TOKIO / LONDON (IT BOLTWISE) – SoftBank verhandelt erneut über einen Kredit in Höhe von 10 Milliarden US-Dollar, der über den OpenAI-Anteil abgesichert werden soll. Entscheidend ist diesmal eine neue eigene Rückzahlungsgarantie des Konzerns, wodurch Banken ein Rückgriffsrecht auf SoftBank erhalten. Damit verschiebt sich das Risiko vom reinen Wert der privaten OpenAI-Beteiligung hin zur Kreditwürdigkeit des Investors. Für SoftBank ist das ein weiterer Baustein, um Zusagen für Folgeinvestitionen in den KI-Ausbau ohne Verkauf der Beteiligung zu finanzieren.

SoftBank versucht, den nächsten KI-Schub zu finanzieren – und nutzt dafür ein Verhandlungsthema, das an den Kreditmärkten derzeit besonders sensibel ist: private Beteiligungen als Sicherheiten. Wie berichtet wird, stehen bei dem japanischen Technologieinvestor erneut 10 Milliarden US-Dollar im Raum, die im Kern gegen den OpenAI-Anteil strukturiert sind. Der Unterschied zur ersten Annäherung liegt jedoch in der Risikoverteilung. Statt allein auf den – schwer bewertbaren – Wert der noch nicht börsennotierten OpenAI-Aktien zu setzen, bietet SoftBank nun eine eigene Rückzahlungsgarantie. Für Banken ist das ein Signal: Sie bekommen mehr Kontrolle, falls der Sicherungswert nicht ausreicht.
Technisch und finanziell ist das mehr als eine Vertragsformulierung. In der ursprünglichen Logik hätten Kreditgeber primär Zugriff auf verpfändete OpenAI-Anteile gehabt – und bei Wertverfall wäre der Verlust weitgehend auf die Sicherheiten begrenzt geblieben. Genau diese Struktur hatten Banken zuletzt kritisch gesehen, weil private Anteile in Stressphasen weniger liquide sind und außerdem Bewertungsunsicherheit mitbringen. Jetzt dreht SoftBank das Risiko um: Mit der Garantie erhalten die Institute ein Rückgriffsrecht auf SoftBank selbst, sollte der Wert der OpenAI-Beteiligung zur Bedienung des Kredits nicht reichen. Damit wird aus einer „Wette auf den Anteil“ stärker eine „Wette auf die Zahlungsfähigkeit des Investors“.
Zum Konsortium, das SoftBank offenbar erneut anspricht, zählen laut Berichten Goldman Sachs, JPMorgan Chase und die Mizuho Financial Group. Ihre Zurückhaltung ergibt sich aus dem Marktdesign rund um OpenAI: OpenAI strebt zwar einen Börsengang an, ist jedoch derzeit nicht gelistet und hat noch kein konkretes Datum kommuniziert. Das macht Bewertung und Veräußerbarkeit komplexer als bei börsennotierten Papieren. In ähnlichen Deals – etwa dort, wo Sicherheiten wie Arm-Aktien aus einem börsennotierten Kontext stammen – lässt sich im Zweifel leichter liquidieren. Bei OpenAI bleibt hingegen unklar, wie schnell und zu welchem Preis sich Anteile in einer Krise realisieren lassen.
Hinzu kommt eine weitere Dimension, die Kreditgeber in der Risikoanalyse typischerweise gegeneinander abwägen: die laufende Performance und die Kapitalintensität der Beteiligung. Berichten zufolge verbrauchte OpenAI im ersten Quartal 2026 rund 3,7 Milliarden US-Dollar und damit mehr als die Hälfte des eigenen Umsatzes von 5,7 Milliarden US-Dollar. Reuters konnte zwar nicht klären, ob Banken darüber hinaus Zweifel an der Bewertung selbst hegen – aber das Signal zur Kostenstruktur ist für Kreditmärkte relevant. Aus Sicht eines Kreditmarkt-Analysten, der den Mechanismus solcher Sicherheitenstrukturen einordnet, gilt sinngemäß: „Je weniger klar Liquidität und Exit-Zeitpunkt sind, desto stärker müssen sich die Kreditgeber den Rückgriff auf den Emittenten absichern.“ Genau das adressiert die neue Garantie.
