BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Wer Haustiere und digitale Konten nach dem Tod absichern will, braucht mehr als einen Standardtest: Zugänge, Private Keys und steuerliche Risiken müssen früh zusammen gedacht werden. In den letzten Monaten haben Gerichte das Zugangsrecht zu Online-Konten konkretisiert und Notare zur systematischen Ermittlung digitaler Positionen angehalten. Gleichzeitig steigen die Handlungsdruck-Faktoren durch Reformverfahren bei der Erbschaftsteuer sowie die anhaltende Belastung vieler Tierheime.

Nachlassplanung wirkt im Alltag oft wie ein Thema für das „Später“ – dabei zeigt der Blick auf aktuelle Nachlass- und Tierschutzmeldungen, wie dringend sie schon heute werden kann. Immer mehr Menschen sichern über Testamente nicht nur Vermögen, sondern auch die Zukunft von Haustieren ab oder binden Tierschutzorganisationen gezielt ein. Besonders relevant ist das, weil sich die Betreuungslage häufig kurzfristig entscheidet: Ein Tier braucht nach dem Todesfall unmittelbare Unterbringung, medizinische Versorgung und Ansprechpartner. Dass auch junge Menschen vorsorgen, verdeutlicht ein bereits mit 23 Jahren verfasstes Testament eines dänischen Feuerwehrmanns, das Risiken aus seinem Beruf adressierte.
Technisch startet der digitale Nachlass oft nicht bei „Kryptowerten“, sondern bei ganz gewöhnlichen Konten: E-Mail-Postfächer, soziale Medien, Cloud-Speicher und laufende Abonnements. Genau hier setzen moderne Rechtsansätze an. Der Bundesgerichtshof stellte klar, dass solche Positionen grundsätzlich auf die Erben übergehen und dass diese ein Zugangsrecht zum gesamten Benutzerkonto haben – nicht nur zu einem Datenauszug. Für die Praxis heißt das: Erben brauchen nicht die Daten „als Export“, sondern die Möglichkeit, Konten funktional zu nutzen und ihre Rechte wahrzunehmen. Das verschiebt die Testamentslogik von reiner Archivierung hin zu operationaler Zugriffsfähigkeit.
Bei Kryptowerten wird die Planung noch konkreter – und fehleranfälliger. Juristen betonen, dass Werte ohne physische Sicherung der Private Keys oder der Seed-Phrases praktisch unwiederbringlich verloren sind. Es reicht damit nicht, nur „Krypto“ im Testament zu erwähnen oder eine Börsenadresse zu nennen. Zusätzlich hat ein Beschluss die Rolle der Notare gestärkt: Notare sollen digitale Positionen im Nachlassverzeichnis ermitteln. Für Erblasser folgt daraus ein klarer Handlungsweg: Sie sollten digitale Nachlassklauseln formulieren, die Zugriff, Verantwortlichkeiten und Abstufungen regeln, und einen Digitalnachlassverwalter benennen, der nach dem Todesfall schnell handeln kann.
Damit wird der digitale Nachlass auch zum Markt- und Wettbewerbsthema. Während klassische Testamentsgestaltung sich über Jahrzehnte entlang von Papier, Vollmachten und Bankprodukten entwickelt hat, entstehen heute parallele Ökosysteme rund um Identitäten, Kontoverwaltung und Kontozugänge. Technologiedienstleister wie Google mit „Inactive Account“-ähnlichen Funktionen oder große Plattformanbieter mit „Ratgeber“-Modellen für Erben zeigen, dass die Industrie Zugriffslogiken zunehmend in die Produktwelt übersetzt. Rechtlich entscheidet jedoch weiterhin der konkrete Einzelfall: Wer nur auf digitale „Recovery“-Flows setzt, unterschätzt, dass Erben oft nicht rechtzeitig Zugriff erhalten. Aus der Branche heißt es daher, dass Unternehmen und Notariate stärker zusammenarbeiten müssen, damit die rechtliche Zugriffsebene und die technische Account-Welt synchron laufen.
Parallel wächst der Druck auf die steuerliche Planung. Beim Bundesverfassungsgericht läuft ein Verfahren zur Erbschaftsteuer mit dem Aktenzeichen 1 BvR 804/22, diskutiert wird unter anderem eine stärkere Belastung großer Nachlässe sowie eine mögliche Verschärfung der Verschonungsregeln für Betriebsvermögen. Diese liegen im Erbschaftsteuergesetz in den Paragrafen 13a bis 13c. Für Erblasser bedeutet das: Das Handlungsfenster ist potenziell begrenzt, weil Reformen in der Regel rückwirkungsarm oder zumindest mit Übergangslogiken kommen, die Gestaltungen zeitlich relevant machen. Finanz- und Steuerberatung bewegt sich damit stärker in Richtung Szenariorechnung, nicht in Richtung Einmalentscheidung.
Die menschliche Seite der Planung bleibt indes häufig die, die zuerst „einfriert“: Tiere und Tierschutzorganisationen. In Düsseldorf hat die Stadt Anfang Juli einen Aufnahmestopp für Hunde verhängt, weil Kapazitäten durch Privatabgaben und Sicherstellungen erschöpft waren. Zusätzlich verschärft eine Hitzewelle die Situation, weil pflegebedürftige Wildtiere massenhaft in Einrichtungen gelangen. Tierschutzorganisationen fordern daher, Wildtiere stärker in staatliche Hitzepläne einzubeziehen. Gleichzeitig zeigt die Gesetzgebung Bewegung: Die Bundesregierung arbeitet an einer Novellierung des Tierschutzgesetzes, priorisiert Tierhaltungskennzeichnung und verpflichtende Videoüberwachung in größeren Schlachthöfen. Auch in Österreich gelten seit 1. Juli 2026 neue Zirkus-Regeln, die bestimmte Tierarten – darunter Alpakas, Kamele und Wasserbüffel – vom Mitführen ausschließen.
Für die Zukunft wird es vor allem um die Verzahnung von Recht, Technik und Finanzierung gehen. Renommierte Organisationen expandieren trotz knapper Kassen: Gut Aiderbichl hat in Pocking den ehemaligen Sternenhof übernommen und plant dort künftig rund 330 Tiere; ein Tag der offenen Tür mit Katzen-Café ist für den 8. August 2026 vorgesehen. Solche Projekte finanzieren sich oft nahezu ausschließlich über Spenden und Erbschaften, was Nachlassplanung gesellschaftlich unmittelbar wirksam macht. Künftige Entwicklungen dürften zudem stärker in Richtung Standardisierung gehen: Digitale Nachlassregister, klarere Notarprozesse zur Ermittlung digitaler Positionen und praxisnahe Testamentsmuster, die Kryptowissen und Kontozugang in einer einzigen Struktur abbilden, statt in verstreuten Dokumenten. Wer das jetzt umsetzt, reduziert Haftungsrisiken und beschleunigt Hilfe nach dem Todesfall.
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