Ybbsitz / LONDON (IT BOLTWISE) – VBR Innovations bringt POV-Racing auf echte Strecken: Fahrzeuge im Maßstab 1: 10 fahren physisch, während Fans aus einem Race-Cockpit mit Force Feedback steuern. Nach Le Mans wurde die Anlage innerhalb kurzer Zeit nach Athen transportiert und dort bei der WRC Rallye Griechenland erneut aufgebaut. Insgesamt kamen laut Unternehmen mehr als 6.500 Besucher zum teleoperierten Erlebnis. Der Ansatz verbindet Event-Show mit Robotik- und Streaming-Logik und wirft zugleich Fragen zu Latenz, Sicherheit und Datenschutz auf.

Was bei Künstlicher Intelligenz oft als „nächstes großes Interface“ verkauft wird, kommt im Motorsport diesmal aus einer anderen Richtung: VBR Innovations setzt bei der VBR Race Zone auf teleoperiertes POV-Racing, das nicht nur Zuschauer „virtuell“ abholt, sondern echte Fahrzeuge auf einer physischen Strecke bewegt. Das niederösterreichische Startup stellte sein Setup im Juni 2026 gleich bei zwei Großevents vor. Beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans wurde die Race Zone in der offiziellen Fanzone gemeinsam mit Goodyear aufgebaut, im Anschluss wurde die gleiche Infrastruktur in Athen erneut eingesetzt – dort im Umfeld der WRC Rallye Griechenland. Für Fans wird daraus ein Schritt weg vom klassischen Simulator hin zu einem spürbaren Fahrerlebnis.
Technisch ist der Kern des Konzepts relativ klar: Die Fahrzeuge fahren laut Beschreibung real auf einer physischen Strecke, nicht nur in einer klassischen Simulation. Gesteuert werden sie aus einem Race-Cockpit mit Force Feedback; damit soll das Handling für die Teilnehmenden haptisch „echt“ wirken, obwohl die Maßstabsfahrzeuge im Hintergrund per Fernsteuerung bewegt werden. Die VBR Race Zone arbeitet mit Fahrzeugen im Maßstab 1: 10, was im Vergleich zu RC-klassischen Setups gleichzeitig mehr Dynamik und höhere Anforderungen an Stabilität und Sicherheit bedeutet. Entscheidend ist dabei die Latenz zwischen POV-Feedback, Steuerung und Fahrzeugreaktion – ein Punkt, der über den Spielspaß hinaus auch die Bedienersicherheit beeinflusst.
Dass VBR dafür eine Show-Infrastruktur aufbaut und im selben Monat wieder abbaut, zeigt auch den Einsatz als „Portable Tech“ im Motorsport-Umfeld. Nach dem Einsatz in Le Mans wurde die Anlage dem Bericht nach abgebaut und nach Athen transportiert. Dort kam dieselbe Strecke für das Hauptsponsor-Umfeld EKO erneut zum Einsatz, und erneut sollten rund 2.000 Fans das Racing-Angebot ausprobiert haben. Am Ende addieren sich die Teilnehmerzahlen auf mehr als 6.500 Fans über beide Eventtage hinweg. So entsteht eine interessante Marktlogik: Nicht nur die Technik zählt, sondern auch die Betriebsfähigkeit unter Eventbedingungen, also Aufbauzeit, Transportaufwand, Wiederholgenauigkeit und die Fähigkeit, die Erfahrung auch bei wechselnden Veranstaltungsstrukturen bereitzustellen.
Im Markt konkurriert derartige Attraktionslogik traditionell mit klassischen Sim-Racing-Stationen und VR-Arcade-Angeboten, bei denen die physische Bewegung auf eine virtuelle Welt beschränkt bleibt. Branchenweit gelten Betreiber solcher Setups häufig als schnelle Lieferanten für Medienwirksame Eindrücke, doch sie umgehen das Problem der echten Fahrzeugbewegung. VBR stellt sich dagegen auf den Standpunkt, dass „echter“ Fahrspaß vor allem dann entsteht, wenn Steuerimpulse und Fahrzeugantwort zeitlich sowie mechanisch konsistent sind. Für die Vermarktung ist das ein Vorteil: Marken wie Goodyear, aber auch weitere genannte Partner wie Porsche, Ford, ASUS ROG und Deutsche Telekom lassen sich in einer Erlebniswelt verankern, die mehr als nur ein Bildschirm-Entertainment ist.
