NEW YORK / LONDON (IT BOLTWISE) – Die SpaceX-Aktie steht schon wieder unter Verkaufsdruck: Nach dem Sprung in den NASDAQ 100 rutscht der Kurs am Montag um mehr als vier Prozent ab und nähert sich dem Ausgabepreis von 135 Dollar. Auslöser sind neue Fortschritte bei wiederverwendbaren Raketen aus China, die den Wettbewerbsvorteil von SpaceX mittelfristig relativieren könnten. An der Wall Street bleibt die Mehrheit dennoch bullish – Morgan Stanley und Bernstein Research sehen zwar Risiken, aber auch klare Upside-Szenarien. Der nächste Belastungstest für die Bullen-These kommt mit dem 13. Starship-Testflug am 16. Juli.

SpaceX-Aktie unter Druck: China holt wiederverwendbare Booster zur Landung ein
SpaceX-Aktie unter Druck: China holt wiederverwendbare Booster zur Landung ein (Foto: IT BOLTWISE)
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Kaum hat es die SpaceX-Aktie in den NASDAQ 100 geschafft, kippt die Stimmung erneut: Am Montag fiel der Kurs um mehr als vier Prozent und steht damit bereits zum zweiten Handelstag auf der Abwärtsseite. Damit rückt der Bereich um den Ausgabepreis von 135 Dollar wieder in den Fokus. Dass Anleger so schnell nervös werden, wirkt zunächst wie ein Paradoxon – denn die Indexaufnahme hatte kurzfristig frisches Kapital ausgelöst. Doch der Mechanismus hinter Indexinvestments erklärt nicht, warum eine einzelne Nachrichtenlage die Nachfrage dauerhaft überwiegen kann. Genau hier setzt die aktuelle Diskussion um Chinas Fortschritte bei wiederverwendbaren Raketen an.

Der technische Kern der Bewegung liegt weniger in Fundamentaldaten als in der Marktmechanik rund um den NASDAQ-100-Einzug. Passive Fonds, die den Index abbilden, mussten ihre Portfolios anpassen und kauften entsprechend SpaceX-Anteile zu. Möglich wurde die schnelle Umsetzung laut der beschriebenen Börsenlogik durch eine geänderte Regel, nach der neu gelistete Unternehmen bereits innerhalb eines Monats nach dem Börsengang im Index berücksichtigt werden. In ruhigen Marktphasen hält so ein Zufluss häufig mehrere Wochen. Der aktuelle Kursrutsch zeigt jedoch, dass Verkaufsdruck aus dem Nachrichtenfluss – und nicht allein das Index-Rebalancing – kurzfristig die Oberhand gewinnt.

Während SpaceX operativ vor allem über Wiederverwendung, Produktionsrhythmen und Startfrequenzen diskutiert wird, kommt die Konkurrenz nun aus einem anderen Takt: aus Peking. Der staatliche Raumfahrtkonzern CASC hat nach dem Start die erste Stufe der Rakete „Langer Marsch 10B“ kontrolliert zurückgeholt – per Netzfang auf einem Bergungsschiff. Damit gelang China als dritte Organisation nach SpaceX und Blue Origin die Bergung einer orbitalen Raketenstufe. Der volle Wiederverwendungsnachweis steht zwar noch aus, dennoch plant CASC, den Booster noch in diesem Jahr erneut zu starten. Für SpaceX ist das deshalb relevant, weil Wiederverwendung als Kostentreiber und Planbarkeitssignal im Markt gilt.

An der Börse wird diese Entwicklung sofort in Wettbewerbsterwartungen übersetzt. Morgan Stanley stuft den Fortschritt Chinas bei wiederverwendbaren Raketen inzwischen als größte langfristige Bedrohung für SpaceX ein und argumentiert dabei mit einem wachsenden Ökosystem aus staatlichen Programmen und privaten Anbietern wie LandSpace oder Galactic Energy. Zur Einordnung liefert der Bericht auch den Vergleich der Startzahlen: China kam 2025 auf 90 Orbitalstarts, während die Falcon-9-Flotte auf 165 kommt. Gleichzeitig bleibt China damit bereits der zweitgrößte Startmarkt der Welt. Die US Space Force hatte China zuvor noch drei bis fünf Jahre von der Wiederverwendbarkeit entfernt gesehen – der aktuelle Erfolg könnte diese Lücke zumindest zeitlich verkürzen, auch wenn die Einstufung bei „Overweight“ bleibt und ein Kursziel von 300 Dollar nennt.

Bernstein Research ordnet die Lage ähnlich ein, aber mit stärkerer Differenzierung. Der Jungfernflug der Langer Marsch 10B sei rund sechs Monate früher als erwartet erfolgt; die eigentliche Konkurrenz bestehe aber weniger in einem einzelnen Unternehmen als in Chinas geschlossenem Vorstoß – sowohl beim Mondprogramm als auch bei großen Satellitenkonstellationen im niedrigen Erdorbit. Genau an dieser Stelle wird klar, warum der Markt bei SpaceX aktuell zwischen kurzfristigem Kursrauschen und langfristigem Wettbewerbspotenzial abwägt. Ein technischer Vergleich hilft: Bei wiederverwendbaren Boostern entscheidet nicht nur die Bergung, sondern der gesamte Prozess aus Flugprofil, Thermal- und Strukturlasten, Turnaround-Zeit und der Wiederverwendungsrate über mehrere Iterationen hinweg. Ein einzelner erfolgreicher Fang ist ein Signal, aber noch kein Beweis für Durchsatz und Zuverlässigkeit.

Obwohl die Konkurrenzsorgen die Schlagzeilen dominieren, bleibt das Gesamtbild an der Wall Street bislang überwiegend bullish. Von 35 Analysten, die Bloomberg listet, raten 29 zum Kauf, einer zum Verkauf, der Rest zum Halten. Das durchschnittliche Kursziel liegt rund 70 Prozent über dem aktuellen Kurs; die Werte von Bernstein und Morgan Stanley bewegen sich dabei zwischen 239 und 300 Dollar und markieren eher das konservative Ende der Erwartungen. Entscheidend ist jedoch, wann sich diese Kursziele in reale operative Kennzahlen übersetzen. In diesem Kontext wird der nächste Termin zu einem direkten Stresstest: Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat ihre Untersuchung zum 12. Starship-Testflug abgeschlossen und damit die Freigabe für den 13. Testflug am 16. Juli erteilt. Für Unternehmen bedeutet das: Compliance und Sicherheitsbewertung sind nicht nur bürokratische Hürden, sondern beeinflussen den Zeitplan der Lernkurve.

Der weitere Verlauf hängt deshalb an zwei Ebenen. Erstens müssen Starship und Starlink Fortschritte zeigen, die potenzielle Kostenvorteile oder Kapazitätssprünge der chinesischen Entwicklung messbar übertreffen oder mindestens stabilisieren. Zweitens bestimmt die Geschwindigkeit, mit der regulatorische Prüfungen in operative Schritte übergehen, wie schnell sich Investments in neue Start- und Nutzlastlogik in Umsatz- und Margin-Potenziale verwandeln. Gerade hier sind Parallelen zur Historie sinnvoll: Bereits in der Vergangenheit hatten einzelne Demonstrationsflüge selten sofort das volle wirtschaftliche Versprechen eingelöst; entscheidend war fast immer die wiederholte Performanz über mehrere Starts. Wenn am 16. Juli robuste Ergebnisse und ein klarer Fortschrittsmodus sichtbar werden, kann das die kurzfristige Nervosität in Richtung mittelfristiger Planungssicherheit drehen.


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