LONDON (IT BOLTWISE) – Rick Hao, ehemaliger Speedinvest-Partner, hat einen Solo-GP-Fonds über 50 Mio. US-Dollar geschlossen, um weltweit Deeptech-Startups zu finanzieren. Im Fokus stehen besonders Europa und das Vereinigte Königreich, wo sich aus Forschungsergebnissen schnell skalierbare Produkte formen sollen. Der Artikel ordnet die Finanzierungsschwerpunkte ein, erklärt die technische Arbeitspraxis bei Deeptech-Investments und beleuchtet Risiken rund um Datenzugriff, Due Diligence und Sicherheitsanforderungen. Zudem wird gezeigt, wie sich das Solo-GP-Modell im Wettbewerb zu etablierten Fondspositionen differenziert.

Rick Hao schließt 50 Mio.-$ Solo-GP-Fonds für Deeptech in Europa ab
Rick Hao schließt 50 Mio.-$ Solo-GP-Fonds für Deeptech in Europa ab (Foto: IT BOLTWISE)
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Rick Hao, vormals Partner bei Speedinvest, schließt eigenen Angaben zufolge einen Solo-GP-Fonds mit einem Volumen von 50 Mio. US-Dollar. Der Ansatz ist klar auf Deeptech zugeschnitten: Nicht der „MVP in sechs Wochen“ steht im Mittelpunkt, sondern Technologien, die aus grundlegender Forschung entstehen und erst über mehrere Entwicklungsstufen hin zu Produktreife und Marktzugang gelangen. Besonders betont wird der Schwerpunkt Europa und das Vereinigte Königreich, während die Investments geographisch auch global gedacht sind. Für die Szene bedeutet das: Frühphasen-Kapital bleibt verfügbar, gleichzeitig steigt der Anspruch an strukturierte Evaluation, technische Glaubwürdigkeit und saubere Geschäftsmodelldaten.

Aus Venture-Perspektive ist ein Solo-GP-Fonds vor allem organisatorisch anders als ein klassischer Multisupport-Ansatz. Die Entscheidungswege sind kürzer, aber die Verantwortung für Kapitalallokation, Governance und Nachweis der Investment-These liegt stärker beim einzelnen GP. Genau das kann bei Deeptech ein Vorteil sein, weil Technologie- und IP-Fragen häufig mehrere Disziplinen berühren: Materialwissenschaft, Hardware-Engineering, KI-gestützte Prozesse oder auch Bio-/Medtech-nahe Workflows. Technisch betrachtet brauchen solche Teams belastbare Artefakte wie Testreihen, Benchmarks, Simulations-Setups und nachvollziehbare Reproduzierbarkeit – und nicht nur Demonstratoren auf Pitch-Deck-Niveau.

Ein praktischer Vergleich hilft: Während viele europäische Fonds tief in Partnernetzwerke, horizontale Plattformen und „Value-Add“-Programme investieren, setzt das Solo-GP-Modell stärker auf fokussierte Arbeit am Deal selbst. Wettbewerb entsteht damit nicht nur über die Post-Money-Unterstützung, sondern über die Qualität der Frühphase: Wie werden technische Risiken quantifiziert? Wie wird der Weg von Pilot zu Produktion geplant? Wie werden Liefer- und Skalierungsannahmen in belastbare Roadmaps übersetzt? In der Realität konkurriert ein neuer Solo-GP damit indirekt auch gegen Häuser wie Balderton, Passion Capital oder LocalGlobe, die ebenfalls stark auf europäische Deeptech-Cluster setzen, aber typischerweise breiter aufgestellt sind.

Für die technische Umsetzung im Fonds-Alltag heißt das: Deeptech-Due-Diligence verlangt häufig andere „Messgrößen“ als reine Software-Investments. Bei KI-gestützten Produkten reicht zum Beispiel ein Accuracy-Wert nicht; entscheidend sind Datenqualität, Label-Strategie, Drift-Management und die Frage, ob Modelle in Produktion zuverlässig kalibriert werden. Bei Hardware- oder Prozessinnovation sind dagegen Skalierbarkeit und Fertigungstoleranzen zentral. Häufig werden deshalb technische Reviews ergänzt durch Serien von technischen Q&A-Sessions, bei denen Ingenieurinnen und Ingenieure die Annahmen des Teams gegen eigene Erfahrungen spiegeln. Zusätzlich spielt Security eine wachsende Rolle: Sobald Prototypen, Testdaten oder geistiges Eigentum auf Cloud-Ressourcen liegen, müssen Zugriffsrechte, Logging und Datenklassifizierung sauber geregelt sein.

