LONDON (IT BOLTWISE) – Open USD soll noch in diesem Jahr als USD-Stablecoin an den Start gehen und nutzt ein ungewöhnlich breites Konsortium aus Zahlungsnetzwerken und großen Finanzakteuren. Ripple ist dabei als Day-One-Integration mit dem XRP Ledger eingeplant, aber ohne den Stablecoin selbst zu kontrollieren. Das ist für die XRP-Community mehr als nur ein Marken-Update: Es geht um Settlement-Routen, institutionelle Zahlungsprozesse und eine Konkurrenz zu Tether und Circle. Entscheidend wird sein, ob relevante Open-USD-Volumina später wirklich über das XRP Ledger laufen.

Open USD startet: Visa- und Mastercard-gebundene Stablecoin-Idee – Signal für XRP
Open USD startet: Visa- und Mastercard-gebundene Stablecoin-Idee – Signal für XRP (Foto: IT BOLTWISE)
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Open USD nimmt Fahrt auf – und zieht dabei vor allem die Aufmerksamkeit der XRP-Community auf sich. Hintergrund: Ripple taucht als sogenannter Day-One-Integration Partner in der Startaufstellung eines neuen Dollar-Stablecoins auf, der von Open Standard als unabhängiger Betreiber-Organisation umgesetzt wird. Auf der Gesellschafter- und Partnerseite stehen neben Visa, Mastercard und weiteren Zahlungsakteuren auch große Finanz- und Tech-Namen; insgesamt werden mehr als 140 Beteiligte genannt. Der Zeitplan zielt auf einen Live-Gang noch in diesem Jahr. Die zentrale Frage lautet jedoch nicht „wird Ripple zum Aussteller?“, sondern „welche Rolle spielt der XRP Ledger als möglichen Transportweg“.

Technisch betrachtet setzt Open USD auf ein Modell, das die klassische Stablecoin-Dynamik verändert: Die Token werden frei geprägt und können ohne Volumenkappen wieder eingelöst werden, während die Erträge aus den Reserven nicht primär bei einem einzelnen Emittenten landen. Stattdessen sollen die Reserve-Einnahmen weitgehend an die Partnerorganisationen ausgeschüttet werden – abzüglich einer kleinen Gebühr zur Deckung der Betriebskosten. Für die Praxis heißt das: Die Stablecoin selbst bleibt als „Preisanker“ nutzbar, der wirtschaftliche Hebel wandert stärker in Richtung der Institutionen, die das System implementieren und nutzen. Ein wichtiges Versprechen ist dabei die Multi-Chain-Ausrichtung, in der mehrere Blockchains – nicht nur eine – als mögliche „Rails“ dienen.

Ein Blick auf den Markt zeigt, warum das Konsortium überhaupt so viel Rückenwind bekommt. In der Stablecoin-Landschaft dominieren bislang vor allem Tether und Circle: Beide verdienen stark über Zinserträge aus ihren Sicherheiten, Tether gilt dabei als besonders ertragsstark. Branchenbeobachter sehen Open USD deshalb weniger als weiteren „Clone“, sondern als Versuch, die Profitverteilung und damit den Anreizrahmen zu verschieben. Hinzu kommt ein regulatorischer Hebel: Der GENIUS Act soll Zahlungen von Yield an Token-Inhaber untersagen, aber Zahlungen an Partnerunternehmen nicht in gleicher Weise blockieren. Wie ein Zahlungsverkehrsexperte es sinngemäß formulierte: „Wenn die wirtschaftliche Logik nicht beim Halter landet, sondern beim Netzwerk, ändert sich auch die Verhandlungsmacht.“

Für Ripple ist der Auftritt dabei gleichzeitig taktisch und strategisch – und gerade deshalb ist er spannend. Ripple besitzt mit RLUSD bereits einen eigenen Dollar-Stablecoin, der Ende 2024 gestartet ist und auf dem XRP Ledger sowie Ethereum läuft. Dass der Konzern dennoch in ein konkurrierendes Konsortium einsteigt, wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich. Der Schlüssel liegt in der Form der Beteiligung: Ripple „stellt“ den XRP Ledger nicht als eigenen Issuer, sondern als Integrations- und Settlement-Option bereit. Das bedeutet: Der XRP Ledger kann Transaktionslasten für Open USD transportieren, unabhängig davon, ob am Ende RLUSD oder Open USD die stärkere Marktposition im institutionellen Zahlungsverkehr erreicht.

