LONDON (IT BOLTWISE) – Einige Smartwatches können Hinweise auf Schlafapnoe liefern, ersetzen aber keine ärztliche Diagnose. Apple und Samsung haben dafür unterschiedliche FDA-Wege eingeschlagen und ihre Funktionen an strenge Setup- und Nutzungsbedingungen gekoppelt. Während Apple auf der Apple Watch mit mehrtägigem Logging arbeitet, reicht bei Samsung eine deutlich kürzere Testphase. Welche Geräte wirklich in Frage kommen und was Anwender bei der Dateninterpretation beachten sollten, zeigt dieser Überblick.

Smartwatches erkennen Hinweise auf Schlafapnoe – Apple und Samsung im Vergleich
Smartwatches erkennen Hinweise auf Schlafapnoe – Apple und Samsung im Vergleich (Foto: IT BOLTWISE)
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Schlafapnoe gehört zu den Erkrankungen, die im Alltag oft zu spät auffallen. Viele Betroffene kennen nicht das Muster „Atemaussetzer im Schlaf“, sondern berichten eher über dauerhafte Müdigkeit, Konzentrationsprobleme oder ein „unruhiges“ Gefühl trotz vermeintlich voller Nachtruhe. Genau an dieser Lücke setzen inzwischen einige Wearables an: Sie sollen keine Diagnose stellen, aber mögliche Atmungsstörungen erkennen, damit man die richtigen nächsten Schritte beim Arzt einleitet. Das ist für Unternehmen und Nutzer zugleich eine strategische Frage: Wie weit darf ein Konsumgerät bei medizinisch relevanten Signalen gehen, ohne klinische Sicherheit vorzutäuschen?

Medizinisch betrachtet sind Schlafapnoe-Episoden relativ klar definiert: Wiederkehrende Atemunterbrechungen oder -störungen, die typischerweise mindestens zehn Sekunden dauern und sich über viele Ereignisse pro Stunde erstrecken können. Für die Diagnostik braucht es allerdings formale Verfahren, häufig mit Überwachung über eine Nacht hinweg, etwa im Schlaflabor. Die Consumer-Seite ist daher eher „Screening“ als „Diagnose“. Technisch bedeutet das: Ein Handgelenksensor beobachtet indirekte Bewegungssignale, leitet daraus Muster ab und weist auf eine mögliche Kategorie hin. Historisch ist das nicht ganz neu: Schon früh gab es Versuche, Atemmuster über nichtinvasive Signale abzuleiten, aber erst moderne Sensorik und regulatorische Prozesse machten eine breite Gerätefreigabe im Consumer-Bereich realistischer.

Im Markt gibt es derzeit eine auffällige Konzentration. Berichten zufolge beschränken sich die „großen“ Plattformen mit entsprechenden Benachrichtigungsfunktionen auf Apple und Samsung. Die beiden Hersteller gehen dabei regulatorisch unterschiedlich vor: Samsung erhielt 2024 eine De Novo-Zulassung für die Sleep-Apnea-Funktion, Apple folgte später mit einer 510(k)-Freigabe für seine Sleep-Apnea-Benachrichtigungen. Das ist für IT-Entscheider relevant, weil es zeigt, wie stark Produktmanagement, Compliance und technische Validierung in der Wearable-Entwicklung verzahnt sind. In der Praxis heißt das: Selbst wenn die Sensorik ähnlich klingt, entscheiden Datenqualität, Grenzwerte, Firmware-Logik und Dokumentation darüber, ob ein Produkt als Screening-Feature offiziell in diese Kategorie fällt.

Apple setzt beim Screening auf die Apple Watch: Die Funktion ist auf der Apple Watch Series 9 und neuer, auf der Apple Watch Ultra 2 und 3 sowie auf der Apple Watch SE 3 verfügbar. Grundlage ist der Accelerometer-Sensor der Uhr, der Bewegungsinkonsistenzen analysiert, die zu Atemstörungen passen können, die im klinischen Kontext mit moderat bis schwerer Schlafapnoe assoziiert sind. Entscheidend ist aber die Erwartungssteuerung: Die Uhr erkennt „konsistente Muster“ und kategorisiert sie als „Elevated“ oder „Not Elevated“. Es kommt dann zu einer Benachrichtigung, wenn der Nutzer wiederholt im „Elevated“-Bereich liegt. Dennoch bleibt der nächste Schritt verpflichtend: ärztliche Abklärung.

Damit die Funktion zuverlässig greift, verlangt Apple zusätzliche Voraussetzungen. Nutzer benötigen die neueste watchOS-Version auf der kompatiblen Uhr sowie die aktuelle iOS-Version auf dem iPhone. Außerdem müssen Betroffene erst das Sleep-Tracking einrichten und danach mindestens zehn Nächte innerhalb von 30 Tagen protokollieren, bevor Benachrichtigungen überhaupt möglich sind. Dieser „Datenfenster“-Ansatz ist technisch und regulatorisch sinnvoll: Er reduziert Fehlalarme, weil das Modell nicht auf einzelne Nächte angewiesen ist. Aktiviert wird das Ganze in der Health-App im Bereich „Respiratory“; dort findet sich „Sleep Apnea Notifications“, typischerweise unter „Set Up“. Für die Interpretation bietet Apple später eine Übersicht im Gesundheitsbereich unter „Breathing Disturbances“.

