BIELEFELD / LONDON (IT BOLTWISE) – Mehrere regionale Forschungszentren, Hochschulen und Wirtschaftsförderungen schalten ab Juli gezielte Weiterbildungen frei: von KI im Ingenieurwesen bis zum Digital Twin für vorausschauende Wartung. Parallel dazu steht ab Ende Juni eine praxisnahe EMV-Schulung in Ilmenau auf dem Plan, die Hochfrequenzmesstechnik und Design-Methoden für Leiterplatten adressiert. Auch die gesellschaftliche Dimension der Digitalisierung wird mit Workshops zur digitalen Teilhabe und zur psychischen Gesundheit in der Berufsausbildung aufgegriffen. Für KMU bedeutet das: schnelleres Engineering-Know-how, aber auch neue Anforderungen an Sicherheit, Datenhaltung und Compliance.

KI- und Digital-Twin-Trainings ab Juli: KMU-Wissen für Automation und Wartung
KI- und Digital-Twin-Trainings ab Juli: KMU-Wissen für Automation und Wartung (Foto: IT BOLTWISE)
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Ab Juli rückt die Weiterbildung für KMU deutlich näher an die Umsetzung in Produktions- und Dienstleistungsumgebungen. Der Grund ist weniger ein Trendwort als ein ganz praktisches Engpassbild: In der digitalen Transformation fehlen häufig nicht die Ideen, sondern Teams, die KI-gestützte Workflows, Automationslogik und Digital-Twin-Ansätze so verbinden können, dass daraus in Monaten statt in Jahren belastbare Systeme werden. Die Sommerformate verteilen sich deshalb auf Engineering Automation, EMV-nahe Elektronikentwicklung sowie soziale Digitalisierungsprojekte. Gleichzeitig zeigen die Termine eine klare Logik: Erst technische Grundlagen, dann Integrationswissen, dann Transfer in konkrete Use Cases für Wartung, Diagnostik und Teilhabe.

Im Bereich Industrieautomation verknüpft das Angebot KI-Methoden mit klassischer Steuerungs- und Anlagenpraxis. Bei der Online-Veranstaltung „KMU Blitzlicht OWL“ am 2. Juli 2026 stehen Anwendungsfälle aus dem Engineering Automation Excellence Center im Mittelpunkt. Konkret werden Themen wie KI im Ingenieurwesen, automatisierte SPS-Programmierung und der Einsatz digitaler Zwillinge für vorausschauende Wartung adressiert. Technisch heißt das: KI-Modelle müssen Eingangsdaten aus Sensorik und Betriebsdaten in eine verwertbare Form bringen, während die SPS-Programmierung Regeln und Reaktionslogik zuverlässig in Echtzeit abbildet. Der Digital Twin fungiert dabei als Abstraktionsschicht, um Zustände, Anomalien und Wartungsfenster zu simulieren und zu bewerten.

Für die Qualität solcher Lösungen ist die Elektronik- und EMV-Seite entscheidend, weil KI und Automationssoftware sonst in der Praxis an Mess- und Stabilitätsgrenzen stoßen. Am 30. Juni 2026 lädt das IMMS in Ilmenau zu einem Seminar zur elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) ein. Im Kern geht es um Hochfrequenzmesstechnik, vektorielle Netzwerkanalyse und das Design hochfrequenter Leiterplatten. Ergänzt werden Fachpunkte wie Single Pair Ethernet sowie Power over Data Line (PoDL). Gerade bei modernen Verbindungen verschieben sich Störquellen, weil Daten und Energie in einem Kabelkonzept zusammenlaufen; ohne belastbare EMV-Strategien entstehen Fehlerbilder, die man später nur schwer in Software „wegtrainiert“. Wer Single-Pair-Topologien nutzt, braucht deshalb ein Mess- und Absicherungsdenken, das schon im Prototyp beginnt.

Auch außerhalb der Fabrikhalle wird Digitalisierung als Werkzeug verstanden. Die TU Dortmund startet am 26. Juni 2026 den Workshop „Digitale Teilhabe in Dortmund“ und bettet das Thema in ein Forschungsprojekt ein, das lokale soziale Dienste systematisch erfasst. Ziel ist eine Bestandsaufnahme, die nicht nur beschreibt, was bereits digitalisiert wurde, sondern auch untersucht, wie digitale Werkzeuge gesellschaftliche Teilhabe konkret verbessern können. Parallel dazu adressieren Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern in Magdeburg und Halle-Dessau am selben Tag einen Online-Workshop zur psychischen Gesundheit in der Berufsausbildung. Dort geht es um präventive Maßnahmen und Kommunikationsstrategien für den Ausbildungsalltag. Für Unternehmen ist das wichtig, weil KI-Einführung und Prozessumstellung erfahrungsgemäß auch Teamkommunikation, Rollen und Belastungen verändern.