Historisch knüpfen Zahlungskonsortien an eine lange Lernkurve an. Das bekannteste Vorbild ist Facebooks Libra-Projekt: Auch dort saß eine große Partnerlandschaft hinter der Idee – und gerade die regulatorische sowie wettbewerbsrechtliche Prüfung hat das Vorhaben vor dem Launch stark ausgebremst. Open USD kommt in einem günstigeren Umfeld, bleibt aber in der Logik vergleichbar: Ein Stablecoin, der von großen Zahlungs- und Finanzakteuren „mitgetragen“ wird, zieht automatisch die Aufmerksamkeit von Aufsichtsbehörden an, insbesondere wegen möglicher Markt- und Antitrust-Fragen. Für XRP-Halter ist das wichtig, weil es zeigt: Nicht jede Kooperation wird automatisch skalieren oder schnell live gehen – und selbst nach dem Start kann es regulatorisch bedingte Anpassungen geben.

Marktseitig entsteht für Ripple vor allem ein Vorteil bei der Positionierung als Infrastrukturanbieter. Große Kartennetze haben in den vergangenen Jahren daran gearbeitet, Zahlungen über mehrere Blockchains hinweg zu koordinieren; Mastercard etwa settlete bereits RLUSD neben USDC. Genau an dieser „Rail“-Gedankenwelt knüpft Open USD an: Der XRP Ledger wird als neutraler Unterbau angeboten, um möglichst viele Pfade im Zahlungsverkehr zu adressieren. Allerdings ist die Chain-Wahl nur ein Teil der Gleichung. Open USD wird nach den bisher kommunizierten Plänen mehrere Blockchains im Portfolio haben, sodass der XRP Ledger zwar profitieren kann, aber nicht zwingend zur dominanten Settlement-Schicht wird.

Und damit kommt der Punkt, der den Kurs bewegt: „Hilft das XRP wirklich?“ Auf Basis der technischen Kostenstruktur ist die Antwort bisher eher gedämpft. Transaktionen auf dem XRP Ledger sind typischerweise sehr günstig; selbst wenn ein relevanter Anteil des Open-USD-Volumens dort abgerechnet würde, wäre der direkte Wertbeitrag in Form von Gebühren und Token-Nachfrage vermutlich nur ein kleiner Bruchteil dessen, was die Token-Bewertung ohnehin über Erwartungen, Liquidität und Marktstimmung bestimmt. Dass der XRP-Kurs trotz Ripple-Erfolgen bei Partnerschaften und beim RLUSD-Umfeld in diesem Jahr bislang gefallen ist, unterstreicht die Trennung zwischen Unternehmensfortschritten und kurzfristiger Token-Nachfrage. Open USD wirkt daher eher wie ein Schritt zur Netzwerkdominanz als ein unmittelbarer Preistreiber.

Zukunftsorientiert entscheidet sich die Story an einem einzigen Kriterium: ob tatsächlich „echtes“ Volumen entsteht und wie es sich verteilt. Sollte Open USD nach dem Live-Gang messbar mehr Aktivität auf dem XRP Ledger erzeugen – etwa durch wiederkehrende institutionelle Zahlungsflüsse – könnte sich das in On-Chain-Liquidität und Aktivitätsmetriken niederschlagen, die wiederum die Attraktivität des gesamten Ökosystems verbessern. Umgekehrt bleibt Open USD für XRP womöglich ein strategisches Side-Quest, solange die Mehrheit der Settlement-Routen auf anderen Chains landet. Für Entwickler und Enterprise-Teams ist das dennoch ein gutes Signal: Es zeigt, dass Stablecoin-Implementierungen zunehmend als „Netzwerkdienst“ gedacht werden, weniger als einzelner Token-Wettbewerb.


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