MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Mit „zwischen dings“ startet in Giesing ein temporäres Kunst- und Arbeitsprojekt in der Tegernseer Landstraße 80. Für sechs Monate bündelt ein Team aus sieben Kreativschaffenden Ateliers, Galerie, Workshops und Co-Working unter einem Dach. Im Zentrum steht die aktive Einbindung der Öffentlichkeit: Besucher können Prozesse erleben, sich austauschen und gemeinsam arbeiten. Gleichzeitig reagiert das Projekt auf den Mangel an bezahlbaren Räumen in der Münchner Szene und unterstützt damit nicht nur das Team, sondern auch das wachsende Netzwerk externer Kreativer.

In Münchens Stadtteil Giesing entsteht gerade ein Format, das vor allem dort ansetzt, wo Kreativschaffende täglich auf Grenzen stoßen: fehlende bezahlbare Flächen für Arbeit, Präsentation und Begegnung. Das temporäre Projekt „zwischen dings“ startet ab sofort in der Tegernseer Landstraße 80 und wird für sechs Monate aufgebaut. Verantwortlich ist ein interdisziplinäres Team aus sieben Münchner Kreativschaffenden. Das Konzept beschreibt den Raum nicht als geschlossene Galerie, sondern als multifunktionalen Ort, an dem Öffentlichkeit nicht nur zuschaut, sondern aktiv in künstlerische Prozesse hineinwirken kann.
Technisch betrachtet ist das vor allem eine Frage der Betriebslogik: Welche Funktionen müssen in einem Gebäude zusammenpassen, damit daraus ein stabiler Arbeits- und Veranstaltungsbetrieb wird? Der Ansatz von „zwischen dings“ verbindet Atelier, Galerie sowie Workshop- und Veranstaltungsfläche zu einem durchlässigen System. Dadurch entstehen Schnittstellen zwischen Kunstproduktion und Kulturvermittlung, aber auch konkrete Wege, wie aus einem spontanen Gespräch ein Lernformat oder aus einem Workshop eine fortgesetzte Zusammenarbeit werden kann. In der Praxis bedeutet das: Raumplanung und Tagesabläufe sind so zu gestalten, dass nicht jede Aktivität den gesamten Ort umkrempelt.
Der zeitliche Rahmen wirkt dabei wie ein bewusstes Risiko- und Lerninstrument. Sechs Monate sind lang genug, um wiederkehrende Formate wie Workshops oder Artist Talks zu etablieren, und kurz genug, um bei Bedarf nachzusteuern. Besonders relevant ist die offene Ausrichtung auf externe Kreative: Der Ort bleibt nicht auf das eigene Team begrenzt, sondern ist auch für Künstler*innen und Kreative aus dem bestehenden Netzwerk zugänglich. Branchenanalysten sehen solche temporären Nutzungsmodelle zunehmend als „Brückenbau“ zwischen regulären Mietverträgen und flexiblen Projektphasen, weil sie Markteintrittsbarrieren senken und Netzwerke schneller aktivieren.
Auch aus Markt- und Wettbewerbs-Sicht ist „zwischen dings“ interessant, weil es sich in einer Landschaft bewegt, die bereits etablierte Referenzmodelle kennt. Mit Formaten wie den Impact Hub Communities oder ähnlichen Maker- und Coworking-Spaces existieren Vorbilder, bei denen Community, Wissenstransfer und Arbeitsflächen als Plattform funktionieren. Der Unterschied liegt hier jedoch in der Schwerpunktsetzung: Kunst als Produktionsort und Kulturvermittlung als integraler Bestandteil stehen im Vordergrund, während Coworking und Veranstaltungen als Betriebsmittel dienen. Das kann gerade für unabhängige Kreative mit wechselnden Projekten attraktiv sein, weil sich Präsentation und Arbeit nicht getrennt voneinander planen lassen müssen.
Finanziell wird das Projekt im kommunalen Kontext abgesichert: Die Unterstützung erfolgt durch Kreativ München als kommunale Fördereinrichtung für die Kultur- und Kreativwirtschaft gemeinsam mit dem Kulturreferat. Gefördert wird das Vorhaben im Rahmen des Fonds für innovative kulturelle Zwischennutzung mit einer Fördersumme von 5.285 Euro. Diese Zahl ist im Verhältnis zu klassischen Raumbelegungen nicht riesig, aber sie adressiert typischerweise genau die Anfangshürden: Aufbau, Koordination und die programmatische Dichte, die nötig ist, damit aus einem „Pop-up“ mehr als eine einmalige Veranstaltung wird. Aus der Praxis heißt das: Das Budget entscheidet weniger über Luxus als über Durchführbarkeit.
Ein wichtiger Kontext liegt in den strukturellen Herausforderungen der Münchner Kunst- und Kreativszene, insbesondere dem Mangel an bezahlbaren Arbeits-, Präsentations- und Begegnungsräumen. Genau hier versucht „zwischen dings“ gegenzusteuern, indem es temporär und kollektiv organisiert ist. Für die Zielgruppen bedeutet das: Wer selbstständig arbeitet, kann Formate wie Co-Working oder gemeinsame Arbeitsphasen nutzen, ohne sofort in dauerhafte Fixkosten gezwungen zu werden. Gleichzeitig stärkt das Modell die Sichtbarkeit: Kultur- und Kreativbranche bleiben nicht auf einzelne Events beschränkt, sondern werden über regelmäßige Begegnungen in den Stadtteil hinein verankert. Marktbeobachter erwarten in solchen Projekten oft einen Nebeneffekt, der über den Zeitraum hinausreicht – nämlich neue Kooperationen, die später in etablierte Strukturen übergehen.
Bei aller Offenheit spielen auch Governance- und Compliance-Themen eine Rolle, gerade wenn Öffentlichkeit aktiv eingebunden wird. Sobald Veranstaltungen stattfinden und gegebenenfalls Fotos, Workshop-Material oder Feedback ausgetauscht wird, müssen Verantwortliche Datenschutz und Einwilligungsprozesse ernst nehmen. Dazu gehören klare Regelungen, wer welche Daten verarbeitet, wie Teilnehmerinformationen gespeichert werden und wie Einwilligungen widerrufbar dokumentiert werden. Ebenso wichtig ist Barrierearmut im Veranstaltungsdesign: Wenn das Projekt Austausch und Lernen ermöglichen will, müssen Zugänge, Kommunikation und Programmdichte für unterschiedliche Teilnehmende funktionieren. Selbst bei einem temporären Aufbau ist das kein „Nice-to-have“, sondern Teil der Qualitätssicherung.
Für die Zukunft lässt sich bereits eine belastbare Entwicklungslinie ableiten. Temporäre Räume wie „zwischen dings“ können als Testfeld dienen, um Bedarfe der Szene datenbasiert zu priorisieren: Welche Workshopformate ziehen besonders viele neue Besucher an? Wie lassen sich Zeiten für Co-Working so strukturieren, dass wirklich Arbeitsphasen entstehen und nicht nur punktuelle Besuche? Wenn das Konzept nach sechs Monaten erfolgreich evaluiert wird, ist der nächste Schritt typischerweise eine Verlängerung oder der Transfer in ein größeres Netzwerkangebot. Kreativschaffende und Organisationen gewinnen dabei vor allem dann, wenn die gewonnene Betriebserfahrung in nachhaltige Partnerschaften überführt wird – etwa in Form von Folgeformaten oder neuen Kooperationen mit ähnlichen Initiativen.
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