BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Neue steuerliche Pauschalen ab Januar 2026 ändern die Abrechnung von Verpflegungsmehraufwand und Übernachtungskosten bei Auslandsreisen. Gleichzeitig zeigen Daten von SAP Concur, dass Reisende wegen überlaufener Touristenzentren häufiger ausweichen und Randregionen bevorzugen. Das verschiebt Budgets, Reiserouten und Hotelverfügbarkeiten und erhöht den operativen Druck auf Travel Manager. Für Unternehmen wird damit eine saubere, automatisierte Reisekosten-Compliance zum Wettbewerbsfaktor.

Neue Pauschalen ab 2026: Was Auslands-Geschäftsreisen jetzt kosten
Neue Pauschalen ab 2026: Was Auslands-Geschäftsreisen jetzt kosten (Foto: IT BOLTWISE)
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Zum Jahreswechsel trifft in deutschen Konzernen gleich zweierlei aufeinander: steuerliche Regeln werden zum 1. Januar 2026 aktualisiert, und das Buchungsverhalten bei Geschäftsreisen gerät zugleich unter spürbaren Anpassungsdruck. Berichte aus der Branche verweisen auf eine Kombination aus steigenden Kosten, Engpässen in beliebten Urlaubszielen und regulatorischen Änderungen in mehreren europäischen Ländern. Für Travel-Management-Teams bedeutet das weniger Planungssicherheit und mehr Handarbeit bei der Abrechnung. Wer jetzt nicht sauber auf die neuen Pauschalen sowie auf die veränderte Reiseroute reagiert, riskiert Nachzahlungen, Rückfragen in Audits und unnötige Budgetabweichungen.

Wie groß die Veränderung im Alltag bereits ist, lässt sich an konkreten Kennzahlen festmachen. Laut dem SAP-Concur-Global-Business-Travel-Survey aus dem ersten Quartal 2026 bleiben Geschäftsreisen zwar ein Wachstumstreiber, aber die Reisewege ändern sich deutlich. 72 Prozent der deutschen Geschäftsreisenden hielten sich demnach in touristischen Hotspots auf; 15 Prozent meldeten konkrete Beeinträchtigungen der Arbeit durch überlaufene Regionen, weltweit sogar 24 Prozent. Vor allem die Konsequenz ist operativ relevant: 83 Prozent meiden Unterkünfte in direkten Tourismuszentren und buchen stattdessen in Randgebieten. Dahinter stehen höhere Kosten (39 Prozent), eingeschränkte Mobilität (35 Prozent) und weniger Hotelkapazitäten (32 Prozent). Sicherheitsbedenken nennen immerhin 17 Prozent als Faktor.

Diese Verschiebung wirkt wie ein Schatten auf die gesamte Expense-Logik. Sobald Hotels in Randregionen liegen, verändern sich nicht nur Übernachtungsprofile, sondern auch Anreise- und Abwesenheitszeiten, wodurch Verpflegungsmehraufwendungen häufiger „anders“ ausfallen als geplant. Für den deutschen steuerlichen Rahmen ist zudem entscheidend, dass seit 1. Januar 2026 die neuen Pauschbeträge für Verpflegungsmehraufwendungen und Übernachtungskosten gelten. Hintergrund ist ein BMF-Schreiben aus dem Dezember 2025, das die Pauschalen neu regelt. Unternehmen können diese Beträge in der Regel steuer- und sozialversicherungsfrei erstatten, sofern die Erstattungslogik und Nachweise zur Abwesenheitsdauer sauber umgesetzt sind. In der Praxis wird das mit zunehmender Reise-Fragmentierung eine Frage von Prozessqualität statt nur von Steuersätzen.

Die Beträge lassen sich an einem Beispiel konkretisieren: Für London werden für einen vollen Kalendertag der Abwesenheit 66 Euro angesetzt. Für An- und Abreisetage gelten jeweils 44 Euro. Die Übernachtungspauschale liegt bei 163 Euro pro Nacht. Komplexer wird es, wenn Arbeitgeber Mahlzeiten bereitstellen: Dann wird die Pauschale gekürzt—Frühstück mindert um 20 Prozent, Mittag- und Abendessen jeweils um 40 Prozent. Genau an solchen Stellen unterscheiden sich „funktioniert irgendwie“-Setups von robusten Compliance-Prozessen. Denn bei teilweisen Tagen, Zwischenaufenthalten und Mahlzeitenangeboten muss die Logik konsistent mit den steuerlichen Regeln abgebildet werden. Das ist der Bereich, in dem moderne Travel-Expense-Systeme typischerweise mit regelbasierten Engines, Zeitlogik und automatischer Zuordnung zwischen Reiseprogramm und Abwesenheitsfenstern arbeiten.

