BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) kritisiert die EU-Reform zur Banken-Wettbewerbsfähigkeit als bisher zu allgemein. Im Zentrum steht die Sorge, dass der Output-Floor in Deutschland für betroffene Institute bis 2032 zu weiter steigenden Eigenkapitalquoten führt. Der vdp fordert deshalb eine dauerhafte Fixierung des Output-Floors auf dem Einstiegsniveau von 50 Prozent. Damit soll der „Autopilot“-Effekt beim Kapitalanstieg gebremst werden, ohne die Finanzstabilität zu gefährden.

vdp fordert dauerhafte Fixierung des Output-Floors bei 50 Prozent
vdp fordert dauerhafte Fixierung des Output-Floors bei 50 Prozent (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Europäische Kommission will den Bankensektor wettbewerbsfähiger machen, doch aus Sicht des vdp fehlt der entscheidende Schritt von der Diagnose zur Umsetzung. In der jüngst veröffentlichten Mitteilung werden zwar mehrere Schwächen des bestehenden Regulierungsrahmens benannt, konkrete, schnell wirksame Lösungspakete sollen hingegen noch nicht ausreichend vorliegen. Der Verband verweist außerdem auf die zeitliche Dimension: Fast zwei Jahre nach dem Draghi-Report und während sich die Debatten in anderen Rechtsräumen beschleunigen, bleiben zentrale Stellschrauben in der Kapitalentlastung unzureichend greifbar.

Technisch betrachtet geht es dabei weniger um abstrakte Bürokratieabbauversprechen, sondern um eine harte Steuerungslogik der Eigenmittelunterlegung. Der vdp argumentiert, dass für die in Deutschland vom Output-Floor betroffenen Banken bereits beschlossene Regelpfade von heute bis 2032 zu einem zusätzlichen Eigenkapitalanstieg von rund 20 Prozent führen. Der Output-Floor wirkt dabei wie eine Untergrenze, die verhindert, dass interne Modellrechnungen (z. B. im Rahmen fortgeschrittener Ansätze) die Kapitalanforderungen zu stark drücken. Der Verband plädiert daher für eine dauerhafte Fixierung auf 50 Prozent, um den Kapitalaufwuchs dauerhaft zu begrenzen.

Im Marktkontext wird die Debatte zugleich als Wettbewerbsfrage gelesen: Wenn europäische Institute länger höhere Kapitalunterlegungen tragen müssen, sinkt das Kreditvergabepotenzial gegenüber Konkurrenten. Der vdp stellt dabei einen Vergleich zu den USA her: Dort würden US-Institute offenbar Kapitalentlastungen erhalten, während Europa diese Entwicklung im aktuellen Reformansatz weiterhin nicht deutlich genug aufgreift. Aus Unternehmenssicht ist das relevant, weil „mehr Eigenkapital“ nicht nur die Risikotragfähigkeit erhöht, sondern auch die Kosten der Bilanz streifen kann. Entscheidend ist, wie die Regulierung die Balance zwischen Stabilität und der Finanzierung der Realwirtschaft ausbalanciert.

Auch die Frage nach Konsolidierung bekommt in der Kritik ein schiefes Licht: Die EU-Kommission widme sich dem Thema Zusammenschlüsse im Bankenmarkt sehr intensiv, während Kapitalentlastungen nur untergeordnet adressiert würden. Aus vdp-Sicht ignoriert das die Wechselwirkung zwischen Eigenkapitalhöhe/-niveau und der Kreditvergabefähigkeit. Der Verband betont ausdrücklich, dass es nicht um massive Kapitalfreisetzungen gehe, sondern um die Fortführung der Stabilitätsziele, die bereits durch Basel III erreicht wurden. In der Konsequenz fordert er eine sachgerechte Anpassung, die den Sicherheitsstandard bewahrt und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit spürbar stützt.

Historisch gesehen ist der Output-Floor keine neue Idee, sondern eine Antwort auf die Erfahrung, dass Modellbasierte Ansätze in der Praxis zu inhomogenen Ergebnissen führen können. Die EU-Bankenregulierung versucht seit Jahren, sowohl Risikosensitivität als auch Vergleichbarkeit sicherzustellen. Dabei entsteht oft ein Spannungsfeld: Je stärker man Modellfreiheit reduziert, desto stärker können Kapitalanforderungen „glatter“ ausfallen, gleichzeitig sinken aber möglicherweise die Anreize, tatsächliche Risikomerkmale differenziert abzubilden. Genau hier setzt der vdp an: Der Output-Floor solle als Backstop dienen und nicht zur alles bestimmenden Steuerungsgröße werden.

Für die Umsetzung verweist der vdp zusätzlich auf konkrete Anpassungsfelder rund um bestimmte Kreditkategorien. So sei die Behandlung der Eigenkapitalunterlegung von Wohnimmobilienkrediten sowie ungerateten Unternehmenskrediten offenbar als Anpassungsbedarf erkannt worden; eine Verstetigung bislang befristet gewährter Privilegien sei deshalb sachgerecht und dringend. Daneben fordert der Verband eine vergleichbare Behandlung bestimmter Gewerbeimmobilienfinanzierungen, die in Hard-Tests identisch geringe Ausfallraten nachweisen könnten. Solche Differenzierungen sind für Bank-CIOs und Risikoteams besonders relevant, weil sie direkt in die Kapitalplanung, in die Modellvalidierung und in die Kreditportfolio-Strategie hineinwirken.

Weiterhin nennt der vdp einen besonders kritischen Punkt: die prohibitive Eigenkapitalunterlegung von ADC-Finanzierungen (Acquisition, Development and Construction), also der typischen Projektfinanzierung für Neubau und Sanierung. Der Verband bezeichnet die aktuelle Behandlung mit einem Risikogewicht, das dem eines ausgefallenen Kredits entspricht, als „Konstruktionsfehler“ der europäischen Basel-III-Umsetzung. Regulatorisch heißt das: Der Mechanismus setzt dem ökonomischen Profil von Projektphasen und Sicherheiten tendenziell falsche Grenzen. Wirtschaftspolitisch kollidiert das aus Sicht des vdp mit Zielen wie Wohnraum schaffen und den Umbau des Gebäudebestands nachhaltig beschleunigen.

Für den Ausblick erwartet der vdp, dass auf die Analysen der Kommission nun zügig konkrete Gesetzgebungsvorschläge folgen. Benötigt werde eine Bankenregulierung, die sach- und risikogerecht ausgestaltet ist, den Sicherheitsstandard wahrt und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der Kreditwirtschaft in den Fokus rückt. Für Unternehmen und Entwickler im Finanzsektor bedeutet das: KI-gestützte Risikomodelle, Kredit-Scoring und Bilanzplanung werden weiterhin stark regulierungsgetrieben sein, aber die „Spielräume“ in der Kapitalwirkung könnten sich ändern. Wenn der Output-Floor tatsächlich dauerhaft fixiert würde, dürfte das die Planbarkeit für Kreditvergabeprogramme verbessern und den politischen Druck auf schnellere, differenzierte Portfolio-Strategien erhöhen.


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