RADOLFZELL AM BODENSEE / LONDON (IT BOLTWISE) – Logivest hat in Radolfzell ein Sale-and-Lease-Back-Geschäft mit mehr als 35.000 Quadratmetern umgesetzt. Dabei wechselte ein Industriegrundstück des Automobilzulieferers BCS Automotive Interface Solutions den Eigentümer, während das Unternehmen Teilflächen weiter nutzt. Laut Vereinbarung bleibt der Standort langfristig an das Unternehmen gebunden, ohne dass ein Umzug erforderlich wird. Die Stadt Radolfzell begleitet das Vorhaben, um regionale Betriebe zu stärken.

Wenn Logistik- und Produktionsunternehmen ihre Immobilien nicht nur nutzen, sondern zugleich in Bilanz und Liquiditätsplanung einbeziehen müssen, rückt das Sale-and-Lease-Back-Modell häufig in den Fokus. Genau in diese Richtung weist ein neuer Deal in Radolfzell am Bodensee: Der ganzheitliche Logistikimmobilienberater Logivest hat ein über 35.000 Quadratmeter großes Grundstück im Zuge eines Sale-and-Lease-Back-Verfahrens vermittelt. Verkäuferseite war BCS Automotive Interface Solutions, Käuferseite eine Gesellschaft der Familie Repnik. Das Objekt liegt in der Industriestraße 2-8 – und damit in einem Umfeld, das für Industrieansiedlungen typischerweise auf klare Flächenlogik und langfristige Nutzungsfähigkeit ausgelegt ist.
Technisch und organisatorisch ist der Kern des Modells weniger die Eigentumsübertragung als die anschließende Nutzungslogik: BCS Automotive Interface Solutions kann laut Vereinbarung eigene Teilflächen weiterhin nutzen. Damit lässt sich der Immobilienwert buchhalterisch anders abbilden, während der operative Betrieb planbar bleibt. Für das Unternehmen mit Spezialisierung auf Touch-Bedienelemente, Lenksäulenmodule und Sensoren ist das relevant, weil Produktions- und Entwicklungsprozesse oft an etablierte Infrastrukturen gekoppelt sind: Hallen für Fertigungsschritte, Büroflächen für Planung und Verwaltung sowie interne Abläufe, die sich mit einem Umzug normalerweise erst nach erheblichen Vorlaufzeiten stabilisieren lassen.
Bei der Größenordnung wird schnell deutlich, warum solche Entscheidungen in der Praxis als strategische Weichenstellung behandelt werden. Für den Standort wurden etwa 20.000 Quadratmeter Hallen- und Bürofläche genannt, verteilt auf ein Grundstück von mehr als 35.000 Quadratmetern. Logivest wurde dabei exklusiv beauftragt, einen Käufer für genau dieses Paket zu finden. In einem Sale-and-Lease-Back-Szenario braucht es dafür nicht nur Kapital, sondern auch ein Nutzungsverständnis: Der neue Eigentümer muss das Objekt so verwalten und perspektivisch revitalisieren können, dass die bestehenden Anforderungen aus Industrie und Gewerbe langfristig aufgehen. Die Vermarktung zielte daher auf ein Objekt, das sich durch die aufteilbare Fläche für mehrere Nutzer aus der Industrie- und Gewerbebranche eignet.
Die Käuferrolle übernahm die Drei R Immobilien GmbH. Laut Deal-Kontext wurde die Gesellschaft aus der Familie Repnik als Käufer ermittelt, wobei die Familie bereits Erfahrung im Betrieb von Gewerbeparks gesammelt hat. Außerdem wird eine frühere Verbundenheit zur Stadt Radolfzell genannt: Dazu gehört, dass die Familie auch Gewerbe in der Region betreibt, etwa in Gottmadingen. Für Kommunen ist das ein wiederkehrendes Muster bei Industrieimmobilien: Lokale oder regional verankerte Investoren senken oft das Risiko von Bruchstellen in der Bewirtschaftung, weil Entscheidungswege näher am Tagesgeschäft liegen und die Standortentwicklung nicht isoliert betrachtet wird.