Für SoftBank ist der Kredit nicht Selbstzweck, sondern Teil einer größeren Finanzierungslogik: OpenAI soll offenbar als strategische KI-Beteiligung weitergehalten werden, ohne den Anteil zu verkaufen. Der Konzern hatte am 27. Februar 2026 eine Folgeinvestition von 30 Milliarden US-Dollar in OpenAI angekündigt, verteilt in Tranchen à 10 Milliarden über den Vision Fund 2. Die zweite Tranche von 10 Milliarden US-Dollar wurde nach eigener Mitteilung am 1. Juli 2026 gezahlt, finanziert über eine Brückenfazilität, die im März vereinbart wurde. Eine dritte Tranche von weiteren 10 Milliarden US-Dollar ist für den 1. Oktober 2026 geplant und könnte sich vorziehen, falls OpenAI vor dem Börsengang bewertet neu „marktfähig“ wird. Der neue Kredit liefert damit Liquidität für Rechenzentren, Halbleiter und Robotik – also genau die Bereiche, die im KI-Wettbewerb zwischen Investoren, Plattformen und Modellanbietern wie Microsoft und Google ohnehin hohe Investitionsbudgets benötigen.
Allerdings steigt gleichzeitig der Druck auf SoftBank, weil die Kapitalstruktur ohnehin angespannt bleibt. Unter Masayoshi Son hat der Konzern laut Berichten mehr als 60 Milliarden US-Dollar für OpenAI und angrenzende KI-Infrastruktur zugesagt, darunter das Rechenzentrumsprojekt Stargate. Finanziert wird das Wachstum über Schulden: Im März 2026 sicherte sich SoftBank einen Brückenkredit von 40 Milliarden US-Dollar, der bis März 2027 fällig ist; die Rückzahlung soll über bestehende Vermögenswerte und weitere Finanzierungsmaßnahmen laufen. Die Ratingagentur S&P Global hatte im März 2026 den Ausblick auf negativ gesenkt und dabei Risiken für Liquidität und Kreditqualität hervorgehoben. Der neue Kredit kommt somit on top – auch wenn die Garantie die Risikoquote der Banken relativiert. Konditionstechnisch war zuletzt berichtet worden, dass die Vorlaufstruktur eher eine Laufzeit von zwei Jahren mit Option auf ein weiteres Jahr vorsah und etwa 425 Basispunkte über SOFR, was damals rund 7,9 Prozent entsprochen hätte. Mit dem Rückgriffsrecht kann sich die Risikoprämie verschieben, aber das Grundproblem bleibt: SoftBank muss die Finanzierungssicherheit über mehrere Tranchen hinweg konsistent halten.
Der Blick nach vorn zeigt, warum die Banken dieses „Garantie-Upgrade“ so genau prüfen. Sobald ein IPO oder ein anderer Liquiditäts-Event bei OpenAI konkreter wird, könnte sich die Sicherheitenlogik verbessern – doch bis dahin bleibt OpenAI im Schattenvergleich zu Wettbewerbern wie Anthropic: Auch andere KI-Anbieter stehen unter Kapital- und Bewertungsdruck, aber ein Börsenlisting würde das Risiko für Kreditgeber typischerweise reduzieren, weil Marktpreise beobachtbar werden. Für SoftBank bedeutet die aktuelle Anpassung vor allem eines: Der Deal wird weniger abhängig von kurzfristigen Schätzungen des OpenAI-Werts und stärker von der eigenen Kreditlinie. Für die Branche heißt das, dass sich KI-Investitionen zunehmend über „strukturiertes Finanzierungshandwerk“ absichern müssen – also Garantiepakete, Rückgriffsrechte und laufende Covenants. Regulatorisch und im Sinne des Datenschutzes bleiben Parallelfragen relevant: Wo KI-Infrastruktur über mehrere Gesellschaften finanziert wird, müssen Compliance-Prozesse und Datenflüsse sauber getrennt werden, damit keine zusätzlichen Restriktionen aus dem Kapital- oder Risikoreporting entstehen. In der Summe ist es ein klassischer Corporate-Finance-Move mit KI-spezifischem Timing: SoftBank versucht, die KI-Wette auf OpenAI zu verlängern, während Banken die Risiken jetzt wieder stärker an die Konzernseite koppeln.
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