Marktlich sind diese Formate auch deshalb relevant, weil große Technologieanbieter ihr Ökosystem rund um Automatisierung und KI immer stärker mit Referenzarchitekturen verknüpfen. Microsoft, AWS und Google setzen in ihren Cloud- und Datenplattformen auf skalierbare KI-Services, während im industriellen Umfeld häufig Plattformlogiken von Anbietern wie Siemens oder Bosch-dominierten Digital-Industries-Stacks die Integration treiben. KMU geraten dabei unter Zugzwang: Wer Trainings nicht priorisiert, wird entweder durch zu hohe Projektunsicherheit gebremst oder landet in Pilotprojekten ohne Produktionsreife. Branchenexperten berichten, dass sich die Erfolgsquote gerade dort erhöht, wo Unternehmen KI-Entwicklung mit Engineering-Regeln, Messdisziplin und klaren Betriebsszenarien zusammenbringen. Ein gutes Beispiel für die Brücke zwischen Theorie und Umsetzung ist der Fokus auf vorausschauende Wartung mit Digital Twins, weil daraus messbare Service-Kennzahlen abgeleitet werden können.

Aus technischer Sicht ist die zentrale Frage, wie ein Digital Twin die Datenbasis so strukturiert, dass KI nicht nur „Prognosen“ ausgibt, sondern handlungsfähige Wartungsentscheidungen unterstützt. In der Weiterbildung wird dieses Muster über Leitfäden und Checklisten konkretisiert, etwa mit einem „Digital Twin“-Leitfaden für vorausschauende Wartung sowie einer Checkliste für den KI-Einsatz im Ingenieurwesen. Typischerweise braucht das Vorgehen drei Dinge: erstens eine saubere Modellierung von Anlagenzuständen (z. B. via physiknahen Modellen oder datengetriebenen Zustandsräumen), zweitens robuste Feature-Pipelines aus Zeitreihen und Ereignissen, drittens Monitoring, das Drift erkennt, sobald sich Betriebsbedingungen ändern. Die Unterschiede zwischen Cloud-gestützter Datenverarbeitung und On-Prem-Nähe zeigen sich dabei besonders im Datenschutz und in Latenzanforderungen, etwa wenn Alarmketten innerhalb von Sekunden reagieren müssen.

Regulatorisch wird das Thema nicht „irgendwann später“ kommen, sondern spätestens beim Rollout. Wer Betriebs- und Wartungsdaten aus Produktionsumgebungen oder Gesundheitskontexten verarbeitet, muss die Prinzipien der DSGVO einhalten: Zweckbindung, Datenminimierung, Transparenz und sichere Aufbewahrung. Bei industriellen Systemen kommt häufig zusätzlich Sicherheitsstandardisierung hinzu, etwa über Prinzipien aus IEC-62443-ähnlichen Denkmodellen, selbst wenn nicht jede Organisation formal zertifiziert ist. In der Praxis bedeutet das: KI-Modelle sollten nachvollziehbar trainiert und versioniert werden, Zugriffe auf Daten- und Modelldatenströme müssen segmentiert sein, und EMV- und ESD-Festigkeit darf nicht nur als Hardwarethema verstanden werden. Störungen können sonst als „Datenrauschen“ in Workflows enden und die Robustheit im Feld reduzieren.

Für die Zukunft liefern die Termine ein klares Signal: Die nächsten Trainingswellen werden stärker interdisziplinär. Die Technische Universität München treibt ihre KI- und Machine-Learning-Forschung weiter voran und bündelt Aktivitäten nach der KI-Strategie 2025 in spezialisierten Einrichtungen wie dem Munich Data Science Institute (MDSI) und dem Munich Institute of Robotics and Machine Intelligence (MIRMI). Gleichzeitig zeigt der Gesundheitsbezug in Chemnitz eine weitere Dimension: Am 3. Juli 2026 eröffnet dort ein digitalisiertes Medizinzentrum im Johanniskarree, betrieben von der Poliklinik gGmbH Chemnitz. Ein praktisches Gesundheitskonzept, das Praxen, Diagnostik und Therapieangebote zentral zusammenführt, erfordert saubere IT-Schnittstellen und Datenschutz-Design. In Kombination mit KI-gestützter Analyse wird es dadurch wahrscheinlicher, dass Digital-Twin-Ansätze auch in Prozess- und Versorgungsplanung Einzug halten, sobald Datenflüsse standardisiert sind.

Für Unternehmen ergibt sich daraus eine konkrete Handlungslogik: Trainings wirken nur dann, wenn sie in eine Engineering-Roadmap eingebettet werden. KMU können etwa damit anfangen, eine „Wartungs- und Messstrategie“ zu definieren, bevor KI-Modelle gebaut werden: Welche Zustandsgrößen sind wirklich zuverlässig, wie werden Ausreißer erkannt, und wie werden EMV-Risiken in die Testplanung integriert? Danach lohnt sich der Abgleich, welche SPS-Logik in Echtzeit abgebildet werden muss und was in übergelagerten Modellen entschieden wird. Wenn parallel soziale Digitalisierungsprojekte in Ausbildungs- und Teilhabesettings starten, wächst außerdem der Bedarf an Trainings für Kommunikation, Change Management und Sicherheitsdenken. So entsteht aus einzelnen Workshops ein stabiler Kompetenzpfad, der die Zeit bis zur Produktreife verkürzt und Pilotchaos reduziert.


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