Marktlich kommt das Timing nicht zufällig. Europa hat in den vergangenen Jahren besonders in „Frontier-Tech“-Segmenten Investitionen angezogen, aber die Bedingungen wurden selektiver: In vielen Regionen verschiebt sich Kapital von reinem Wachstum hin zu nachweisbarer technischer Machbarkeit und ersten Einnahmehebeln. Analysten berichten, dass Solo-Modelle dadurch attraktiver werden können, weil sie die Unabhängigkeit erhöhen und dem Management-Team gegenüber flexibler auftreten. Wie ein Venture-Investor, der in europäischen Deeptech-Runden aktiv ist, sinngemäß sagte: „Wenn die Technologie die Hauptdeterminante ist, zählt weniger die Größe des Pools, sondern die Tiefe der Bewertung.“ Genau diese Tiefe soll der neue Fonds offenbar liefern.

Auch in der Regulatorik und im Datenschutz liegt ein relevanter Hebel. Deeptech-Teams bewegen oft sicherheits- oder regulierungsnahe Daten: Forschungsdaten, Patienten-/Bioproben-nahe Informationen oder Produktionsdaten aus sensiblen Lieferketten. Selbst wenn der Fonds nicht selbst als Betreiber auftritt, muss er im Investmentprozess sicherstellen, dass Datenübermittlungen, NDA-Handling und Zugriffsmanagement kontrolliert ablaufen. Praktisch bedeutet das: standardisierte Verträge, klare Ownership-Klauseln, Dokumentationspflichten im Rahmen des Due-Diligence-Verfahrens und technische Mindestanforderungen an Datenräume oder virtuelle Datenräume. Für Unternehmen, die später Kundenanforderungen erfüllen müssen (z. B. Auditierbarkeit), ist das eine Frühinvestition in Compliance-„Readiness“.

Die Fondsstrategie lässt sich außerdem über ein typisches Deeptech-Investmentmuster beschreiben: Erst wird ein Team mit überzeugender Technologie gewählt, dann wird der „Technical Plan“ finanziert – inklusive Prototypeniteration, Validierung und Markteintrittslogik. In späteren Finanzierungsrunden wird häufig entschieden, ob die Technologie entweder durch Skalierungskosten oder durch Verifizierungsrisiken ausgebremst wird. Ein Solo-GP kann hier in der Praxis profitieren, weil er bei Meilensteinfinanzierungen unmittelbarer eingreifen kann: Milestones werden enger mit technischen KPIs verknüpft, und bei Nichterreichen wird früher umgesteuert. Das reduziert zwar nicht automatisch das Risiko, macht aber die Risikokosten besser steuerbar.

Blick nach vorn: Wenn der Fonds seinen Fokus auf Europa und das Vereinigte Königreich konsequent verfolgt, könnte das den Wettbewerb um sehr frühe Deeptech-Runden intensivieren. Für Startups bedeutet das kurzfristig bessere Chancen auf „hands-on“-Begleitung, langfristig aber auch strengere Anforderungen an technische Roadmaps und Datenhygiene. Entwicklerinnen und Entwickler profitieren indirekt: Wer mit solchen Investoren arbeitet, baut meist früh solide Messpipelines, saubere Modell- und Experiment-Logs sowie wiederholbare Deployments auf. Ein realistischer Ausblick ist zudem, dass Solo-GP-Strukturen stärker mit spezialisierter Beratung (z. B. IP-Strategie, regulatorische Reviews, Security Assessments) verzahnt werden – nicht als „nice to have“, sondern als Teil der Investment-Routine.

Damit rückt auch die Frage nach der Vergleichbarkeit in den Vordergrund: Multispezialisierte Fonds können mit Teams und Plattformen parallel mehrere Deals begleiten; Solo-GPs müssen ihre Kapazität stärker durch Prozesse, Partnernetzwerke und standardisierte Bewertungsframeworks kompensieren. Genau hier entscheidet sich, ob ein 50 Mio.-$-Fonds mehr ist als eine Schlagzeile: Entscheidend sind Turnaround-Zeiten in der Due Diligence, Konsistenz bei der Bewertung technischer Risiken und die Fähigkeit, in Folgefinanzierungen eine klare Story über den technischen Fortschritt zu liefern. Wenn das gelingt, könnte Rick Haos Einstieg die europäische Deeptech-Landschaft in einer Phase, in der Selektivität zunimmt, spürbar unterstützen.


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