BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – EverYield legt mit 100 Millionen Euro den Grundstein für ein neues Forschungszentrum, das im Oktober 2026 startet. Im Fokus stehen Phosphorrückgewinnung, Kreislaufwirtschaft und digitale Umwelttechnologien, darunter die FlashPhos-Technologie zur thermischen Klärschlammverwertung. Das Projekt bindet Hochschulen und Industrie eng ein und zielt auf skalierbare Lösungen für Betreiber kleiner und mittlerer Kläranlagen. Ergänzend treibt die Region Lausitz mehrere Netzwerk- und Pilotvorhaben für ressourcenschonende Verfahren voran.

EverYield nimmt mit einer Investition von 100 Millionen Euro Kurs auf die nächste Stufe der Umwelttechnologie: Das neue Forschungszentrum soll im Oktober 2026 öffnen und drei Themen konsequent zusammenführen, die in der Praxis oft getrennt betrachtet werden. Erstens steht die Phosphorrückgewinnung im Mittelpunkt, zweitens geht es um Kreislaufwirtschaft entlang ganzer Wertschöpfungsketten und drittens um digitale Umwelttechnologien, mit denen sich Prozesse nachweisbar steuern und überwachen lassen. Dass der CEO Mario Mildner dabei „Wissenschaft und Industrie“ eng verzahnen will, ist nicht nur organisatorisch, sondern auch sicherheitstechnisch relevant, weil Pilotierung, Datenintegration und Validierung in einheitliche Test- und Betriebslogiken übergehen müssen.
Technisch betrachtet setzt EverYield auf die FlashPhos-Technologie zur thermischen Klärschlammverwertung als zentralen Baustein des Standorts. Der Ansatz passt in das wachsende Zielbild, Wertstoffe aus Abwasserströmen so zurückzugewinnen, dass Betriebsabläufe und Emissionsprofile besser kontrollierbar werden als in vielen klassischen Pfadmodellen. In der Projektbeschreibung wird zudem die Zielgruppe klar adressiert: Anlagen bis zu einer Größe von 50.000 Einwohnerwerten. Für Betreiber kleiner und mittlerer Kläranlagen ist das entscheidend, weil CAPEX- und Energiekennzahlen in der Regel die Entscheidungslogik dominieren und digitale Optimierung hier besonders viel Potenzial für schnelle ROI-Schleifen hat.
Im regionalen Kontext zeigt sich gleichzeitig, wie stark Deutschland aktuell auf Bündelung statt Insellösungen setzt. Die Lausitz entwickelt sich laut Beschreibung zu einem Hotspot nachhaltiger Technologien; im Netzwerk „Hi!Lusatia“ arbeiten über elf Einrichtungen in mehr als 200 Projekten zusammen, an denen rund 1.000 Forschende beteiligt sind. Übertragbar auf die Praxis ist dabei vor allem der Mix aus Forschungsvorhaben und anwendungsnahen Piloten: So werden mit „CircEcon“ und „DC-Lab Saxony“ konkrete Kreislauf- und Entwicklungsstränge genannt. Ergänzend tauchen in der Programmlandschaft Vorhaben zu CO2-armen Industrieprozessen und Wärmegewinnung aus Flüssen auf. Für den Markt bedeutet das: Wer später skaliert, findet eher verlässliche Testumgebungen und Partner für die Überführung in den Regelbetrieb.
Auch bei der industriellen Anschlussfähigkeit ist ein Blick auf den Wettbewerb sinnvoll. Marktteilnehmer wie Veolia oder Suez investieren seit Jahren in Technologien zur Rückgewinnung aus Abwasser- und Abfallströmen und treiben dabei häufig Partnerschaften entlang der Verfahrenskette voran. EverYield positioniert sich mit seinem 100-Millionen-Budget zwar nicht als reiner Integrator, aber als Entwicklungszentrum, das besonders die thermische Verwertung und die digitale Betriebsoptimierung zusammenbindet. Diese Ausrichtung kann Wettbewerbsvorteile schaffen, sobald die Ergebnisse in standardisierte Retrofit-Pakete für Bestandsanlagen überführt werden. Als ergänzender Indikator für den industriellen Anspruch wird das sächsische Verbundprojekt „ReKlär“ genannt, das ein emissionsarmes Brennersystem für Klärschlamm entwickelt und dabei auf Partner aus Forschung und Industrie, darunter NMT Heizsysteme und Richter Fördertechnik, setzt.
