LONDON (IT BOLTWISE) – Der mexikanische Investor Ricardo Salinas erhöht seinen BTC-Anteil auf 80% und lehnt die viel diskutierte „KI-Bubble“ ausdrücklich ab. Damit stellt er sich gegen die Annahme, dass Anleger Kapital aus dem Krypto-Sektor in KI-nahe Aktien und Rechenzentrums-Investitionen umlenken. Gleichzeitig verteidigt Salinas die Strategie rund um die BTC-Treasury, trotz zunehmender Kritik an Strategy und der STRC-Preferred-Share-Pause. Galaxy Digital-Chef Mike Novogratz beschreibt den Markt derweil als erschöpft: Es gebe „keine Energie“ und „keine neuen Käufer“.

Ricardo Salinas liefert derzeit eine bemerkenswert klare Gegenposition zu der breiten Erzählung, dass Krypto-Assets gerade von der Euphorie rund um Künstliche Intelligenz aus dem Takt gebracht werden. Der mexikanische Unternehmer sagt, er werde die „KI-Bubble“ nicht kaufen und erhöhe stattdessen seinen Anteil an Bitcoin in seinem liquiden Portfolio auf 80%. Zuvor lag die Quote laut seinen Angaben bei 70%. Seine Argumentation erinnert weniger an Trading-Impuls und mehr an klassisches Value Investing: Er sucht Wert, der nicht mit jedem Börsen-Narrativ synchron läuft, und behandelt Bitcoin als Kernbestand.
Technisch betrachtet ist diese Haltung auch deshalb interessant, weil der „AI-Trade“ im Markt oft nicht als reines Software-Phänomen, sondern als Kapitalstrom in Rechenleistung verstanden wird. Salinas hält deshalb keine KI-Aktien oder Anleihen, sondern positioniert einen Teil seines Kapitals in Gold- und Silberminen. Bei Bitcoin sieht er den Haupthebel für Liquidität und Werterhalt. Der indirekte Kontakt zur KI-Welt kommt lediglich über ausgewählte Bitcoin-Mining-Unternehmen, deren vorhandene Rechenzentrums- und Infrastruktur-Kapazitäten theoretisch für KI-Workloads umgewidmet werden könnten. Damit verschiebt sich die Debatte von „AI statt Krypto“ hin zu „Infrastruktur statt Story“.
Im Hintergrund steht zugleich ein konkreter Unternehmenskontext, der für Anleger spürbar ist: Salinas unterstützt die Variable Rate Series A Perpetual Stretch Preferred Stock von Strategy (STRC) als für investoren „no-brainer“ und verteidigt Michael Saylor gegen Vorwürfe, Strategy agiere wie ein „Ponzi scheme“. Solche Vorwürfe tauchen in Krypto-Ökosystemen regelmäßig auf, wenn Konstrukte aus Treasury-Exposition, Ausschüttungsmechanik und Marktdynamik stärker in den Fokus rücken. Unabhängig von der Bewertung macht aber die Kurs- und Kapitalmarktmechanik die Diskussion greifbar: STRC zahlt aktuell ungefähr 11,5% Dividendenrendite, ist damit eines der renditestärkeren Instrumente, die direkt an die BTC-Treasury-Logik gekoppelt sind.
Gerade diese Kopplung gerät allerdings unter Druck. STRC schloss zuletzt nahe 88 US-Dollar, also deutlich unter dem Ausgabekurs von 100 US-Dollar (Par Value). In der Folge musste Strategy den Verkauf über At-the-Market (ATM) für die Preferred Shares pausieren, weil die Struktur im aktuellen Preisumfeld nicht mehr so wirtschaftlich bzw. steuerbar erscheint wie bei Emission oder in Phasen mit stabilerer Nachfrage. Für den Markt ist das wichtig: Die Pause ist nicht nur ein administrativer Schritt, sondern ein Signal, wie stark die Liquidität und das Vertrauen in die Treasury-Story gerade schwanken. Saylor rief zugleich zur „Bitcoin unity“ auf und argumentierte, die Chancen seien größer als der Streit.
