LONDON (IT BOLTWISE) – David Schwartz, Mitbegründer des XRP Ledgers, sagt, er bereue frühe Verkäufe von XRP und Ethereum. Auslöser waren Erinnerungen an frühere Preisniveaus wie 0,10 US-Dollar bei XRP und rund 1,05 US-Dollar pro ETH. Statt einer fehlenden Überzeugung in Krypto-Networks beschreibt er vor allem Risikovermeidung als Entscheidungslogik. Damit rückt auch eine private Vereinbarung ins Zentrum, die Gewinne bei neuen Allzeithochs absichern sollte.

David Schwartz, Ripple CTO Emeritus und Mitbegründer des XRP Ledgers, hat seine frühen Verkäufe von XRP und Ethereum öffentlich neu eingeordnet. In einem Beitrag am 20. Juli reagierte er damit auf Nutzer, die seine Historie des Teil-Verkaufs wieder in den Vordergrund rückten – insbesondere auf den Umstand, dass XRP zeitweise bei etwa 0,10 US-Dollar verkauft worden sein soll und Ethereum nahe an der Größenordnung von rund 1 US-Dollar. Schwartz schreibt dabei ausdrücklich, dass er „diese Dinge“ im Nachhinein lieber nicht getan hätte, bleibt aber in der Sache bei seiner Kernbegründung: Es ging nicht um Zweifel an der Technologie, sondern um ein konsequent gelebtes Risikomanagement.
Technisch betrachtet steckt hinter der Aussage weniger eine Bewertung der Netzwerke als vielmehr eine Frage, wie man Volatilität in einer persönlichen Vermögensplanung operationalisiert. Schwartz beschreibt einen Mechanismus, bei dem er die eigene Risikotoleranz als feste Grenze behandelt: Sobald seine Bestände neue Hochs erreichten, sollte reduziert werden. Der entscheidende Punkt dabei ist psychologisch und prozessual zugleich. Anstatt Kurssteigerungen als „Bestätigung“ zu interpretieren, betrachtet er sie als Zeitpunkt, an dem die Unsicherheit über zukünftige Preisniveaus besonders groß bleibt. Diese Haltung erklärt auch, warum aus seiner Sicht frühere Verkäufe selbst dann weitergingen, als die Märkte später deutlich höher liefen.
Bei XRP nennt Schwartz konkrete historische Bezugspunkte. Er habe XRP begonnen zu verkaufen, als der Token ungefähr 0,10 US-Dollar erreicht habe, weil dieser Preis zum damaligen Zeitpunkt „extrem hoch“ erschienen sei. Außerdem wird seine Einschätzung aus frühen Marktphasen sichtbar, als er später auf die Erwartung zurückblickte, dass ein XRP-Wert um 0,25 US-Dollar eher unwahrscheinlich gewesen sei. Bei Ethereum folgt ein ähnliches Muster: Schwartz verweist darauf, dass er 40.000 ETH zu ungefähr 1,05 US-Dollar je Token veräußert habe. Seine spätere Rückschau wird dabei besonders greifbar, weil er die verpasste Rendite nicht als Zufall behandelt, sondern als Folge einer damals zu geringen Eintrittswahrscheinlichkeit für ein deutlich höheres Preisniveau. Er zieht als Gedankenbeispiel eine sehr spezifische Wahrscheinlichkeit heran: Wenn er auch nur eine kleine Chance auf einen späteren Sprung in sehr hohe Dollarbeträge gesehen hätte, hätte er nicht verkauft.
Der Kontext dieser Entscheidungen ist auch seine langfristig veränderte Portfolio-Strategie. Historisch habe er eine XRP-Position von etwa 26 Millionen Tokens gehalten, die er dann schrittweise reduziert habe. Gleichzeitig sagt Schwartz, er habe einen großen Teil seines Vermögens außerhalb von Kryptowährungen verlagert, abgesehen von seiner Beteiligung an Ripple. Dieses „Outside-the-crypto“-Element ist entscheidend, weil es den Unterschied zwischen direkter Exposure gegenüber Token-Volatilität und indirekter Industriebindung über Unternehmenswerte markiert. Aus der Außensicht bleibt dadurch zwar unklar, wie hoch sein aktueller Bestand an XRP, Bitcoin oder Ethereum noch genau ist. Inhaltlich bleibt seine Aussage aber konsistent: Er beschreibt eine bewusste Absenkung des eigenen Risikoprofils, nicht eine Neubewertung der Netzwerke.
Dass Schwartz dabei nicht nur XRP adressiert, sondern auch Bitcoin in seine Argumentationslinie einordnet, stärkt die These, dass es sich um ein übergreifendes Steuerungsprinzip handelt. Er habe demnach Teile seiner frühen Bitcoin-Bestände zu Kursen verkauft, die später deutlich unter den damaligen Endständen lagen. Auch hier rahmt er die Verkäufe als Antwort auf Volatilität, nicht als Urteil darüber, ob das Netzwerk „scheitern“ oder die zugrunde liegende Idee „funktionieren“ würde. Genau an dieser Stelle lohnt der Blick auf die Marktdebatte: Während viele Community-Diskussionen Kursprognosen und spätere Preisverläufe gegeneinander abgleichen, argumentiert Schwartz eher entlang von Informationen und Wahrscheinlichkeiten, die er zum Zeitpunkt der Entscheidung hatte.
Für die Community hat diese neue Einordnung damit weniger die Qualität einer konkreten Prognose als die Wirkung einer Selbstoffenbarung über Entscheidungsgrenzen. In früheren Diskussionen stand er schon mit Preisinterpretationen und der Deutung älterer XRP-Kommentare im Fokus; dabei ging es laut seiner Darstellung um das Verhältnis von Liquidity, Transaktionsgröße und Asset-Wert, nicht um eine garantierte Preiszukunft. Seine aktuellen Aussagen fügen dem keine neue XRP-Zielmarke hinzu, sondern ordnen die verpasste Kursentwicklung als Kosten einer vorsichtigen Wahrscheinlichkeitsannahme ein. Und selbst wenn er keinen „Best Practice“-Anspruch formuliert, sendet die Logik eine klare Botschaft für Enterprise-nahe Leser: Wer Risikobudgets als harte Regel behandelt, wird Gewinne bei Extrempunkten realisieren – auch dann, wenn spätere Marktbewegungen die anfängliche Erwartung übertreffen.
Schließlich zeigt sein fortgesetztes Engagement rund um XRP, dass die persönliche Finanzentscheidung nicht gleichzusetzen ist mit einem Rückzug aus dem Ökosystem. Schwartz will weiterhin codieren, unabhängige Infrastruktur betreiben und an neuen Nutzungsfällen für XRP arbeiten. Bis 2026 unterstützt er demnach auch technische Änderungen, etwa durch Updates an seiner XRPL-Umgebung; zudem bleibt die rechtliche Debatte um XRP und die Rolle des US-Regulators ein wiederkehrendes Thema, das er kommentiert. Insgesamt verbindet sich damit eine bemerkenswerte Doppelrolle: einerseits die Techniker-Perspektive auf Infrastruktur und Protokolländerungen, andererseits die Investor-/Risikoperspektive auf den eigenen Bestand. Dass er die frühen Verkäufe bereut, ohne die zugrunde liegende Risikologik zu verwerfen, macht seine Geschichte vor allem für Stakeholder interessant, die in ihren Entscheidungen bewusst zwischen Überzeugung in Systeme und Kontrolle über Risiko trennen müssen.
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