Auf politischer und regulatorischer Ebene verschärft sich der Druck parallel, Technologieentscheidungen schneller und belastbarer zu begründen. Der BDE-Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft fordert eine praxistaugliche Revision des EU-Emissionshandels und mahnt die Wahrung der Abfallhierarchie sowie der Entsorgungssicherheit an. Darüber hinaus wird ein europaweites Verbot der Deponierung von unbehandelten Siedlungsabfällen gefordert, weil sich die Kreislaufwirtschaftsziele andernfalls nicht konsequent umsetzen ließen. Für Unternehmen ist das nicht nur ein Compliance-Thema, sondern auch ein Betriebsrisiko: Wer Prozesse nicht anhand von Emissions-, Energie- und Rückgewinnungskennzahlen nachweisen kann, steht später unter Zugzwang. Hier knüpft die digitale Komponente an, denn Datenmodelle und Nachweise werden oft erst im Betrieb wirklich belastbar.
Der Blick auf Arbeitskräfte und Skalierung zeigt zudem, dass Infrastruktur und Personalplanung gemeinsam gedacht werden müssen. Beim EU-Projekt „TRAIL“ am Oberrhein geht es mit einem Budget von rund 2,89 Millionen Euro, davon 1,26 Millionen Euro aus EU-Mitteln, um ein trinationales Masterprogramm für Hochschulen in Offenburg, Straßburg und Basel. Der Fokus liegt auf nachhaltiger Unternehmensentwicklung mit interkultureller Kompetenz und Praxisbezug. Solche Programme sind für die Kreislaufwirtschaft relevant, weil Technologien wie Phosphorrückgewinnung, ressourcenschonendes Bauen oder emissionsarme Prozesswärme zwar technisch adressierbar sind, aber Fachwissen über Betrieb, Schnittstellen und regulatorische Rahmenbedingungen erfordern. Auch Pilotierungen untermauern den Ansatz: Die BTU Cottbus-Senftenberg testet in Kolkwitz einen Bauanbau aus 60 gebrauchten Betonplatten, die aus früheren Rückbaumaßnahmen stammen. Die damit demonstrierte Wiederverwendung zielt darauf, Emissionen zu senken und bezahlbaren Wohnraum zu ermöglichen, was später als Blaupause für belastbare Wiederverwendungs-Logistikketten dienen kann.
In der Projektlandschaft bleiben konkrete Anschlussereignisse angekündigt, die zugleich die Marktmechanik zwischen Forschung und Anwendung beschleunigen sollen. Mitte September findet in Wien das zweite Kreislaufforum Holz statt, mit Themen zu zirkulären Materialströmen und KI im Holzbau. Mitte Oktober planen InnoZent OWL und das Wuppertal Institut zudem eine Online-Veranstaltung zur Vernetzung von Forschungseinrichtungen mit der Wirtschaft im Bereich Kreislaufwirtschaft. Für EverYield und vergleichbare Vorhaben ist das strategisch, weil digitale Umwelttechnologien erst dann produktiv werden, wenn Betreiber, Lieferketten und Forschung ihre Daten- und Validierungsprozesse abstimmen. Die nächste Entwicklung dürfte deshalb weniger „Technologie als einzelne Maschine“ sein, sondern eher standardisierte Plattformen für Messung, Modellierung und Nachweisführung, die sich von Pilot zu Flotte übertragen lassen.
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