LONDON (IT BOLTWISE) – FM Logistic will mit einer Mehrheitsbeteiligung an der Schaefflein-Gruppe seine Position im Industriesektor und der Mobilitätslogistik weiter ausbauen. Für die Transaktion wurde der Beratungsansatz von Forvis Mazars über den gesamten Prozess aufgesetzt – von Financial und Tax bis hin zu IT-, ESG- und Compliance-Due-Diligence. Damit rückt bei dem Deal nicht nur die Bewertung des Zielunternehmens in den Fokus, sondern auch die Absicherung wesentlicher rechtlicher Rahmenbedingungen. Entscheidend ist dabei, wie FM Logistic operative Exzellenz und Dekarbonisierungs-Expertise in ein gemeinsames Setup überführt.

FM Logistic geht mit einer Mehrheitsbeteiligung bei der Schaefflein-Gruppe in die nächste Runde der Logistik-Konsolidierung. Für die Transaktion hat Forvis Mazars nach Angaben der Beteiligten ein integriertes Beratungspaket geschnürt, das den Deal über alle Phasen hinweg begleitet. Besonders auffällig: Der Beratungsumfang reicht weit über klassische Finance-Fragestellungen hinaus und umfasst ausdrücklich Financial, Tax, Legal, HR, IT, ESG sowie Compliance Due Diligence. Damit wird das Thema Unternehmenswert zwar zentral adressiert, aber nicht isoliert behandelt.
Hintergrund ist die strategische Zielsetzung von FM Logistic, die eigene Präsenz auf dem deutschen Markt auszuweiten und die Position im Industriesektor zu stärken. FM Logistic ist ein 1967 gegründetes Familienunternehmen mit Hauptsitz in Frankreich und nennt rund 1,9 Milliarden Euro Jahresumsatz. Der Logistikdienstleister beschäftigt mehr als 28.000 Mitarbeitende in Europa, Asien und Lateinamerika und deckt entlang der gesamten Supply Chain integrierte Services ab – von Transport und Lagerlogistik über E-Commerce-Fulfilment und Co-Packing bis hin zu Bestandsmanagement sowie weiteren Mehrwertdiensten. Operativ ist das damit ein Player, der Schnittstellen zwischen Logistik, Handel und industrieller Wertschöpfung bereits heute standardisiert, und genau dort kann eine Mehrheitsbeteiligung Synergien hebeln.
Schaefflein ergänzt dieses Portfolio mit einer starken Ausrichtung auf zwei Geschäftssäulen: Industrie und Mobilität. Die Angaben im Kontext des Deals beziffern den Industrieanteil auf rund 40 Prozent des Umsatzes und den Mobilitätsanteil auf 27 Prozent. Darüber hinaus wird Schaefflein als Unternehmen beschrieben, das insbesondere Expertise in Automatisierung, Mehrweglogistik und Dekarbonisierung mitbringt. Für FM Logistic heißt das: Die Integration betrifft nicht nur Prozesse in Transport und Lager, sondern auch technologisch geprägte Betriebsmodelle – etwa dort, wo Automatisierung und Mehrwegstrukturen die Kostenbasis und die Nachhaltigkeitskennzahlen unmittelbar beeinflussen. In der Logistik sind solche Themen selten reine „Nice-to-have“-Optionen, sondern wirken auf Durchsatz, Qualität der Kommissionierung und die Planbarkeit von Umläufen.
Technisch-administrativ wird der Deal durch das Due-Diligence-Design greifbar. Forvis Mazars begleitete FM Logistic demnach während des gesamten Transaktionsprozesses mit einem breiten Spektrum: Financial und Tax zur Werthinterlegung, Legal zur rechtlichen Strukturierung, HR zur Bewertung von Personalrisiken, IT für Systeme und Integrationsfähigkeit sowie ESG und Compliance für die Prüfung von Umwelt-, Governance- und Regelkonformitätsrisiken. Zusätzlich gehörten Business Modelling zur Ableitung von Szenarien sowie die rechtliche und wirtschaftliche Begleitung der Transaktion dazu, inklusive der Verhandlung der Transaktionsdokumentation. Auch die kartellrechtliche Beratung wird explizit genannt – ein Hinweis darauf, dass die Beteiligten die wettbewerbsrechtlichen Prüfpfade als zentralen Teil der Verlässlichkeit des Timings betrachten.
Damit verschiebt sich der Blick auf den Markt: Logistikdienstleister konkurrieren zunehmend nicht nur über Preise und Netzwerke, sondern über Betriebs- und Integrationsfähigkeit. Wer in einem Industriesegment wachsen will, braucht belastbare Prozesse in Bestandsmanagement, in der Lager- und Transportsteuerung sowie in der Fähigkeit, IT-Landschaften zusammenzuführen. Gerade weil FM Logistic bereits ein integriertes Service-Set entlang der Supply Chain beschreibt, ist das Zielbild für die Mehrheitsbeteiligung naheliegend: Schaefflein liefert thematische Schwerpunkte wie Automatisierung und Dekarbonisierung, die im Zuge der Skalierung schneller Wirkung entfalten können. Für Kunden bedeutet das in der Praxis typischerweise weniger Medienbrüche und eine durchgängiger zugeschnittene Abwicklung, besonders bei industriellen und mobilitätsnahen Use Cases.
Operativ dürfte der größte Aufwand weniger in der reinen Übernahmeplanung liegen, sondern in der Umsetzung gemeinsamer Standards. Beide Unternehmen werden als familiengeführt mit langfristiger Ausrichtung charakterisiert, verbunden mit einem Fokus auf operative Exzellenz und kundenorientierte Lösungen. Genau solche Punkte werden bei der Integration schnell zum „Transaktionskiller“ oder zum Beschleuniger: Wenn man Kennzahlen, Rollenmodelle, Freigabeprozesse und Qualitätsmechanismen nicht früh synchronisiert, bleiben Potenziale aus der Due Diligence theoretisch. Wenn es gelingt, diese Mechanik früh zu verankern, entsteht aus dem reinen Kaufakt ein Programm zur Leistungsangleichung – inklusive der Frage, wie Mehrweglogistik und Automatisierung in bestehende Betriebsabläufe eingepasst werden.
Für den Industriesektor ist der Deal zudem ein Signal, wie stark Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette zusammenrücken. Die Nennung von kartellrechtlicher Beratung unterstreicht, dass Wachstum nicht allein über Risikoakzeptanz entschieden wird, sondern über die Einhaltung wettbewerbsrechtlicher Anforderungen. Gleichzeitig zeigen die genannten Schwerpunkte ESG und Compliance, dass Nachhaltigkeits- und Governance-Themen zunehmend als integraler Bestandteil von M&A-Prozessen betrachtet werden. Entscheidend wird sein, wie FM Logistic die strategischen Stärken von Schaefflein – von Dekarbonisierung über Automatisierung bis hin zu Mehrwegkonzepten – in ein skalierbares Betriebskonzept überführt, ohne dabei die operative Stabilität in bestehenden Kundenverträgen zu gefährden.
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