Samsung folgt einem ähnlichen Prinzip, aber mit anderen Parametern. Das Feature ist für die Galaxy Watch 4 und neuere Modelle vorgesehen; die Galaxy-Fit-Linie wird ausdrücklich nicht unterstützt. In der Smartphone-Wahl ist Samsung strenger als viele erwarten: Es reicht nicht jedes Android-Gerät, sondern Samsung verweist auf eine Galaxy-Umgebung mit der Samsung Health Monitor App. Für die Aktivierung wird das Feature in der App über „Sleep apnea“ eingeschaltet. Samsung richtet sich an Nutzer ab 22 Jahren. Bei den Datenanforderungen fällt die Lernphase deutlich kürzer aus: Es genügen zwei Nächte innerhalb von zehn Tagen, allerdings mit einer Mindest-Schlafdauer von vier Stunden je Nacht.

Auch die Ergebnislogik unterscheidet sich im Detail. Nach der Auswertung werden Resultate im Abschnitt „Sleep Apnea“ innerhalb der Samsung Health Monitor App angezeigt. Ein interessanter Betriebsmodus: Laut Funktionsbeschreibung schaltet sich das Feature nach dem Erhalt der Ergebnisse automatisch aus; Nutzer können es später erneut aktivieren. Aus Sicht eines IT- und Security-Teams ist das relevant, weil solche „episodischen“ Monitoring-Phasen die Datenmenge und damit den potenziellen Datenschutz- und Risiko-Bereich beeinflussen können. Zugleich ist die Schnittstelle zur Arztpraxis indirekt: Samsung liefert Hinweise, aber nicht die klinische Validierung. Für Anwender gilt deshalb, wie Branchenexperten betonen, der Grundsatz „Screening ist kein Ersatz für Diagnostik“ – besonders, wenn bereits Symptome bestehen oder andere Risikofaktoren vorliegen.

Zwischen Apple/Samsung und einem breiteren Wearable-Ökosystem existiert mit Withings ein bemerkenswerter Sonderfall. Die Withings ScanWatch erhielt 2021 eine FDA Clearance für das Tracking von Atmungsstörungen. Anders als bei Apple und Samsung positioniert Withings das Produkt jedoch nicht als explizites „Sleep-Apnea-Notification“-Werkzeug. Dennoch kann das Erkennen relevanter Atmungsmuster ein Signal sein, um medizinisch abklären zu lassen, was im Schlaf vor sich geht. Technisch ist das besonders spannend, weil Withings als Hersteller stärker auf eine hybrid geprägte Formfaktor-Strategie setzt: eine klassische analoge Uhr kombiniert mit einem kompakten OLED-Display (0,63 Zoll). Für manche Nutzer ist das UX-Argument entscheidend, da nicht jeder ein Wearable tragen will, das wie ein Smartphone am Handgelenk wirkt.

Wie sieht es bei anderen Anbietern aus? Garmin bietet bei einigen Uhren eine Funktion, die Atemvariationen im Schlaf protokolliert. Auch hier gilt jedoch: Eine FDA-Klarstellung für diese Kategorie ist nicht ersichtlich, und es wird nicht als Schlafapnoe-Screening mit entsprechender regulatorischer Positionierung vermarktet. Ähnlich ist es bei Oura: 2024 ergänzte das Unternehmen eine Funktion, die Atemstörungen über Nacht anhand von Abfällen im Blut-Sauerstoff-Level flaggen soll. Wiederum fehlt die Einordnung als FDA-cleared Screening-Feature. Branchenübergreifend bleibt damit die Liste der offiziell in dieser Weise positionierten Geräte klein. Das betrifft auch Anbieter wie Fitbit oder Whoop: Sie liefern zwar umfassende Schlaf- und Recovery-Metriken, aber ohne die spezifische FDA-geprüfte respiratorische Kategorie, die Apple, Samsung oder Withings adressieren.

Für die Unternehmensseite ergeben sich mehrere Implikationen. Erstens verschiebt sich der Fokus in der KI- und Sensorik-Nutzung von reinen Wellness-Kennzahlen hin zu medizinisch relevanten Workflows, inklusive Compliance, Auditierbarkeit und einer „Data-to-Decision“-Kette, die am Ende immer beim Arzt landet. Zweitens brauchen Nutzer klare Guidance: Wenn Benachrichtigungen oder Scores erscheinen, muss die Interpretation verständlich und fehlertolerant sein, etwa durch Setup- und Mindestdatenanforderungen. Drittens steigt die Relevanz von Datenschutz und Security, weil respiratorische Gesundheitsdaten besonders sensibel sind. Die beste Empfehlung bleibt daher pragmatisch: Wer Schlafapnoe-Symptome vermutet oder ein „Elevated“- bzw. vergleichbares Screening-Ergebnis erhält, sollte die Daten als Anlass nehmen, die medizinische Diagnostik einzuleiten – nicht als Endpunkt.


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