LONDON (IT BOLTWISE) – Die Investmentbank Citigroup setzt für Bitcoin ein 12-Monats-Ziel von 113.000 US-Dollar und für Ethereum von 3.028 US-Dollar. Obwohl beide Prognosen ähnlich stark angehoben wurden, sieht Citi beim Bitcoin spürbar mehr Aufwärtspotenzial als bei der zweitgrößten Krypto. Die Unterschiede erklärt die Bank vor allem mit der Dynamik von Bitcoin-Spot-ETFs und dem Effekt, dass Ethereum bereits stark gelaufen ist. Zusätzlich spielt die alternative Rendite über US-Staatsanleihen in die Argumentation hinein.

Citigroup hat die 12-Monats-Kursziele für Bitcoin und Ethereum zwar in ähnlicher Größenordnung nach oben korrigiert, doch die Botschaft fällt unterschiedlich aus: Beim Zielkurs für Bitcoin sieht die Bank deutlich mehr Luft nach oben als bei Ethereum. Konkret nennt die Quelle für Bitcoin einen Zielwert von 113.000 US-Dollar, während Ethereum bei 3.028 US-Dollar landet. Aus diesen Zahlen ergibt sich rechnerisch ein anderes Wachstumsszenario: Bitcoin läge demnach etwa 31% über dem aktuellen Niveau, Ethereum nur rund 11% darunter. Zum Zeitpunkt der Betrachtung am 2. Oktober 2026 notiert Bitcoin laut Vorlage bei ungefähr 85.975 US-Dollar, Ethereum bei etwa 2.730 US-Dollar.
Der Blick zurück erklärt, warum Citi überhaupt die Richtung geändert hat. Nach einer früheren Anpassung am 1. Juli hatte die Bank Bitcoin auf 82.000 US-Dollar und Ethereum auf 2.240 US-Dollar gesetzt, nachdem Geld aus Krypto-ETFs abgezogen worden war. Die nunmehrige Aktualisierung hebt beide Ziele weiter an: Für Bitcoin um ungefähr 38% und für Ethereum um etwa 35% im Vergleich zu den vorherigen Referenzpunkten. Interessant ist dabei, dass beide Kurse inzwischen schon über den zuvor genannten Zielmarken handeln: Bitcoin steht laut Quelle rund 5% höher, Ethereum sogar nahezu 22% über den vorherigen Benchmarks. Damit verschiebt sich die Aufmerksamkeit von der Frage „Werden die Ziele erreicht?“ hin zu „Wie viel zusätzlicher Spielraum bleibt nach den jüngsten Bewegungen?“
Genau an dieser Stelle entsteht der Kernunterschied in der Upside-Rechnung. Ethereum hat in den letzten 90 Tagen laut Vorlage rund 53% zugelegt, Bitcoin dagegen etwa 33%. Je nachdem, wo der aktuelle Kurs relativ zum neuen Zielkurs liegt, „frisst“ die bereits realisierte Rally den zukünftigen Potenzialraum. Ethereum war im September bis auf 2.807 US-Dollar gestiegen und lag damit nur etwa 7% unter dem 3.028-US-Dollar-Ziel von Citi. Bitcoin dagegen erreichte im September ein Hoch von 87.397 US-Dollar und blieb damit noch ungefähr 23% unter dem 113.000-US-Dollar-Ziel. Beide Setups gehen in der Darstellung jedoch nicht von einem neuen Allzeithoch aus, sondern eher von einer Erholung Richtung der Zielzonen.
Zusätzlich stützt die Vorlage Citis Annahmen mit einem makro-nahen, produktgetriebenen Faktor: der erwarteten Nachfrage nach Spot-Krypto-ETFs. In den USA habe sich der Fluss von einem Zustand mit bis Mitte Juli beobachteten Netto-Abflüssen von 5,8 Mrd. US-Dollar hin zu Netto-Zuflüssen von rund 800 Mio. US-Dollar bis Ende September gedreht. Citi erwartet demnach weitere 5 Mrd. US-Dollar an Zuflüssen über das nächste Jahr. Übersetzt auf Monatsraten entspricht das grob 417 Mio. US-Dollar, wobei die Quelle das als „langsamer, aber stabiler“ charakterisiert. Entscheidend ist: Ein solches Nachfragebild begünstigt in Citis Logik Bitcoin stärker, weil der ETF-Markt für Bitcoin deutlich größer ist als der für Ethereum.
Dass ETF-Ströme nicht linear verlaufen, macht die Vorlage zusätzlich deutlich. Für den 30. September berichtet sie von rund 149 Mio. US-Dollar Abflüssen bei Bitcoin-ETFs und damit dem Ende einer neun Handelstage langen Zuflussserie. Genau diese Volatilität ist für die praktische Umsetzbarkeit von Kurszielen relevant: Selbst wenn sich die langfristige Tendenz in Richtung Zuflüsse verändert, können kurzfristige Abweichungen den Pfad zu einem Zielwert verzögern. Überträgt man das auf die Spanne, in der Citi Ethereum im Vergleich zu Bitcoin „enger“ bewertet, wird klar, warum ein kleinerer Puffer häufiger als realistischer erscheint: Ethereum hat eine geringere Distanz zum Ziel, während Bitcoin bei kurzfristigen Mittelabflüssen leichter unter den zuletzt beobachteten Hochmarken bleiben könnte.
Ein weiterer Aspekt kommt aus der Rendite-Logik klassischer Märkte. Die Vorlage verweist auf eine Alternative zu Krypto: Am 25. September lag die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bei 5,17%. Anleger können demnach allein über diese Risikoalternative eine Rendite erzielen, während Bitcoin und Ethereum keine laufenden Zinsen bieten. Deshalb muss der Ertrag aus Krypto vollständig über Kurssteigerungen kommen. Wenn Ethereum nur ein relatives Upside von 11% bis zum Ziel erwartet, ist das laut Vorlage rechnerisch nur etwa das Doppelte der Treasury-Rendite – zumal Ethereum im September allein zwischen 2.355 und 2.807 US-Dollar eine Spanne von rund 19% durchlaufen habe. Bitcoin dagegen ist in Citis Szenario weiter vom Ziel entfernt und bietet mit 31% Aufwärtspotenzial einen größeren „Puffer“ gegenüber der stabilen Rendite aus US-Staatsanleihen.
Ob Citigroup ihre Bitcoin-Einschätzung so umsetzt sieht, hängt in der Vorlage an zwei Bedingungen: Erstens daran, ob der Kurs kurzfristig wieder oberhalb eines markanten Niveaus schließt – genannt wird ein täglicher Schluss über 87.397 US-Dollar, also rund 2% über dem aktuellen Preis. Zweitens an der Richtung der ETF-Flows, die zur erwarteten Größenordnung von 5 Mrd. US-Dollar Zuflüssen über zwölf Monate passen müssten. Fällt diese zweite Bedingung negativ aus, etwa durch weitere Abflüsse wie am 30. September, könnte Bitcoin länger unter dem relevanten Hoch bleiben. Genau dann würde Citis Argumentation für Ethereum mit dem kleineren Zielpfad indirekt an Attraktivität gewinnen, weil das Erreichen der 3.028-US-Dollar-Zone rechnerisch leichter wird als das Überschreiten eines bereits stark gehandelten Hochs.
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