Historisch knüpft das an Entwicklungen aus mehreren Strängen an: teleoperierte Robotik, immersive Medien (POV-Ansichten) und die Durchsetzung von Force-Feedback-Hardware im Entertainment. Gerade in den letzten Jahren haben sich AR/VR- und Streaming-Ökosysteme stark verbessert, wodurch „Remote Control + visuelles Feedback“ für Nutzer ergonomischer wurde. Gleichzeitig war der Weg zur belastbaren Event-Tauglichkeit nicht trivial: Viele frühe Ansätze scheiterten an instabilen Netzbedingungen, fehlender Fehlerrobustheit oder an einer zu geringen Wiederholbarkeit beim Aufbau. VBRs Vorgehen, die Anlage zwischen Großevents zu verlagern, deutet darauf hin, dass zumindest ein Teil des Systems inzwischen wie eine wiederholbare Produktions- und Einsatzkomponente behandelt wird – mit definierter Hardware-Topologie und betrieblichen Abläufen.
Unternehmensseitig ist die Ausrichtung auf Franchise-Netzwerke ein weiterer Baustein mit Marktrelevanz. Neben dem Standort in Amstetten (Niederösterreich) und einem bereits laufenden Betrieb in Bielefeld will VBR als nächsten Schritt Bratislava aufbauen. Damit verschiebt sich das Projekt von einem einmaligen Event-Experiment hin zu einer wiederkehrenden Einnahmequelle über Standorte. Aus Sicht von Enterprise- und Security-Teams ist das spannend, weil jeder neue Standort zusätzliche Anforderungen an Betriebsprozesse, Wartung, Fernzugriff und Gerätesicherheit mitbringt. Eine typischen Herausforderung teleoperierter Systeme ist zudem die Abgrenzung von Nutzerinteraktionen: Wer steuert womit, welche Bedienereingaben werden geloggt, und wie wird verhindert, dass unautorisierte Personen Zugriff auf Steuerkanäle erhalten?
Genau hier greifen Datenschutz- und Sicherheitsaspekte, die bei immersiven POV-Systemen häufig unterschätzt werden. Selbst wenn es sich nicht um biometrische Daten handelt, entstehen beim Betrieb personenbezogene Nutzungssignale: etwa Zuordnungen zwischen Person und Session, Video- oder Sensordaten aus der POV-Ansicht oder Metadaten über Steuerbefehle und Interaktionszeiten. Bei einem Franchise-Modell müssen diese Daten über mehrere Standorte hinweg konsistent gehandhabt werden, inklusive Rechteverwaltung, Protokollierung und Löschkonzept. Hinzu kommt Sicherheitsbetrieb: Latenz ist nur die eine Seite, die andere ist Resilienz gegen Störungen, Fehlbedienungen und (im Worst Case) böswillige Eingriffe in die Kommunikationsstrecke. Unternehmen werden daher genau darauf achten müssen, wie Netzsegmentierung, Authentifizierung und Zugriff auf Steuerfunktionen umgesetzt sind.
Für die Zukunft ergibt sich daraus ein plausibles Roadmap-Thema: Wenn VBR den Ansatz weiter skaliert, wird der Wettbewerb weniger über „mehr VR“ laufen, sondern über robuste KI-gestützte Assistenz für Betrieb und Qualitätssicherung. Denkbar wären etwa automatische Kalibrierung der Strecke, vorausschauende Wartungslogik für Force-Feedback-Komponenten oder adaptive Steuerungsparameter, die die Erfahrung bei schwankenden Bedingungen stabil halten. Auch lohnt ein Blick darauf, wie sich die Session-Kapazität erhöht: Bei einem hohen Besucherandrang muss das System schnell „rollbar“ sein, ohne dass die Qualität leidet. VBRs aktuelle Eventzahlen zeigen jedenfalls, dass das Erlebnisformat funktioniert – jetzt entscheidet der Systembetrieb über die nächste Wachstumsstufe.
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