Ein weiterer Hebel liegt im europäischen Umfeld. So haben die Niederlande die Mehrwertsteuer auf Beherbergungsleistungen von 9 auf 21 Prozent angehoben. Hinzu kommen kommunale Kurtaxen von bis zu 5 Euro pro Person und Nacht. Die Effekte lassen sich in Nachfrageverschiebungen im ersten Quartal 2026 erkennen: Berichten zufolge verlagert sich die Buchungspraxis um rund 40 Prozent in Richtung deutscher Grenzregionen, weil Übernachtungen in den Niederlanden spürbar teurer wurden. Dieser Kontext ist für Unternehmen besonders relevant, wenn Reisebudgets historisch auf feste Routen oder wiederkehrende Standorte kalibriert wurden. Ein rein prozentualer Budgetansatz ohne geografische Sensitivität wird dann schnell ungenau.

Neben Steuern und Pauschalen spielen Kapazität und Preisdynamik zunehmend in die Kostenrechnung hinein. Auf Ibiza wurde für die Sommermonate 2026 das Mietwagenkontingent auf 14.000 Fahrzeuge pro Tag begrenzt. Kurzfristig planende Geschäftsreisende könnten dadurch ausfallen oder zu schlechteren Konditionen buchen müssen. Auch Flugpreise zeigen ein differenziertes Bild: Madrid bleibt laut den genannten Durchschnittswerten mit 241 Euro stabil, während Málaga mit 238 Euro sogar leicht günstiger liegt. Mallorca verzeichnet dagegen einen leichten Anstieg auf durchschnittlich 190 Euro. Solche Unterschiede lassen sich nicht zuverlässig über „Durchschnittspreise“ steuern, sondern verlangen eine laufende Aktualisierung von Policies, Segmentierung nach Reisezeitfenstern und eine klare Abstimmung zwischen Travel Procurement und Finance.

Damit entsteht ein Marktproblem, das auch die Tool-Landschaft betrifft. SAP Concur steht dabei exemplarisch für Plattformen, die Reisebuchung und Reisekostenabgleich entlang von Regeln automatisieren. In der Praxis konkurrieren solche Ansätze häufig mit anderen Enterprise-orientierten Systemen, etwa wenn Unternehmen Alternativen im Bereich Reise- und Spesenmanagement evaluieren. Die zentrale technische Schnittstelle bleibt allerdings ähnlich: Daten aus der Buchung müssen mit den Pauschalen, den steuerlichen Kürzungsregeln (z. B. Mahlzeiten) und mit der Abwesenheitslogik zusammengeführt werden. Im Unterschied zu „manuell ausfüllen“ ist die Datenqualität der entscheidende Faktor—und die wird bei Randregionen, geänderten An- und Abreisezeiten sowie kurzfristigen Kapazitätsengpässen schnell fragil.

Auch die makroökonomische Lage verstärkt den Druck. Die Stimmung in der Reisebranche bleibt laut Branchenausblick angespannt: Mehr als jedes zweite norddeutsche Reiseunternehmen erwartet für die laufende Saison ungünstigere Geschäfte. Als Hauptrisiken werden insbesondere anhaltend hohe Energie- und Rohstoffpreise genannt. Für Travel Manager bedeutet das: Budgetpläne müssen nicht nur steuerlich, sondern auch operativ belastbarer werden—etwa durch Szenarien für Kapazitätsengpässe, alternative Ziele und eine höhere Flexibilität bei Buchungsfenstern. Experten raten deshalb, Alternativziele konsequent zu prüfen und die aktuellen Steuerpauschalen vollständig zu nutzen. Das ist zwar „klassisches“ Steuer-Controlling, wird aber durch die neue Reisegeografie messbar komplexer.

Für die nächsten Quartale zeichnet sich eine klare Entwicklung ab: Pauschalen allein lösen nicht die Kostenfrage, wenn Reisewege sich dauerhaft verschieben. Unternehmen sollten deshalb ihre Policies zeitnah auf drei Punkte prüfen: erstens die Regel-Engine für Abwesenheitsdauer inklusive An- und Abreisetagen, zweitens die Kürzungslogik bei bereitgestellten Mahlzeiten und drittens die geografische Budgetplanung, die Effekte wie VAT-Änderungen oder Kurtaxen berücksichtigt. Historisch sind Pauschalen zwar seit Jahren ein Kerninstrument der Reisekostenlogik; neu ist vor allem, wie stark sich Reiseziele und Transportketten gleichzeitig unter Druck verändern. Wer diese Kopplung von Steuerlogik und Travel-Daten automatisiert, reduziert nicht nur Fehlbeträge, sondern senkt auch die Durchlaufzeit im Expense-Prozess. In der Folge profitieren besonders Teams mit vielen Auslandsterminen und hohen Ticketvolumina—und genau dort entscheidet sich, ob Compliance und Effizienz im selben Takt laufen.


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