CAN THO / LONDON (IT BOLTWISE) – Can Tho setzt auf einen neuen Beirat, um Strategien für das Innovations- und Startup-Ökosystem zu koordinieren. Das Gremium soll Ressourcen vernetzen, Unternehmen beim Sprung zu mehr Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit unterstützen und Investitionen anziehen. Besonders im Blick: Ein Innovationszentrum und ein Knotenpunkt, der Forschung und Anwendung stärker zusammenführt. Damit will die Stadt den Beitrag der Gesamtfaktorproduktivität (TFP) zum BIP-Wachstum erhöhen.

Die Stadt Can Tho in Vietnam strukturiert ihr Innovations- und Startup-Ökosystem neu: Das Volkskomitee hat einen Beirat eingerichtet, der künftig Strategien und Richtlinien erarbeiten und der Verwaltung konkrete Vorschläge unterbreiten soll. Im Zentrum stehen dabei nicht nur zusätzliche Förderprogramme, sondern ein besserer Wirkungszusammenhang zwischen Behörden, Forschung und Wirtschaft. Der Auftrag umfasst die Vernetzung von Ressourcen innerhalb und außerhalb des Stadtgebiets, die Unterstützung von Unternehmen bei Innovation, Produktivität, Qualität und Wettbewerbsfähigkeit sowie die Orientierung auf messbaren wirtschaftlichen Mehrwert über die Gesamtfaktorproduktivität (TFP). Genau dieser Zielkonflikt – kurzfristige Programme vs. langfristige Produktivitätshebel – wird im Beirat adressiert.
Nach Angaben aus der Verwaltung wurde der Beirat im Rahmen eines Programms ausgerufen, begleitet von einer Rede des stellvertretenden Vorsitzenden Nguyen Van Khoi. Er ordnete die Entwicklung der letzten Zeit als Schritt von der Initiierungsphase in die Aufbau- und Entwicklungsphase ein. Technisch-politisch spannend ist dabei die Vier-Säulen-Logik, auf die Can Tho das Innovationszentrum ausrichten will: Koordination, öffentlich-private Partnerschaften, Spitzentechnologie und Kommerzialisierung. Diese Struktur ist für Startups besonders relevant, weil sie nicht nur Ideenproduktion, sondern die Verbindung zu Marktkanälen und Finanzierung abdecken soll. Gerade die Brücke zwischen Forschung und Umsetzung ist in vielen Regionen der Engpass.
Ein konkreter Schwerpunkt liegt auf dem CASIC Complex Hub. Die Stadt verfolgt die Absicht, diesen Standort zu einem zentralen Knotenpunkt weiterzuentwickeln, der Forschung und Anwendung in Wissenschaft und Technologie systematisch zusammenbringt. Aus technischer Sicht bedeutet das: Forschung darf nicht als isolierte Vorstufe enden, sondern muss in Anwendungsprojekte überführt werden – etwa durch gemeinsame Prototypen, Testumgebungen und strukturierte Übergaben an Unternehmen. Parallel soll die digitale Transformation gefördert werden, was für die Startup-Landschaft mehr Transparenz und bessere Skalierungsbedingungen schaffen kann: von Datenzugriffen über Prozessautomatisierung bis zu standardisierten Schnittstellen für Dienstleister. Damit konkurriert Can Tho um Aufmerksamkeit nicht nur regional, sondern auch in einem internationalen Standortwettbewerb.
Im Marktkontext ist der Schritt als Antwort auf eine breitere Asien-Trendlinie zu lesen: Länder wie Singapur oder auch Teile Indiens haben frühzeitig Ökosystem-Organisationen etabliert, die universitäre und industrielle Rollen verbindlich orchestrieren. Auch in Vietnam selbst werden in mehreren Städten Innovation Hubs aufgebaut; neu ist bei Can Tho jedoch der Versuch, diese Architektur stärker über Governance abzusichern. Ergänzend zeigt ein anderes Ereignis im selben Zeitraum die Investitionslogik: Wie aus einem Delegationsaustausch berichtet wurde, ermutigt Vietnam US-Unternehmen zu höheren Investitionen, insbesondere in Hochtechnologie, Innovation und der Halbleiterindustrie. Das passt zur Zielrichtung des Beirats, weil Halbleiter- und Digital-Value-Chain-Projekte typischerweise langfristige Zuliefer- und Qualifizierungszyklen erfordern – und damit von stabiler Koordination profitieren.
Für Unternehmen bedeutet der Beirat vor allem, dass Förder- und Anerkennungsmechanismen voraussichtlich stärker standardisiert werden. In der Meldung wird außerdem die Veröffentlichung von Kriterien für die Anerkennung von Innovationszentren und Startup-Förderzentren erwähnt. Das ist ein echter Hebel für Skalierung, weil Startups und Forschungsteams dadurch schneller einschätzen können, welche Programme, Partnerschaftsmodelle und Compliance-Anforderungen sie erfüllen müssen. Ein Branchenexperte für Startup-Ökosysteme fasst es sinngemäß so zusammen: „Ohne klare Bewertungskriterien investieren Partner zögerlich; erst Standardisierung macht aus einzelnen Projekten ein belastbares Ökosystem.“ In der Praxis entscheidet diese Transparenz darüber, ob Mittel in Proof-of-Concepts versickern oder in wiederholbare, marktreife Angebote fließen.
Gleichzeitig bleibt die regulatorische und datenschutzbezogene Dimension ein kritischer Punkt. Wenn digitale Transformation und Investitionsanwerbung vorangetrieben werden, wächst in der Regel auch der Datenbedarf – etwa bei Plattformen, Erprobungsumgebungen oder beim Matching von Forschung, Talenten und Unternehmen. Für die Governance des Beirats ist daher wichtig, dass Zuständigkeiten für Datensicherheit, Zugriffskontrollen und Aufbewahrung früh geklärt werden. Auch Schnittstellen zu staatlichen Stellen müssen nachvollziehbar dokumentiert sein, damit Förderprogramme auditierbar bleiben. Der Ausblick der Stadt zielt darauf, Verbindungen zwischen Verwaltung, Instituten, Universitäten, Unternehmen und Experten zu stärken und zugleich einen Mechanismus zu schaffen, der Investitionsmittel anzieht. Wenn Can Tho dabei messbar auf TFP-Wirkung und nicht nur auf Aktivitätskennzahlen setzt, könnte das Modell für andere Regionen in Vietnam als Vorlage dienen.
In den nächsten Monaten wird entscheidend, wie der Beirat die Vier-Säulen-Strategie in konkrete Roadmaps überführt. Besonders relevant sind dabei Zeitpläne für die Kommerzialisierung: Welche Pilotvorhaben laufen im CASIC Complex Hub zuerst, wie werden sie mit Unternehmen verknüpft, und wie werden Skalierungsrisiken bewertet? Im Vergleich zu klassischen Förderprogrammen mit kurzen Zyklen kann die Kombination aus Spitzentechnologie und Kommerzialisierung die Fehlerkosten senken, weil Projekte früher auf Anwendbarkeit getestet werden. Für Entwicklerteams in Startups bedeutet das eine Chance: Sie können eher an strukturierte Test- und Transferprozesse andocken statt nur an kurzfristige Finanzierung. International dürfte Can Tho damit stärker als Partnerstandort wahrgenommen werden – vorausgesetzt, die Governance liefert verlässliche Ansprechpartner, klare Kriterien und messbare Fortschrittsdaten.
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