Auch die öffentliche Flankierung spielt in solchen Vorgängen eine Rolle, weil Genehmigungen, Standortkommunikation und Entwicklungsperspektiven nicht im luftleeren Raum entstehen. Im vorliegenden Fall wird berichtet, dass die Wirtschaftsförderung der Stadt Radolfzell die Unterstützung regionaler Unternehmen befürwortet. Damit passt der Abschluss in ein Muster, bei dem Stadt und Wirtschaftsförderer nicht nur an Ansiedlungen arbeiten, sondern auch Bestandsbetrieben helfen wollen, die Infrastruktur finanz- und nutzungsseitig zu stabilisieren. Für den Deal selbst wird betont, dass die Zusammenarbeit zwischen Verkäufer, Käufer und Wirtschaftsförderung konstruktiv verlief. Ingo Volk, Head of Industrial & Logistics (Letting) bei der Logivest GmbH Stuttgart, ordnet die Qualität der Abstimmung ein und verweist zugleich darauf, dass der Austausch mit BCS Automotive Interface Solutions bereits länger besteht.
Mit Blick auf Standortfaktoren wird der strategische Nutzen für Käufer und Nutzer greifbar. Die Lage und Anbindung werden als „hervorragend“ beschrieben: Die A 81 führt in Richtung Stuttgart und weiter in das Bundesgebiet, die Schweizer Grenze liegt ebenfalls in direkter Nähe. Solche Korridore sind für Logistikimmobilien entscheidend, weil sie Lieferketten, Pendel- und Transportwege beeinflussen. Gerade für mittelständische und regional verankerte Unternehmen ist eine gute Erreichbarkeit oft Teil der Standortrechnung – weniger wegen einzelner Fahrten, sondern wegen der Planungssicherheit, die sich aus etablierten Verkehrsachsen ergibt.
Nachdem die Parteien die Vereinbarungen getroffen haben, ist der letzte Schritt im Prozess die Umsetzung im Betrieb. Die Übergabe und der Bezug der Flächen seien bereits erfolgt, heißt es im Kontext der Meldung. Für BCS Automotive Interface Solutions bedeutet das in der Praxis vor allem: Die Kernnutzung des Standorts setzt sich fort, ohne dass ein kompletter Neuanfang erforderlich wird. Für die Drei R Immobilien GmbH ist die Aufgabe klarer: Das Gebäude soll als neuer Eigentümer für die zukünftige Nutzung revitalisiert werden. Damit verbindet sich das typische Spannungsfeld solcher Deals – einerseits Kontinuität für den operativen Betrieb, andererseits die Chance für den Eigentümer, das Objekt langfristig auf mehrere Nutzer und sich wandelnde Industrieanforderungen auszurichten.
Über den konkreten Standort hinaus zeigt der Vorgang, warum Sale-and-Lease-Back im Gewerbe- und Logistiksegment weiter an Bedeutung gewinnt. Unternehmen reduzieren damit nicht zwingend ihre strategische Bindung an den Standort, sondern sie verlagern die Kapitalstruktur: Immobilien werden veräußerbar, bleiben aber über Miet- und Nutzungsmodelle im operativen Alltag verankert. Gleichzeitig entstehen für Investorenseite neue Investitions- und Bewirtschaftungsaufgaben, die über reines Halten hinausgehen, etwa durch Revitalisierung, Aufteilungslogik und langfristige Belegung. Für Radolfzell ist das Ergebnis zudem mehr als ein Einzelgeschäft: Wenn regionale Unternehmen wie BCS Automotive Interface Solutions am Standort bleiben können und Investoren Gewerbeflächen perspektivisch entwickeln, stärkt das die wirtschaftliche Kontinuität in der Region. Genau diese Mischung aus Planbarkeit, Verwertung und Standortbindung dürfte auch bei zukünftigen Deals als Referenzpunkt dienen.
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