Galaxy Digital-Chef Mike Novogratz ordnet die Gemengelage am nächsten Kurstag deutlich vorsichtiger ein. Einen Tag nach Salinas’ Aussagen beschrieb er den Krypto-Markt in einem Gespräch auf einem populären Finanz-Podcast als energielos und ohne neue Käufer. Die Formulierung „no energy“ und „no new buyers“ bringt ein grundlegendes Marktproblem auf den Punkt: Es reicht nicht, dass Bitcoin langfristige Zyklen verspricht; kurzfristig müssen auch frische Einstiege stattfinden, damit Liquidität nicht nur umgeschichtet, sondern tatsächlich aufgebaut wird. Das ist auch der Hintergrund, warum Novogratz langfristig Investoren auffordert, Bitcoin weiterhin zuzutrauen, der historische Vier-Jahres-Rhythmus könne 2026 wieder Nachfrage anstoßen.
Novogratz bleibt dabei konsistent: Er sieht KI als Faktor, der „crypto’s thunder“ klaut. Diese Rotationsthese wird im Markt häufig als Kapitalflucht in KI-nahe Infrastruktur gespielt: Rechenzentren, Spezial-Hardware, Datenplattformen und KI-Anwendungsunternehmen ziehen Aufmerksamkeit an, und damit auch Kapital. Die Gegenposition von Salinas wirkt deshalb wie ein bewusst gesetztes Gegengewicht. Sein Timing ist zudem bemerkenswert: Er beschreibt den Aufbau seines BTC-Anteils während eines achtmonatigen Rückgangs, vom Niveau über 120.000 US-Dollar im Vorjahr bis auf ungefähr 60.000 US-Dollar im aktuellen Umfeld. In einer solchen Phase ist die psychologische Hürde für Neueinstiege hoch, weshalb seine 80%-Quote eher als Stabilitätsversuch denn als aggressives Momentum zu lesen ist.
Für die Marktdynamik bedeutet das: Wenn prominente Investoren öffentlich nicht dem KI-Hype folgen, wird die Diskussion weniger über „Narrative“ und mehr über Portfoliomechanik geführt. Stocktwits-typische Retail-Sentimentschienen zeigen laut den Angaben im Input eine Bewegung von „bullish“ zu „neutral“ bei BTC, während das Thema im Tagesgeschehen eher auf niedrigen Niveaus diskutiert wurde. Solche Stimmungswerte sind kein fundamentales Messinstrument, aber sie korrelieren oft mit der Bereitschaft, Risiko aktiv einzugehen. Gleichzeitig ist der Markt in 2026/2025 stark von Liquiditätszyklen abhängig: Bitcoin liegt laut Input bisher über 26% im Jahresverlauf unter Ausgangsniveau und rund 50% unter dem Allzeithoch. In diesem Umfeld können Unternehmen wie Strategy mit STRC-Pause sogar die Richtung mitbestimmen, weil die erwartete Kapitalzufuhr gedrosselt wird.
Der Ausblick hängt damit an zwei Faktoren: Erstens, ob die Käuferbasis für Bitcoin wieder anzieht, und zweitens, ob die Infrastruktur-Story rund um KI tatsächlich nachhaltige Kapitalströme erzeugt oder nur kurzfristig Aufmerksamkeit bündelt. Wenn die Käuferflaute anhält, bleiben Volatilität und Spreads im Krypto-Markt hoch; dann werden auch Treasury-gekoppelte Instrumente wie STRC stärker vom Sentiment beeinflusst. Wenn dagegen langfristige Investoren Nachfrage zurückbringen, kann der historische Zyklus die Rotationstheorie teilweise entkräften. Für Unternehmen und Entwickler heißt das: KI-Projekte sollten unabhängig von Krypto-Narrativen geplant werden, aber die reale Rechenzentrums-Infrastruktur bleibt ein gemeinsamer Nenner. Salinas’ Hinweis, dass Mining-Kapazitäten perspektivisch auch für KI-Workloads genutzt werden könnten, erinnert daran, dass „AI vs. Krypto“ im Alltag oft eher eine Frage von Hardware- und Betriebslogik ist als von Schlagzeilen.
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