,5% über den Schwellen. Der Fokus liege deshalb weiterhin auf ETF-Flow-Daten und Corporate-Combined-Positionen, weil genau hier die in der Quelle skizzierten Auslöser sichtbar werden müssten. Für Leser, die Prognosen an der Realität testen wollen, bleibt die Checkliste im Kern gleich: Kommt es zu anhaltenden ETF-Redemptions, nimmt der Verkaufsdruck in Unternehmensportfolios zu und verschärft sich gleichzeitig die Schwäche in Aktien und Kreditmärkten?
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